Niersexpress: Auf der Strecke zwischen Kleve und Düsseldorf fallen Züge aus

Nahverkehr im Gelderland : Stillstand beim Niers-Express

Seit Sonntag sind elf Verbindungen des RE10 ausgefallen, weil zu viele Lokführer krank sind. Einen Ersatzverkehr mit Bussen gibt es nicht.

Ob Josia Houcken den Anschluss-Zug in Köln bekommen wird, das weiß der 20-Jährige noch nicht, als er am Bahnhof Geldern auf die Nordwestbahn wartet. Immerhin kommt der Zug pünktlich um 10.58 Uhr, und der junge Mann kann seine Reise starten. Andere Fahrgästen des Niers-Express haben am Montag nicht so viel Glück. Weil sich zahlreiche Lokführer krank gemeldet haben, hat die zuständige Nordwestbahn Fahrten gestrichen. „Der Zug nach Kleve um 12.02 Uhr fällt aus, wir bitten um Entschuldigung“, zieht in Leuchtschrift über die Anzeigetafel am Bahnhof.

Josia Houcken hat erst am Vorabend per Zufall davon erfahren, dass Züge ausfallen, und konnte sich dann entsprechend darauf einstellen. Sonst hätte er vermutlich lange vergeblich am Bahnsteig gestanden. Die Informationspolitik ist für Joachim Becker ohnehin der Hauptkritikpunkt. „Wenn ich zu Hause auf meine App schaue, kommt es oft genug vor, dass da angezeigt wird, dass der Zug planmäßig abfährt. Wenn ich dann 15 Minuten später am Bahnhof bin, heißt es dann: Der Zug fällt aus.“

Für den Mann aus Geldern, der regelmäßig nach Krefeld pendelt, völlig unverständlich. „Eine aktuelle App wäre absolut wünschenswert.“ Und Becker gehört noch zu den Fahrgästen, die durchaus Verständnis für die Situation auf der Strecke von Düsseldorf nach Kleve haben. „Hier muss man auch die besondere Struktur beachten. Es gibt nur ein Gleis, wenn da ein Zug stehen bleibt, ist die ganze Strecke dicht.“ Hinzu komme, dass das Gleis der Bahn gehöre, und wenn es dort Störungen im Stellwerk gibt, muss darunter auch der Niers-Express leiden.

Per Zufall hat Josia Houcken davon erfahren, dass Züge zwischen Kleve und Düsseldorf ausfallen. Foto: Latzel

Diesmal legt allerdings der hohe Krankenstand die Strecke teilweise lahm. Von 100 Lokführern seien mehr als zehn Prozent krank, erläutert Nordwestbahn-Sprecherin Karin C. Punghorst. Das sei eine Ausnahmesituation, dass der Krankenstand so hoch sei, sei „ungewöhnlich“. Es handelt sich auch um echte Krankheitsfälle und nicht um eine Protestaktion. Zudem seien unter den erkrankten Lokführern auch Personen, die langfristig ausfallen würden. Hier geht es vor allem um Mitarbeiter, die einen Suizidfall auf ihrer Route miterleben mussten und jetzt betreut werden. Diese Lokführer würden über Wochen ausfallen.

Eine schnelle Besserung der Personalsituation ist nicht in Sicht. Die Nordwestbahn geht davon aus, dass auch in der nächsten Zeit Züge ausfallen werden. „Die Situation wird noch andauern“, sagt die Sprecherin. Man suche jetzt nach alternativen Fahrkonzepten. So soll am Dienstag ein Busnotverkehr zwischen Geldern und Krefeld fahren.

Mit dem FDP-Landtagsabgeordneten Stephan Haupt hat sich jetzt auch der erste Politiker eingeschaltet. „Sicherlich können Zugausfälle vorkommen, mittlerweile nehmen diese aber derart Überhand, dass das Maß des Erträglichen besonders für Pendler längst überschritten ist“, so Haupt. Als Streckenbetreiber müsse die Nordwest-Bahn auch für eine ausreichende Personalpolitik Sorge tragen, um auch bei hohen Krankenständen den Betrieb sicher zu stelle.Bei der anstehenden Neuausschreibung stelle sich die Frage, ob die Nordwestbahn noch berücksichtigt werden sollte.

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