Infrastruktur in Geldern: Neuer Wohnraum im Barbaraviertel

Infrastruktur in Geldern : Neuer Wohnraum im Barbaraviertel

Die Bürgerinitiative Barbaraviertel und der Seniorenbeirat haben eine Möglichkeitsstudie eines Architekten vorgestellt. Auf dem anvisierten Gelände befinden sich derzeit ein Kinderspielplatz und eine Hundewiese.

Bezahlbarer Wohnraum ist neben der Pflege sicherlich eine der größten Herausforderungen für die Zukunft und zählt daher auch zu den meistdiskutierten Themen – auch in Geldern. Schließlich ist Geldern die Stadt im Kreis Kleve mit dem größten Anstieg an Bürgern, die 60 Jahre oder älter sind. Auch der Anteil der über 80-Jährigen hat deutlich zugenommen. Das geht aus dem Pflegebedarfsplan des Kreises Kleve 2018 hervor.

Nicht nur deshalb hat der Seniorenbeirat mit seinem Vorsitzenden Dieter Schade gemeinsam mit der Bürgerinitiative Barbaragebiet (bib) ins Bürgerforum eingeladen. Dort stellte Hermann Hengstermann, einer der Vorsitzenden der Bürgerinitiative, ein Konzept für die Bebauung an der „Pariser Bahn“ vor. Die Fläche bei der „Vernumer Straße und „An der Fleuth“ sei das einzige Gelände in der Stadt, das für öffentlich geförderte Mehrfamilienhäuser infrage käme.

Hengstermann erklärte, dass sich die Bürgerinitiative 2017 selbst ein Bild der Gegebenheiten machen wollte. Zu diesem Zweck veranlasste die bib, dass eine unabhängige Sozialpädagogin eine Umfrage unter den Anwohnern durchführt. So stellte sich heraus, dass ein Großteil der Befragten bereits seit mehr als 20 Jahren dort lebt und mit der Gegend fest verwurzelt ist. Insgesamt sind die meisten Bewohner sehr zufrieden, die meisten von ihnen würden auch wieder in das Viertel ziehen. Ihre größte Angst sei jedoch die Vereinsamung im Alter. Zudem fehle barrierefreier Mietraum im Barbaraviertel.

Auf dieser Grundlage präsentierte Hengstermann die Ziele des Wohnquartierskonzepts. Elementar wichtig seien demnach die Beziehungen unter den Menschen, um die Selbst- und die Nachbarschaftshilfe zu stärken. Außerdem strebt die bib an, dass die Menschen dort möglichst lange wohnen können und ihnen Mitgestaltungsmöglichkeiten offen stehen. Auch soll nach Möglichkeit eine Durchmischung der Generationen stattfinden. „Wenn dort 60 Prozent ältere und 40 Prozent jüngere Menschen leben, dann hätten wir eine gute Mischung“, sagt der Vorsitzende. Die Wohnungen sollen zudem unterschiedliche Größen haben, sodass sowohl für Familien als auch für Ein- und Zweipersonenhaushalte etwas dabei ist.

Dann präsentierte er schlussendlich auch eine Skizze einer möglichen Bebauung. Dies sei eine Machbarkeitsstudie eines Architekten und zunächst nur ein grober Entwurf, kein Grundriss. Demnach ist es möglich, auf dem Gelände, auf dem sich zurzeit ein Spielplatz und eine Hundewiese befindet, vier neue Mehrfamilienhäuser zu errichten. Diese zwei- und dreistöckigen Gebäude könnten etwa 40 Wohnungen und zwei Wohngemeinschaften mit jeweils zwölf Bewohnern beherbergen.

Auf Nachfragen, warum denn trotz des Mangels an bezahlbarem Wohnraum nicht mit mehr Geschossen geplant werde, sagte Hengstermann, dass der Architekt die Höhe und Lage der umliegenden Häuser mit berücksichtigt habe. „Die neuen Gebäude sollen sich gut in das Bild des Barbaraviertels einfügen“, erklärt er. Würden die Häuser zu groß, könnten sie schnell wie Fremdkörper wirken.

Die Vernumer Straße bildet die Haupttangente durch das Wohnviertel im Barbaragebiet. Hier könnte bald gebaut werden. Foto: Stoffel/Arnulf Stoffel

Dass das Gelände an der Pariser Bahn überhaupt noch zur Bebauung zur Verfügung stehen könnte, ist keine Selbstverständlichkeit. „Auf dem Grundstück waren schon viele Bauvorhaben geplant, aber letztlich nie in die Tat umgesetzt“, sagt Schade. Auch eine Stadthalle war mal im Gespräch.

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