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Neuzüchtungen von Pflanzen im Gelderland

Geldern : Züchtung: Innovationen brauchen Zeit

Im Bereich Neuzüchtungen von Pflanzen sind die Agrobusiness-Betriebe im Gelderland sehr aktiv.

Neuzüchtungen sind für Gartenbaubetriebe eine wirtschaftlich wichtige Sache. Die neue Farbe bei einer beliebten Staude oder eine bessere Regenverträglichkeit bei einer Erdbeerpflanze wecken das Interesse des Handels und des Endkunden. Dementsprechend sind viele Agrobusiness-Betriebe im Gelderland in der Züchtung aktiv. Doch Züchtung ist nicht nur spannend, sondern auch sehr aufwendig und somit immer auch ein wirtschaftliches Risiko. Bis beispielsweise eine neue Azaleen-Sorte marktreif ist, vergehen stolze zehn Jahre intensiver Arbeit, erklärt Stefan Kanders bei einem Ortstermin in seinem Betrieb in Lüllingen. Misslingt die Züchtung, war die Zeit umsonst investiert. Kanders produziert ausschließlich Zimmer-Azaleen, rund 500.000 Stück pro Jahr.

Zehn Jahre – wo bleibt bloß die Zeit? Der Betriebsinhaber erklärt es: „Nach der Bestäubung, mit der die Züchtung beginnt, vergeht ein Jahr, bis die Samen reif sind. Nach der Saat sind die Pflanzen nach zwei Jahren groß genug, dass sie blühen. Dann müssen wir erst einmal Stecklinge machen und diese wiederum großziehen, um zu testen, ob die Sorteneigenschaften stabil sind. Möchte ich dann eine Sorte beim Sortenschutzamt anmelden, wird diese nochmals zwei Jahre lang geprüft. Erst dann kann ich sie vermarkten.“ Das eigentlich kniffelige am Züchten aber ist es, in jedem Stadium die Pflanzen auszuselektieren und nur mit den Sorten weiterzuarbeiten, die die gewünschten Eigenschaften haben. Das braucht großes Fachwissen. „Es beginnt schon bei der Auswahl der beiden Elternpflanzen“, erklärt Kanders. „Zunächst brauche ich eine Idee, welche Eigenschaften ich erreichen möchte. Also zum Beispiel eine bestimmte neue Blütenfarbe. Weitere Kriterien sind immer eine lange Blütezeit, stabiles Holz, nicht zu lange Blütenstiele, dass die Pflanzen möglichst keine Blütenhüllen abwerfen und dass sie als Stecklinge schnell gute Wurzeln bilden.“ In jedem Jahr der Züchtungszeit werden Sorten aussortiert, nur die besten werden weiterkultiviert. „Von 10.000 gekeimten Sämlingen, das heißt von 10.000 neuen Sorten, bleiben am Ende vielleicht 20 über, die überhaupt die gewünschten Eigenschaften haben. Und vielleicht ein oder zwei, die innovativ genug sind für eine Markteinführung“, bilanziert Kanders das Züchtungsgeschäft.

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Die besten werden genommen und sortenrechtlich geschützt. Nun werden Markennamen, Etiketten, eventuell bedruckte Töpfe und Verpackungen entwickelt. Und dann endlich kann der Verkauf beginnen. Beziehungsweise die Werbung, vor dem Verkauf müssen schließlich Händler und Endkunden überzeugt werden. Möglichst schnell, denn nach 25 Jahren verfällt der Sortenschutz. Das heißt, nach dieser Zeit darf auch jeder andere Betrieb die neuen Sorten produzieren und verkaufen.

Lohnt da die eigene Züchtung überhaupt? Es gibt doch schon so viele Sorten auf dem Markt, warum nicht die produzieren? Kanders bestätigt, über 500 Azaleen-Sorten gibt es, rund 100 davon werden tatsächlich weltweit produziert. „Aber man kann noch immer Verbesserungen erreichen“, sagt er. Und Qualität ist eben das Verkaufsargument schlechthin. Deshalb gibt es auch seine Eigenmarke „Miss Azalea“ ausschließlich aus seinem eigenen Betrieb, er vergibt keine Lizenzen. „So kann ich die Qualität von Miss Azalea garantieren“, begründet es der Gärtnermeister. Und: „Eigene Sorten bedeuten ein Alleinstellungsmerkmal für unseren Betrieb“, fährt er fort. Zusatzentwicklungen rund um die Pflanze sollen dazu beitragen. Kanders etwa hat gerade einen eigenen Wasserspeichertopf für „Miss Azalea“ auf den Markt gebracht. Kanders abschließend: „Es ist wichtig, sich von der Konkurrenz abzuheben.“