Oratorium "Elias" in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Geldern

St. Maria Magdalena in Geldern : „Elias“ als kämpferischer Prophet

Eindrucksvolle Aufführung: Unter der Leitung von Dieter Lorenz erklang in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena Geldern das Oratorium. Unterstützt wurde der Kirchenchor von vier Solisten und den Duisburger Philharmonikern.

Ein Jahr vor seinem Tod erzielte Felix Mendelssohn Bartholdy mit seinem Oratorium „Elias“ einen Erfolg, der ihn bis heute zu einem der beliebtesten Oratorienkomponisten gemacht hat. Von packender Dramatik und gleichzeitig außerordentlicher Innigkeit geprägt, bot das Oratorium den Aufführenden und dem Publikum in der vollbesetzten Pfarrkirche Maria Magdalena am Ewigkeitssonntag unter der Leitung von Kantor Dieter Lorenz im Rahmen der Geistlichen Konzerte eine Vielzahl an musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten.

Anschaulich setzte der Komponist in packenden Gesängen, theatralisch durchkomponierten Szenen und eingängiger Engelsmusik die alt-testamentlichen Bibeltexte in Rezitativen, Arien und Chorsätzen um. Es entstand ein biblisches Drama, dessen 22 Abschnitte zu ausgedehnten, spannenden Szenen zusammengefasst sind. Entsprechend kehrte der Dirigent Dieter Lorenz die dramatischen Charaktere und Situationen des Werkes besonders hervor.

Wesentlichen Anteil daran hatte der mit rund 100 Mitwirkenden stark besetzte Chor, der durch sein homogenes und klangvolles Erscheinungsbild ebenso auffiel, wie durch seine hervorragende, allgemein verständliche Textdeklamation, was darauf hindeutete, mit welch großer Sorgfalt Lorenz bei der Probenarbeit auf die Grundlagen achtete.

Das erste „Hilf, Herr“ tönte gewaltig und überzeugend. Der Chor wirkte im Ganzen nie zurückgenommen, sondern vertrat das Volk Israels recht massiv, blieb dabei aber in den Stimmgruppen stets gut unterscheidbar. Von den mit viel Wärme vorgetragenen Choralpartien über die notorisch aufgewühlte Volksmasse Israels bis zu den theatralischen Szenen mit einzelnen Stimmgruppen: Hier wurde bis ins kleinste Detail abgestuft vorgegangen. Die dramatische Akzentuierung der Chorteile gelang perfekt und ließ vor allem die szenischen Abläufe des Oratoriums zu Höhepunkten werden.

Lorenz setzte dabei auf einen besonders differenzierten Zugang zum Notentext der Chorpassagen, um dadurch die Wirkung der Musik zu unterstreichen. Die Mitglieder der Duisburger Philharmoniker unter ihrer Konzertmeisterin Anke Becker setzten die packende Erzählung mit angemessener Spritzigkeit und Wendigkeit blitzschnell und präzise um, ohne sich vor die Sänger zu platzieren.

Die Titelpartie des Elias sang Bassist Guido Jentjens, der den Propheten kämpferisch, zuweilen sogar höhnisch mit Kanten darstellte, um klarzumachen, dass man ihm zuhören muss. Er verstand es seinen Part mit emotionaler Dichte zu formen. Ruth Weber (Sopran) konnte mit ihrem wunderbaren Timbre und einer jeweils an die musikalischen Situationen angepassten Ausdruckskunst ebenso bezaubern wie Christa Bonhoff (Alt) und Dantes Diwiak (Tenor), dessen Darstellung des Obadjah eine einfühlsame Schlichtheit erkennen ließ. Die herausragenden Gesangssolisten, Chor und Orchester erhielten langanhaltenden, verdienten Applaus.

Der Chor an St. Maria Magdalena probt jeden Donnerstag um 20 Uhr und freut sich über neue Sängerinnen und Sänger.

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