Neue Dauerausstellung im Grefrather Freilichtmuseum

Gelderland : Neue Ausstellung im Freilichtmuseum

Das Niederrheinische Freilichtmuseum in Grefrath zeigt in einer neuen Dauerausstellung anschaulich das Leben der armen Leute auf dem Lande. Die Schau ist in der so genannten Miertz-Kate zu sehen. Die stand einst in Wankum.

Kaum ist man durch die niedrige Tür der „Miertz-Kate“ auf dem Gelände des Niederrheinischen Freilichtmuseums in Grefrath getreten, da blickt man auf einen alten Herd, der auch gleichzeitig die einzige Wärmequelle des Raumes darstellt. Auf ihm stehen Wasserkessel und Bratentopf. Über dem Herd hängt die Wäscheleine, an der Leibwäsche und Socken baumeln. Sie wurden gewaschen im Zinkeimer mit Waschbrett – Gegenstände, die ebenfalls zu sehen sind. Eine Pfanne hängt an der Wand. Weitere Küchenutensilien liegen auf Regalbrettern, denn Schränke gibt es nicht. In der Ecke fällt der schlichte Holztisch mit zwei ebenfalls einfachen Stühlen ins Blickfeld. Auf dem Tisch liegt ein Stück Brot auf einem Brettchen und es steht ein Teller dort mit einer dünnen Suppe, in der einige Möhren- und Porreestücke schwimmen. Eine einfache Mahlzeit, die genau das widerspiegelt, wofür das kleine Haus steht: für die Armut der Menschen auf dem Lande.

„Armut auf dem Lande“ ist denn auch Titel der neuen Dauerausstellung, die jetzt im Niederrheinischen Freilichtmuseum eröffnet wurde. „Mit der Miertz-Kate und der dazugehörigen Ausstellung können wir das einfache ländliche Leben, die wirkliche Armut auf dem Land, darstellen. Damit schließen wir eine Lücke und bereichern unser Ensemble“, sagt Landrat Andreas Coenen bei der Vorstellung der neuen Schau. Mit Unterstützung der Kultur- und Sozialstiftung der Provinzial-Versicherung Rheinland – sie spendete 18.400 Euro für den Aufbau des Hauses – und vom Museumsverein Dorenburg – er gab 19.000 Euro für einen neuen Boden, für Vitrinen sowie die Gestaltung der Texterläuterungen.

Museumsleitung, Sponsoren, Handwerker und Landrat Andreas Coenen (Mitte) freuen sich über das gemeinsame Werk. Foto: Wolfgang Kaiser

Museumsleiterin Anke Petrat setzt bei der neuen Ausstellung auf eine etwas andere Art der Präsentation von textlichen Informationen. Die großen Elemente, in denen die Texte eingefasst sind, und die in den verschiedenen Räumen der Kate zu finden sind, leuchten von innen heraus auf, sobald ein Besucher die entsprechenden Bewegungsmelder passiert hat. „Die Miertz-Kate hatte nie Strom. Daher wollte ich keine Strahler, die die Texte beleuchten. Andererseits müssen die Texte für unsere Besucher gut lesbar sein. So kam die Idee der hinterleuchteten Texte auf“, erklärt Anke Petrat.

Die Museumsleiterin spricht bei der Miertz-Kate und der Ausstellung von einem besonderen Gewinn für das Museum. Die Besucher können sich aber nicht nur mittels der Texte über Themen wie „Leben von dem, was der Garten hergibt – Versorgung auf dem Land“ oder „Wenig Platz für Mensch und Tier – Wohnen und Arbeiten auf engsten Raum“ informieren, sie sehen es auch. Da gibt es in der Miertz-Kate die kleine Schlafkammer, in der in früheren Zeiten gleich mehrere Personen in einem Bett schliefen. In einem anderen Raum werden ein Spinnrad und ein Webstuhl gezeigt, denn Heimarbeit im Textilbereich war ein Zubrot, bevor die Industrialisierung am Niederrhein einsetzte. Was es mit dem „Hollandgänger“ auf sich hatte, wie der Kesselflicker und Scherenschleifer unterwegs waren – all das vermittelt die 50 Quadratmeter große Kate ebenfalls.

Die Besucher sehen den direkt an das Wohngebäude angrenzenden Stall mit Ziegen. Die Latrine, die einst zur Kate gehörte, fehlt ebenfalls nicht, wobei es sich in diesem Fall aber um einen Nachbau handelt. „Es ist schön, dass die Kate, die einst an der Wankumer Straße stand und dort dem Verfall preisgegeben war, hier im Museum einen festen Platz gefunden hat. Sie war am alten Standort ein Bestandteil unseres Umfeldes und ist es nun wieder geworden. Das freut uns als Verein“, betont Herbert Kättner. Der erste Vorsitzende des Museumsvereins hatte sich zur Ausstellungseröffnung genauso eingefunden wie Kreisdirektor Ingo Schabrich und Antonius Kiwall mit seinem Handwerkerteam, die für den Wiederaufbau der Kate nach historischem Vorbild und mit typischen Werkzeuge und Baumaterialien gesorgt hatten. Wobei behinderte junge Menschen über die Elterninitiative Kindertraum in Nettetal, die im Freilichtmuseum betriebsintegrierte Arbeitsplätze vom HPZ erhalten hatte, die Firma Kiwall unter Anleitung fleißig unterstützten. Gebaut wurde über einen Zeitraum von fünf Jahren. Besucher konnten die Fortschritte der Arbeiten mitverfolgen. Nun können sie sich auf die informative Ausstellung freuen.

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