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Naturschutzzentrum Gelderland bietet Beratung an.

Naturschutzbund : Streuobstwiesen anlegen – aber richtig

In diesem Jahr ist alles ein bisschen früher dran – auch das Obst: Klaräpfel und Julibirnen sind schon reif. Streuobstwiesen bieten viele Köstlichkeiten, sind aber oft in keinem guten Zustand. Nicht wenige Streuobstwiesen im Südkreis Kleve sind überaltert, und sowohl Bäume als auch Wiesen befinden sich in einem schlechten Pflegezustand.

Zeitmangel oder fehlendes Knowhow können laut Naturschutzbund (Nabu) Gründe dafür sein. Werden Bäume nicht geschnitten, geht dies auf Kosten der Baumgesundheit: Sie verlieren an Wuchskraft und investieren weniger Energie in die Fruchtproduktion. Dabei lohne es sich, das heimische Obstsortenspektrum über die im Supermarkt zu findenden Sorten hinaus zu erhalten. Dass einige Apfelsorten sich (ohne Kühlung) bis in den Mai lagern lassen, ist ein Gewinn für Klima und Geldbeutel. Andere alte Sorten haben einen besonders hohen Vitamin-C-Gehalt, und einige sind sogar für Allergiker verträglich.

Bei neu angelegten Streuobstwiesen ist der regelmäßige Schnitt der Bäume in den ersten zehn Jahren (Erziehungsschnitt) besonders wichtig, damit die Bäume einen stabilen Kronenaufbau entwickeln können und in der Ertragsphase unter dem Gewicht des Obstes nicht auseinander brechen. Auch eine regelmäßige Pflege der Wiesen lohnt sich (späte Mahd oder Beweidung durch Schafe oder Rinder), denn dann fühlen sich besonders viele Tier- und Pflanzenarten (bis zu 3000) in der Streuobstwiese heimisch. Ist die eigene Streuobstwiese besonders artenreich, sind unter diesen Arten viele bestäubende Insekten und heimische „Schädlingsbekämpfer“, die Blattläuse und Frostspanner-Raupen im Zaum halten. Unterstützt werden können diese Helfer zum Beispiel durch Totholzhaufen und Hecken am Rand der Wiese. In den alten höhlenreichen Bäumen finden seltene Arten wie der Steinkauz oder der Gartenrotschwanz einen Platz für die Jungenaufzucht – Reduzierung der Schadinsekten und Mäusepopulation gibt es dafür inklusive.

Der Kleine Feuerfalter genießt die Obstblüten. Foto: Monika Hertel

Eine Streuobstwiese sollte laut Nabu möglichst aus mehreren Baumgenerationen bestehen – von jung bis über die Ertragsphase hinaus. Dann können die jungen Bäume schon von den unterstützenden Arten profitieren, die erst in der ältesten Baumgeneration einziehen. Wird innerhalb einer Streuobstwiese nicht nachgepflanzt, wird diese auf Dauer leerer, bis nur noch die Wiese übrig bleibt. Da der Herbst die beste Zeit für Nachpflanzungen ist, sollten die Auswahl der Sorten und die Beschaffung der Bäume jetzt geplant werden. Dabei sind viele Fragen zu beantworten: Welche Obstsorte möchte ich haben? Eignet sich diese für meinen Standort? Habe ich einen passenden Bestäuber in meinem Baumbestand? Ist der Platz in meiner Obstwiese ausreichend für diese Sorte? Woher kann ich gute Pflanzware beziehen?

Bei all diesen Fragen hilft das Nabu-Naturschutzzentrum Gelderland mit einer kostenlosen Vor-Ort-Beratung gerne weiter. Ermöglicht wird dies durch das vom Landschaftsverband Rheinland geförderte Projekt „Streuobstwiesen im Südkreis Kleve – erhalten, pflegen, optimieren“. Vor-Ort-Beratungen sind auch bei einer geplanten Neuanlage oder zu anderen Themen möglich, etwa zur Förderung der Artenvielfalt in der Streuobstwiese, Verwertung des Obstes und Pflege der Bäume und der Wiese. Ansprechpartner beim Nabu ist Stefan Wallney (wallney@nz-gelderland.de oder Telefon 02838 96544).