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Geldern: Notdienst: Issumer Mediziner warnt vor großen Bezirken

Geldern : Notdienst: Issumer Mediziner warnt vor großen Bezirken

Dietz Dallmann ist von der Neuorganisation wenig begeistert / KV verteidigt sich – und plant eine Notfallpraxis im Kreis Kleve

Das RP-Interview mit Dr. Reinhard Raddant hat für Gesprächsstoff gesorgt. Darin sprach sich der Obmann der niedergelassenen Ärzte in Geldern gegen eine Neuordnung des Notdienstes aus, den die Kassenärztliche Vereinigung (KV) beschlossen hat. Danach sollen der Notdienst in Geldern, Kerken und Issum zusammengelegt werden. Folge: Jeder (Not-)diensthabende Arzt betreut dann außerhalb der Sprechzeiten Patienten aus drei Kommunen. Bisher war es nur eine. Der Arzt wird längere Fahrzeiten auf sich nehmen müssen. Und Patienten müssen länger auf Hilfe warten. Nicht betroffen davon ist der Notdienst (112), der beispielsweise bei Herzinfarkten oder Schlaganfällen sofort verständigt werden muss.

Auch Dietz Dallmann hat selbstverständlich von den Plänen gehört. Und genau wie Raddant bestätigt der Issumer Allgemeinmediziner Gerüchte, wonach die Bezirke sogar noch weiter vergrößert werden könnten. Folge laut Dallmann: "Dann werden uns Patienten gerade am Wochenende lieber nach Hause bestellen, als zu uns zum Notdienst in die Praxis zu kommen, weil sie die weiten Fahrten scheuen. Gleichzeitig wird unsere Hilfeleistung wegen der Anreise aber wesentlich teurer für das Gesundheitssystem."

Dallmann geht sogar noch weiter. Er geht von einer generellen Zunahme der Arztbesuche am Wochenende (als Notdienst-Fall) aus. Weil es praktischer als in der Woche sei, wo viele arbeiten müssen. Zumal ja auch noch die Praxis-Gebühr wegfalle. Den Ärzten drohen also mehr Patienten in den Abendstunden, nachts und an Wochenenden – und das in einem deutlich vergrößertem Bezirk. "Ich kann mir kaum vorstellen, das so Kosten im Gesundheitssystem verringert werden können."

Doch die Kassenärztliche Vereinigung, in der die niedergelassenenÄrzte vertreten sind, hat primär andere Ziele im Blick. So soll die Belastung durch Notdienste gerechter verteilt werden, erklärt Dr. Heiko Schmitz. Der Sprecher der KV Nordrhein weiß, dass gerade junge Mediziner den ländlichen Raum meiden, weil dort mehr Notdienste geleistet werden müssten als in den Ballungsgebieten. "Gleichzeitig fehlen uns ja schon jetzt immer mehr Ärzte auf dem Land", so Schmitz weiter. Da wolle die KV gegensteuern. Dazu zählt auch ein professioneller Fahrdienst, damit die Mediziner sich auf ihre Aufgabe konzentrieren können und eine Ärztin beispielsweise in einem verlassenen Außenbezirk nicht nachts allein unterwegs ist. Eine Einrichtung, die es in anderen Bezirken schon gibt. Gleichzeitig erklärt Schmitz, dass im Kreis Kleve eine Notdienstpraxis geplant ist, in der immer ein Arzt Bereitschaft hat. Im Wechsel mit Kollegen wird er seinen Dienst nicht von Hause aus versehen, sondern in der Praxis auch schlafen.

"Das war damals ein Grund, für mich, am Krankenhaus aufzuhören und eine eigene Praxis zu eröffnen. Denn solch eine Regelung ist nicht gerade familienfreundlich", so Dallmann, der mit der bestehenden Regelung offenbar gut leben kann.

(RP)