Niederrheiner (RB 31): Der VRR will die Nordwestbahn noch nicht abmahnen

Ausfälle beim „Niederrheiner“ : Dauerärgernis Niersexpress

Nach den Problemen mit vielen Zugausfällen fordert die CDU nun eine Abmahnung. Der VRR will erst einmal ein Spitzengespräch mit der Nordwestbahn abwarten. Die Geschichte eines Branchenproblems.

Der Ton nach den zahlreichen Zugausfällen bei der Nordwestbahn (NWB) wird rauer. Nachdem der FDP-Landtagsabgeordnete Stephan Haupt, wie berichtet, die Frage aufgeworfen hatte, ob die NWB bei der neuen Ausschreibung der Strecke überhaupt noch berücksichtigt werden sollte, forderte Frank Heidenreich, CDU-Fraktionsvorsitzender in der VRR-Verbandsversammlung, sogar eine Abmahnung . Doch auch wenn die „Niersexpress“-Betreiberin gerade das Sorgenkind des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) ist, will der Verband das Osnabrücker Unternehmen zunächst nicht abmahnen. Das sagte VRR-Sprecher Dino Niemann am Mittwoch auf Anfrage der Redaktion. Erst sollen weitere Gespräche zwischen den Vertragspartnern folgen. Es soll ein Spitzengespräch mit der NWB geben, bei dem Treffen von einem Krisengespräch zu sprechen, sei „nicht ganz unrichtig“, so Niemann.

Immer mal wieder ist auch die drastische Forderung zu hören, den Vertrag mit der NWB zu kündigen. Das sei zwar theoretisch möglich, so Niemann. „Aber die Frage ist, ob das Sinn macht. Eine solche Forderung ist schnell aufgestellt, aber die Frage ist, wie so etwas prakltisch umgesetzt werden soll.“ Schließlich müsste dann für Ersatz gesorgt werden

Regelmäßig fallen nicht nur die Züge zwischen Kleve und Düsseldorf aus. Fünf weitere Linien, die von der NWB im VRR-Gebiet bedient werden, sind betroffen. „Auch hier gibt das Unternehmen erkrankte Lokführer als Grund an“, sagt VRR-Sprecher Dino Niemann. Ein Niederrhein-spezifisches Problem scheinen der hohe Krankenstand und die dadurch entstehenden Ausfälle also nicht zu sein. Das spricht gegen die Vermutung des Grünen-Politikers Lukas Aster. Er ist der Ansicht, dass die Motivation der Lokführer gesunken ist. Grund dafür sei der Zustand der aus seiner Sicht von der DB-Netz „jahrzehntelang verrotteten“ Strecke. Die Zugführer hätten realisiert, dass es schwierig sei, diese Strecke ohne Verspätungen und ausfallfrei zu fahren. Der Frust der Fahrgäste lande bei ihnen. Deshalb seien sie so oft krank.

Auf den ersten Blick scheint das Problem ganz einfach lösbar: Der NWB fehlen Lokführer, also muss sie einfach noch mehr einstellen. Hier kommt dann aber das Branchenproblem ins Spiel. „Kurzfristig finden die Unternehmen keine neuen Lokführer. Sie haben die Lage unterschätzt“, sagt Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn NRW. Er sitzt als Vertreter im Ausschuss des VRR für Verkehr und Planung, der sich mit dem „Niederrheiner“ beschäftigt. „Schon vor Jahren hätten die Unternehmen in neues Personal investieren müssen. Stattdessen hat die Branche geschlafen“, sagt Ebbers. Der Markt sei leergefegt und die wenigen neuen Lokführer, die nachkommen, entschieden sich in den meisten Fällen für den Güterverkehr. „Da ist der Verdienst höher und es gibt Zulagen. Die Konkurrenz für den Personenzugverkehr ist also groß.“ Da die Konjunktur brummt, gebe es viele Jobs im Güterverkehr. Neulinge landen oftmals dort. Besonders im Großraum Duisburg.

Für die NWB wird es laut Ebbers schwierig werden, schnell Personal zu finden und der Forderung des VRR gerecht zu werden. „Die Unternehmen finden noch nicht einmal ausbildungsfähige Bewerber“, sagt Ebbers. „Die Hälfte der Auszubildenden, die sie dann einstellen, schafft am Ende die Prüfung nicht. Da bleiben dann nach Monaten von 30 Leuten nur noch 15 übrig.“

Fallen dann noch Lokführer auf unabsehbare Zeit wegen Suizidfällen auf ihren Routen aus, ist der Personalmangel deutlich zu spüren. Niemann kennt das Problem des Lokführermangels auf dem Arbeitsmarkt. „Es ist aber schon verwunderlich, dass es bei anderen Unternehmen trotzdem klappt“, sagt er. Die NWB ist keineswegs alleine mit ihrem Problem: Die Eurobahn wurde wegen ihrer ständigen Zugausfälle Ende vergangenen Jahres vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) abgemahnt. Daran war auch der VRR beteiligt. „Es war eine gemeinsame Entscheidung, die Eurobahn abzumahnen. Einige Strecken führen ins VRR-Gebiet“, sagt Niemann.

 „Über unser weiteres Vorgehen können wir erst nach dem Spitzengespräch etwas sagen“, so Niemann. Komme es zu einer Abmahnung, werde ein Co-Manager engagiert, der im Unternehmen schauen soll, wo es in den betrieblichen Abläufen hakt. „Den müsste die Nordwestbahn dann selber bezahlen“, sagt Niemann. Auch die Eurobahn musste im Zuge der Abmahnung einen Co-Manager engagieren.

Auch bei der NWB ist man über die aktuelle Situation nicht glücklich. Man stehe in dieser Sache in engem Kontakt mit dem VRR als Vertragspartner, ließ Geschäftsführer Rolf Erfurt über die Pressestelle mitteilen. Unstrittig sei, dass die aktuellen Ausfälle durch das Unternehmen selbst verursacht worden seien, weil es den hohen Krankenstand gebe. Gleichzeitig leide die NWB aber auch darunter, dass man teilweise auf maroder Infrastruktur unterwegs sei. Daher sei es positiv, dass durch die aktuelle Diskussion Bewegung in das Thema komme.

Tröstlich: Am Donnerstag sollen beim Niersexpress erst einmal keine weiteren Züge ausfallen. Für die nächsten Tage könne man noch keine Prognose abgegeben.

Jedes Mal, wenn die Nordwestbahn ausfällt, geht der NWB Geld flöten. Der VRR zahlt die ausgefallene Zugfahrt nämlich nicht. Laut Ebbers kann man von rund 700 Euro ausgehen. Davon gehen noch Kosten für die DB-Netz ab. Auch Verspätungen ziehen Sanktionen nach sich und kosten das Unternehmen NWB Geld. „Ausfälle lohnen sich für das Unternehmen nicht“, sagt Ebbers.

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