Organspende - offenen Briefs eines Betroffenen aus Geldern an Jens Spahn

Offener Brief an Gesundheitsminister Jens Spahn : „Widerspruchslösung wäre ein vernünftiger Weg“

Am Donnerstag entschied der Bundestag, dass Organspenden weiter nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt bleiben. Der Entwurf von Gesundheitsminister Spahn (CDU) scheiterte damit. Herbert van Stephoudt, der 2010 selbst eine Niere gespendet bekam, ist darüber enttäuscht und hat einen offenen Brief an Spahn verfasst.

Sehr geehrter Herr Bundesminister Spahn,

ich möchte mich ausdrücklich für Ihre Initiative zur Reform der Organspende in Deutschland bedanken.

Als ich Donnerstag während der morgendlichen Berichterstattung über WDR 2 Meinungsbeispiele vernahm von Menschen, die die Befürchtung äußerten, nun medizinisch nicht mehr gut versorgt zu werden, weil man ja ein potentieller Organspender sei, kamen mir tatsächlich die Tränen.

Im Grunde genommen erwartet man von jedem Menschen einfach nur die Bereitschaft, sich einmal in seinem Leben mit dem Thema Organspende auseinander zu setzen.

Kommt man zu dem Ergebnis, man möchte dies nicht (vielleicht sogar aus durchaus nachvollziehbaren Gründen), legt man seinen Widerspruch ein — und die Sache ist ausgestanden.

Nicht einmal zu dieser Lösung konnte sich der Bundestag durchringen.

Das hat mich sehr enttäuscht.

Ganz besonders enttäuscht sein dürften die Menschen, die auf ein Spenderorgan angewiesen sind.

Ich hatte das (unverschämte) Glück, dass eine Dame (Gabi Kisters aus Geldern) mir im Jahre 2010 eine ihrer Nieren gespendet hat. Dies ermöglicht mir — zumindest für eine gewisse Zeit — ein nahezu beschwerdefreies Leben.

Auf so ein Glück darf man eigentlich gar nicht hoffen. Eine absolute Ausnahme. Meine Gedanken sind bei denen, die in irgendwelchen medizinischen Zentren auf eine Organspende hoffen oder aber die durch die Dialyse wenigstens einen gewissen Zeitraum überbrücken können.

Die „Widerspruchslösung“ wäre eine vernünftige Lösung gewesen, die auch allen Menschen die Möglichkeit eingeräumt hätte, die Organspende für sich auszuschließen.

Aber was jammer ich hier rum...? Ihnen gilt für Ihr Engagement mein herzliches Dankeschön. Sie haben die Sache mit Vehemenz angepackt. Das kann man bislang von keinem Gesundheitsminister sagen. Es grüßt Sie sehr herzlich aus Geldern am Niederrhein...

Herbert van
Stephoudt