Wachtendonk: Neues Schulmodell in zwei Kommunen

Wachtendonk : Neues Schulmodell in zwei Kommunen

Gestern Abend im Rat: Straelen und Wachtendonk vor gemeinsamer Bildungspolitik. Es geht um den Erhalt der Sekundarschule, möglichst an beiden Standorten. Über eine Entwicklungsplanung will die Politik im Mai beschließen.

/ Straelen In der von Straelen und Wachtendonk seit 2012 gemeinsam getragenen Sekundarschule werden derzeit 721 Schüler unterrichtet - 571 in Straelen und 150 in Wachtendonk. Für den kleineren Standort gab es im Frühjahr zu wenig Anmeldungen, um neue Eingangsklassen bilden zu können. Doch beide Kommunen sind daran interessiert, die Schule zu erhalten, möglichst auch an beiden Orten. Das wurde gestern in der außerordentlichen Ratssitzung in Wachtendonk deutlich. Eine gemeinsame Politik soll dabei helfen - und eine neue Schulform.

Die Schulträger hatten gemeinsam mit der Bezirksregierung in den vergangenen Wochen nach einer Lösung gesucht. Den Vorschlag, die Schule in horizontaler Gliederung weiterzuführen - einige Jahrgänge lernen in Straelen, die übrigen in Wachtendonk -, sieht die Schule kritisch. "Das ist kein probates Mittel", erklärte Bernd Heines vom Leitungsteam im Rat. Pädagogisch sei eine gemeinsame Schulpolitik wünschenswert. Straelens Schuldezernent Christian Hinkelmann regte an, die Schulentwicklungsplanung von 2011 mit den Nachbarn Geldern, Issum, Kerken und Rheurdt fortzuschreiben. "Mindestens Straelen und Wachtendonk sollten gemeinsam erneut in die Schulentwicklungsplanung einsteigen."

Das denkbare neue Schulmodell versah Heines mit dem Begriff "kooperative Sekundarschule". Es versammelt drei Formen unter einem Dach. Die Klassen fünf und sechs sind die Erprobungsstufe. "Danach muss man sehen, welcher Weg zu dem jeweiligen Schüler passt." Ein Strang ist eher berufsorientiert, ein Strang führt zur Fachoberschulreife, ist also der Realschulweg, der dritte Strang endet mit dem Abitur. Heines stellte klar, dass darüber auch noch mit dem Gymnasium Straelen gesprochen werden müsse. Es gehe darum, ein Alleinstellungsmerkmal zu schaffen, um gegen die Gesamtschulen in der Umgebung bestehen zu können.

Laut Hinkelmann soll im Straelener Ausschuss für Bürgerdienste am 8. Mai über eine anlassbezogene Schulentwicklungsplanung beschlossen werden. Im Wachtendonker Rat wird das Thema am 17. Mai behandelt. Eine Projektgruppe aus Bonn soll beim Erstellen des Konzepts helfen. "Bis Ende November muss das Konzept bei der Bezirksregierung vorliegen."

Von mehreren Ratsmitgliedern wurde dieser Zeitrahmen als sportlich eingestuft. Einige verhehlten ihre Skepsis nicht. "Es ist nicht ernsthaft davon auszugehen, dass die Lösung von einem Bonner Büro kommt. Die muss von uns kommen", sagte Ludwig Ramacher (Bündnis 90/Grüne). Als "persönliche Eindrücke" charakterisierte er die von ihm genannten Gründe für das Scheitern der Sekundarschule: In den Grundschulen sei dagegen gearbeitet worden, es habe nie ernsthaft eine Kooperation mit dem Gymnasium gegeben, es sei zu wenig in die Öffentlichkeit gegangen worden, dominante Eltern hätten die Schule schlechtgeredet. Laut Marlies Brückner (CDU) muss man sich offen auf den Weg begeben und alles von der Pike auf beleuchten.

Joachim Oomen (CDU) bekundete wie andere den Willen, den Standort Wachtendonk zu erhalten. "Wir können nur diesen Weg gehen, das ist unsere einzige Chance." Hans-Joachim Ebel (SPD) forderte, kein Kind zurückzulassen.

(RP)
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