Neue Chefinnen im Papillon Geldern

Geldern: Neue Ideen gegen seelische Not

Das Sozialpsychiatrische Zentrum in Geldern hat zwei neue Leiterinnen: Ingrid Klösters und Anne Späth. Bei der Hilfe für Menschen mit seelischen Problemen haben die Frauen neue Wege eingeschlagen. Andere Rahmenbedingungen.

Wer mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, wer schon länger leidet oder sich in einer akuten Krise befindet, oder wer vielleicht Angehörige hat, denen es so geht, für den ist das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) in Geldern oft eine erste Anlaufstelle. Nicht selten werden Menschen auch über Jahre durch die Angebote der Institution begleitet. Jetzt führen zwei Frauen die Geschäfte: Ingrid Klösters und Anne Späth.

Ihr Vorgänger ist Ende 2017 in Rente gegangen. Danach übernahmen Klösters und Späth die Geschäfte der Einrichtung am Gelderner Marktplatz, Markt 6. Träger ist der Verein „Papillon“, ein großer Anbieter im Bereich der Sozialpsychiatrie im Kreis Kleve.

Klösters und Späth haben neue Wege eingeschlagen und sich neue Ziele gesetzt – vor allem, weil sich gerade zu dem Führungswechsel rechtliche Rahmenbedingungen geändert haben „Durch das Bundesteilhabegesetz verändert sich im Moment die Landschaft“, erklärt Anne Späth. Es gehe darum, den Menschen „in solchen Zeiten des Umbruchs“ das zu bieten, was sie brauchen.

Neue Unterstützungsmöglichkeiten müssten aus neuen Quellen geschöpft werden, „damit der Hilfebedarf nach wie vor abgedeckt ist“, ergänzt Ingrid Klösters.

Verändert hat sich zum Beispiel eine Zielsetzung bei der Begleitung der Klienten. Der Fokus liege stärker als früher darauf, dass die Betroffenen mit psychischen Problemen so betreut werden, dass sie ihr Leben möglichst selbstständig und in den eigenen vier Wänden gestalten können. „Wir wollen uns dieser Herausforderung stellen“, sagt Klösters. Neu ist in diesem Zusammenhang auch das „Azua“-Programm. Dabei steht „Azua“ für „Angebote zur Unterstützung im Alltag“.

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Ein Plan für die Zukunft ist es, ein Seminar-Programm neu zu beleben, das psychisch Erkrankte, Angehörige und Fachpublikum in Austausch bringen soll: „Trialog“ nennt sich die Reihe. Die Termine sind einmal im Monat donnerstags von 19 bis 21 Uhr. Der nächste steht am 23. August in der Gelderlandklinik unter dem Titelthema „Sucht“.

Außerdem lassen sich die beiden Leiterinnen von einer Initiative inspirieren, die in Kleve bereits erfolgreich läuft. Dort werden psychisch erkrankte Menschen, die selbstständig, aber nicht allein leben möchten, zueinander in Wohngemeinschaften vermittelt. Grundidee sei es, die Leute zusammenzubringen, „weil solche Wünsche in der Beratungsstelle auch formuliert werden“, so Klösters. Praktischer Nebeneffekt könne es sein, „dass größere Wohnungen leichter zu finden sind“ – kleine Single-Wohnungen sind überall rar.

Unter dem Dach des Sozialpsychiatrischen Zentrums in Geldern bündeln sich eine Reihe von Angeboten. Klösters und Späth haben sich die Aufgaben mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufgeteilt. Anne Späth, die mit einer knappen halben Stelle weniger Bereiche abdecken kann, kümmert sich vor allem um die Sparte des Betreuten Wohnens. Die 36-jährige Sozialpädagogin aus Geldern ist seit zwölf Jahren in verschiedenen Bereichen beim Träger „Papillon“ beschäftigt, in Geldern hat sie bis zu ihrer Elternzeit bereits die stellvertretende Leitung innegehabt.

Für die weiteren Bereiche – die Kontaktstelle und die Offene Beratung, die Tagesstätte, die Alltagsbegleitung – hat Ingrid Klösters die Federführung. Sie ist 58 Jahre alt, Sozialarbeiterin, kommt aus Kleve und ist seit etwa 20 Jahren bei „Papillon“, ebenfalls in verschiedenen Bereichen und auch schon in Leitungsfunktionen.

Einen großen Erfolg haben die beiden Chefinnen schon zu verbuchen, seit sie an den Start gegangen sind: Im März bekam das Gelderner SPZ das Qualitätssiegel des Paritätischen für den Bereich „ambulant betreutes Wohnen“.

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