Issum: Pächterin will um das Diebels live kämpfen

Issum : Pächterin will um das Diebels live kämpfen

Hohe Wellen schlug am Wochenende die RP-Exklusivberichterstattung über die Kündigung für Annett Kötting. Doch die Pächterin will sich nicht so einfach geschlagen geben. Es geht auch um richtig viel Geld.

Offensichtlich vollkommen aus heiterem Himmel erreichte Annett Kötting die Nachricht von Anheuser-Busch InBev aus Bremen, dass ihr Pachtvertrag fürs Diebels live in Issum zum 31. März gekündigt werden soll. Als Grund für diesen Schritt hatte die Konzernmutter unter anderem nicht gezahlte Handwerker-Rechnungen, Lärm und Schmutz für die Anwohner durch die Gäste sowie die fehlende Realisierung des Brauhauskonzeptes ins Feld geführt.

Indirekt wirft InBev der Geschäftsführerin vor, vor allem am Wochenende zu sehr auf das Party-Konzept mit lauter Musik zu setzen statt auf deftiges Essen und Brauerei-Führungen auch an Wochentagen. Dann ist bekanntlich kaum was los in dem runderneuertem Gastronomie-Komplex, der Anfang Oktober erst seine Eröffnung feierte.

Die massive Kritik will die Pächterin aber so nicht stehen lässt. Deshalb hat sie ihren Anwalt eingeschaltet. "Wir werden uns gegen die Kündigung zur Wehr setzen, werden sie nicht akzeptieren", erklärt Eberhard van Kell. Der Gelsenkirchener Jurist vertritt Annett Kötting. "Gerade erst in den vergangenen Tagen haben wir uns über mehrere Gesichtspunkte unterhalten, die wir mit Bremen besprechen und klären wollten", so der Anwalt weiter.

Ein nicht ganz unwichtiger Aspekt scheint dabei das Geld zu sein. Denn in der Pressemittelung aus Bremen schimmert ein gewisses Unverständnis durch: Obwohl InBev gegenüber der zusätzlichen Planung weiteres Geld in unbekannter Höhe nachschoss, sind Handwerker-Rechnungen nicht komplett bezahlt worden. Annett Kötting hatte dies mit dem Umbau und der Sanierung des Diebels live begründet, der deutlich teuerer als erwartet geworden sein soll.

Dazu Rechtsanwalt Eberhard van Kell: "Nachdem kurz vor der Eröffnung die Investitionen nicht ausreichten, weil der Umbau teuerer als erwartet wurde, hat meine Mandantin eine persönliche Bürgschaft im sechsstelligen Bereich unterschrieben, damit es weitergeht." Sonst hätte InBev eine zweite Finanzierungstranche nicht freigeben wollen, so van Kell weiter. Der Anwalt fürchtet nun, dass Annett Kötting ihr Geld verliert, wenn die Kündigung wirksam wird. Weiterer Vorwurf: Der Architekt, der die Umbaukosten berechnet hat, ist laut van Kell von InBev beauftragt worden. Und: Beim Konzern soll man gewusst haben, dass für die Erteilung der Konzession Lautstärke-Beschränkungen wegen der Anwohner vorgelegen haben. "Meiner Mandantin ist dies aber nicht mitgeteilt worden, obwohl im Konzept ausdrücklich auch von einem Discjockey und einer Bühne für Live-Musik die Rede war." Der Pressesprecher von InBev war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

(RP)