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Neue Orgel für St. Dionysius Kerken

Weihe wegen Coronavirus verschoben : Angespielt

Die Orgelweihe am Sonntag wurde wegen des Coronavirus verschoben. Pfarrer Christian Stenz hat sich trotzdem für die RP an die neue Orgel in Nieukerk gesetzt. Für die Zukunft sind Konzerte geplant.

Christian Stenz setzt sich schwungvoll an die Orgel. Imposant ragt sie empor. Am Sonntag wäre ihr großer Auftritt gewesen: die Orgelweihe der neuen (gebraucht gekauften) Rieger-Orgel.

Rieger? Eine Orgel des bekannten Erbauers steht sogar im Stephansdom in Wien. Für das Spiel auf dem neuen Instrument in der Nieukerker St.-Dionysius-Kirche wäre Professor Wolfgang Seifen aus Berlin angereist und Weihbischof Everardus Johannes de Jong. Das Coronavirus macht dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung. Die Orgelweihe ist verschoben. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Pfarrer Stenz greift in die Tasten. Es erklingt „Toccata und Fuge d-Moll“ von Johann Sebastian Bach. Mit 16 Jahren hat der Geistliche das Orgelspiel gelernt. „In meiner Heimatstadt war großer Bedarf“, sagt der Mann, der in Ludwigshafen am Rhein aufwuchs. Sein erstes „offizielles“ Orgelspiel sei übrigens in der evangelischen Kirche gewesen. Eine Kirche ohne Orgel kann und will er sich so gar nicht vorstellen. Es sei die Klangfülle und Wucht, die schlecht durch andere Instrumente ersetzt werden könnte.

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Die Rieger-Orgel, die passgenau in die Seitenkapelle der Nieukerker Kirche passt, ist nicht die einzige Orgel der Kirche. Über allem auf der Empore thront die Tibus-Orgel, die 1913 aufgebaut wurde. Bis in die 60er Jahre versah sie ihren Dienst. Der Zahn der Zeit und das Zweite Vatikanische Konzil, das besagte, das die Musik nahe am Worte sein sollte, sorgten für eine neue Orgel.

1975 wurde die modernere Breil-Orgel angeschafft, die vorne links am Altar stand. Nach 40 Jahren war auch für diese Orgel Schluss. Sie hatte ausgedient. Das Instrument musste zudem abgebaut werden, weil die Kirchenfenster saniert wurden. Als nächstes zog übergangsweise die Walcker-Orgel ein. Die steht nun zum Verkauf.

Einer, der die Orgel-Odyssee der Nieukerker Kirche kennt wie kein Zweiter, ist Klaus Viehmann. Er ist Vorsitzender des Fördervereins für Kirchenmusik und Orgelbau an St. Dionysius. Zehn Jahre lang wurde Geld gesammelt, um den desolaten Orgel-Zustand in der Kirche zu beseitigen. „Das war ein kleiner Club am Anfang. Pastor Prießen hat den losgetreten“, sagt er über die Anfänge des Vereins, dessen Aufgabe noch lange nicht am Ende ist, auch wenn die neue Orgel, die gebraucht von einer Stuttgarter Kirche gekauft wurde, in all ihrer Pracht jetzt in Nieukerk steht.

Der reine Kaufpreis lag bei 95.000 Euro, sagt Pfarrer Stenz. „Ein echtes Schnäppchen.“ An den Wiederaufbau der alten Tibus-Orgel, die auf der Empore steht, war nicht zu denken. Eine halbe Million bis zu einer dreiviertel Million Euro, rechnet Stenz vor, hätte man dafür ausgeben müssen.

Zu den Kosten für die „neue gebrauchte“ Orgel kommen allerdings noch die Kosten für den Ab- und Aufbau, den Transport, das Stimmen und auch die neue Bodenplatte, die für das Stabilisieren des Untergrunds nötig waren. „Das sind ja mehrere Tonnen, die auf wenigen Quadratmetern ruhen.“ Wann die Orgel nun offiziell erklingt, bleibt abzuwarten. Ein neuer Termin für die Orgelweihe steht noch nicht fest. Wenn es nach Stenz geht, könnte die Orgel so schnell wie möglich erklingen. Auch ohne offizielle Weihe, geweiht wurde sie ja bereits bei ihrem ersten Einsatz in Stuttgart. Aber natürlich wird es auch noch eine festliche Einführung geben. Die Nieukerker haben dafür zehn Jahre gewartet und gespart.