Nieukerker Hinrich Kley-Olsen informiert im Internet rund um Mauerfall

Eigenes Internetportal : Nieukerker informiert über Mauerfall

Die Auseinandersetzung mit der DDR ist Hinrich Kley-Olsen wichtig. Er hat dafür ein Internetportal aufgebaut.

Mindestens 30 Mal wurde er zwischen 1983 und 1987 von Polizisten bei gewaltfreien Demonstrationen weggetragen. Insgesamt 16 Festnahmen führten zu 140 Tagessätzen, die er im Gefängnis absaß. Die Rede ist von Hinrich Kley-Olsen. Er war einer von zahlreichen Aktivisten der Friedensbewegung, die in den 80er Jahren gegen die Stationierung von Atomraketen des Typs „Pershing II“ im baden-württembergischen Mutlangen demonstriert haben. Der heute 61-jährige Diplompädagoge wohnt seit Juli 2011 zusammen mit seiner Frau in Nieukerk und arbeitet als Referent für evangelische Erwachsenenbildung sowie als Leiter einer Begegnungsstätte für ältere Menschen.

Alles andere als ruhig war sein Leben in den 80er Jahren. Zu jener Zeit nahm er an zahlreichen Demonstrationen in ganz Deutschland teil. Heute betreibt er „www.mauerfall-berlin.de“, ein umfangreiches Internetportal zu Themen rund um die DDR, die SED-Diktatur und den Mauerfall.

Ein politisch denkender und aktiver Mensch wurde er vor allem durch seinen Großvater und seine Mutter. Die Berichte seines Großvaters aus den Kriegen und von seiner Arbeit als Präsident im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hätten ihn geprägt, erzählt Kley-Olsen. Seine Mutter Luise, die erst recht spät selbst politisch aktiv wurde, sagte einst zu ihrem Sohn: „Ich habe die Schnauze gehalten, aber du kannst was tun.“ Sie war damals im Alter von 21 Jahren dabei, als die beiden Geschwister Hans und Sophie Scholl von der Gestapo in München festgenommen wurden.

Bis zu ihrem Tod bereute sie es, nicht auch gegen den Nationalsozialismus Widerstand geleistet zu haben. Kley-Olsen, 1958 geboren, nahm sich die Worte seiner Mutter zu Herzen und wollte zur weltpolitisch angespannten Zeit des Ost-West-Konflikts nicht tatenlos zuschauen, wie seine Mutter es zur Zeit der Nazidiktatur tat. Er wollte etwas bewegen. „Ich war so betroffen von der Aufrüstung, dass ich mich einem Friedensmarsch von Bremerhaven, also Nordenham, nach Mutlangen anschloss. In Mutlangen hatte ich erst ein paar Tage, vielleicht Wochen Engagement geplant. Aber einmal da, wurde es dann eben viel länger“, erinnert sich der Nieukerker.

Ein zweiter einschneidender Moment war für ihn der Berliner Mauerfall im November 1989, den er zunächst zusammen mit seiner Mutter im Fernsehen verfolgte. Schnell machte er sich zum Ort des Geschehens auf, um live dabei zu sein, als Geschichte geschrieben wurde. Bereits 1985 demonstrierte er als „Wessi“ in Ost-Berlin auf dem Alexanderplatz. Seitdem fühlt er sich zur Erinnerungsarbeit verpflichtet und recherchiert bis heute zum Mauerfall, zur DDR und zur SED-Diktatur. Aufklärung, Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des geteilten Deutschlands sind für ihn von großer Bedeutung.

Deswegen betreibt er mit „www.mauerfall-berlin.de“ ein umfangreiches Internetportal, wo er Medienberichte zu Themen rund um die DDR, die SED-Diktatur und den Mauerfall verlinkt. Filme, Youtube-Videos, Bildmaterialien und mehr als 650 Buchtipps hält der 61-Jährige auf seiner Plattform für alle Geschichtsinteressierten bereit. Fast jeden Tag füllt er die eigenständig betriebene Webseite mit neuen Inhalten: „Mal eine halbe Stunde, oft aber auch drei Stunden oder länger, aktualisiere ich die Webseite pro Tag“, beschreibt Kley-Olsen den Aufwand.