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"Verschwundene Orte": Pam-Pam: Kult-Disco gegen Spießertum

"Verschwundene Orte" : Pam-Pam: Kult-Disco gegen Spießertum

Für viele Erwachsene war der Rock-Club an der Gelderstraße damals nur eine Hasch-Höhle. Doch für eine ganze Generation war sie ein Ort der Auflehnung gegen Bürger- und Spießertum. Nach zwölf Jahren schließlich kreiste 1981 die Abrissbirne.

Gelderstraße 3-5. Für eine ganze Generation Heranwachsender ein geradezu magischer Ort in Geldern. Dort hatte die Kult-Disco Pam-Pam von 1969 bis 1981 ihren Standort. Gäste ab 16 Jahren, die mit Bürste und Tabak zum Selbstdrehen in der Jeansjacke die Eingangstür passierten. Mädels, die die knallenge Jeans in der Badewanne anzogen und sie am Körper trocknen ließen, ehe sie die Tanzfläche zum "Flippen" enterten.

Eine Generation, die in Parka oder Nato-Jacke groß wurde — meistens ebenfalls mit Bürste und Tabak. Eine Generation, die mit den rockigen Sounds von AC/DC, Golden Earring oder Deep Purple aufwuchs, während Mutti und Vati Samstagsabends vor der Zett-Dee-Eff-Hitparade schlummerten. Eine Generation, die sich gegen Spießer- und Bürgertum auflehnte. Die ihr eigenes Leben bestimmen und leben wollte. Eine Generation aber auch, die heute längst gezähmt ist und selbst dem Bürgertum angehört — so waren und sind sie, die vielen Gäste des Pam-Pam, wo sich an Spitzentagen bis zu 1300 Gäste wie die Heringe in der Tonne quetschten.

"Eine tolle Zeit", meint Gerd van den Bongard im Rückblick. Der 74-jährige Gelderner, der später mit der E-dry oder der Queen (heute Stoffmehl-Tankstelle) Erfolge feierte, stand damals als Eigentümer an der Türe und machte auch (die) Kasse. "Neben dem Konzept mit viel Holz und zwei Ebenen war vor allem meine Frau Anita als geborene Gastronomin ein wichtiger Erfolgsgarant", so van den Bongard weiter. Dann blickt er auf die Anfänge des Pam Pam zurück — auf das Haus des Vaters, wo eine Eismaschine und der Verkauf von Flaschenbier den Beginn gastronomischer Aktivitäten kennzeichneten.

"Ein Düsseldorfer Architekt, der auch an der Einrichtung des Pam-Pam beteiligt war, hatte damals den Namen aus seiner Heimatstadt mitgebracht", erklärt van den Bongard, der bis heute aber nicht weiß, was es mit den beiden Worten auf sich hat.

Wobei es ihm da genauso geht wie Wolfgang Voss. Der Haus-DJ des Pam-Pam war bis zum Schluss dabei. "Die ganze Atmosphäre dort war so friedlich, freundschaftlich. Und die Inneneinrichtung mit dem Balkon war zur damaligen Zeit einfach sensationell", weiß der Gelderner, der heute noch regelmäßig im "Seven" an der Krefelder Straße die Musik der damaligen Zeit auflegt (nächster Termin am Freitag, 25. Oktober). "Die Leute gehen immer noch gut auf die alten Sounds ab", sagt Voss, der der guten alten Zeit aber auch ein wenig nachtrauert. "Damals hatte Musik für die Heranwachsenden noch einen Wert. Jugendliche sparten wochenlang auf eine neue Scheibe. Heute wird Musik leider nur noch im Vorbeigehen, zum Beispiel auf dem Smartphone, gehört", so der Musik-Experte, der bis 2006 das Rock-Café erfolgreich betrieb und auch dort musikalisch Rock, Progressive, aber auch alten Krautrock à la Nektar auflegte.

Zurück zum Pam, wie es damals hieß. Wenn sich um 18 Uhr die Tore öffneten, war schon um 19 Uhr der Laden voll. Heute, wo der Nachwuchs oft erst gegen Mitternacht loszieht, geradezu undenkbar. Legendär ist im Zusammenhang mit dem Pam-Pam auch der morastige Parkplatz, wo heute Woolworth vor sich hingammelt, sowie "Der Holländer" am Markt, neben Juwelier Vogel. "In einer Art Karawane zog die eine Gruppe nachts zum Holländer, um sich mit Currywurst und Pommes einzudecken. Und eine andere Gruppe kam dann regelmäßig zurück zum Pam — die ganze Nacht durch", erinnert sich Voss an die Imbissbude, die wohl selbst im Rahmen dieser Serie hätte Erwähnung finden können.

Damals, Pommes für 50-10-10, für Jugendliche mit Bürste und Tabak . . .

(RP)