Nachbarschaftsschutz in Walbeck: Per Whatsapp gegen Einbrecher

Nachbarschaftsschutz in Walbeck : Per Whatsapp gegen Einbrecher

Seit zwei Monaten hängen in Walbeck-Süd neue Schilder, die Einbrecher abschrecken sollen. Die Nachbarn tauschen sich über eine Whatsapp-Gruppe über verdächtige Personen aus. Die Polizei sieht das zwiespältig.

In Walbeck-Süd, einer kleinen Nachbarschaft rund um die alte Kokermühle, sind die Häuser aus Backstein, viele haben nur ein Klingelschild und einen großen Garten. Wer in Walbeck-Süd vorbeikommt, ist meist kein Unbekannter, wohnt hier oder kommt zu Besuch. Nur wenige nutzen den Eskenpfad durchs Feld, um zur nächsten größeren Straße zu gelangen. Drei Einfahrten hat die Nachbarschaft und an allen hängt seit wenigen Monaten ein Schild unter dem Tempo-30-Schild: „Achtung“ steht darauf „Whatsapp-Nachbarschaftsschutz“. Daneben das Bild eines Einbrechers mit Augenmaske.

Heinz Mertens und Christoph Stuffels haben die Aktion gestartet. Zu den Schildern gehört auch eine Whatsapp-Gruppe, in der sich die Nachbarn austauschen können. Die Idee stammt aus den Niederlanden, dort seien die Messenger-Gruppen in Wohngebieten weit verbreitet.

Die Nachbarschaft Walbeck-Süd ist ab 1996 entstanden, ein städtisch erschlossenes Wohngebiet. Ortsfremde wohnen hier kaum in den 60 Haushalten. Fast nur gebürtige Gelderner und Walbecker haben sich in den Einfamilienhäusern und Doppelhaushälften niedergelassen. Etwa die Hälfte von ihnen hat sich in einem Nachbarschaftsverein organisiert, sie sind nun auch Mitglieder der Whatsapp-Gruppe.

„Wir wollen uns in der Gruppe austauschen“, sagt Heinz Mertens. „Wenn hier verdächtige Personen unterwegs sind oder Autos mit fremden Kennzeichen.“ Auch wenn Nachbarn in den Urlaub fahren oder größere Renovierungen anstehen, bei denen viele Handwerker im Haus werkeln, wollen die Nachbarn das über die Gruppe teilen. Die Schilder hängen seit zwei Monaten – seitdem habe man nichts Verdächtiges beobachtet, sagen die Initiatoren. Nur die Nachricht über einen Unbekannten sei durch die Gruppe gewandert. Der Mann soll in Walbeck an Haustüren gerüttelt haben soll, allerdings nicht rund um die Kokermühle.

Natürlich sei nicht jeder Fremde oder Auto mit anderem Kennzeichen verdächtig. „Aber man hört ja immer wieder von Leuten, die Zeichen an die Häuser malen.“ Und wenn jemand täglich zu einer gewissen Zeit durch die Nachbarschaft laufe, dann sei das verdächtig. „Wir laufen nicht Streife und wir spionieren niemanden aus“, sagt Mertens. Man sehe die Gruppe eher als freiwillige Informationsstelle. „Und wir sind überzeugt, dass durch die Schilder potenzielle Einbrecher oder Haustürbetrüger abgeschreckt werden“, sagt Christoph Schuffels. Die 100 Euro für die Schilder haben die Nachbarn selbst gezahlt.

Vor 20 Jahren sei bei Heinz Mertens einmal eingebrochen worden. Ansonsten sei es eher ruhig in der Nachbarschaft. Das zeigen auch die Zahlen der Polizei. Im Jahr 2017 gab es in Geldern 190 Einbrüche und Einbruchsversuche, im vergangenen Jahr waren es nur noch 50. Die Initiatoren aus Walbeck hatten die Schilder mit der Stadt Geldern und der Polizei abgesprochen. Ob sie tatsächlich wirken, sei schwer einzuschätzen, sagt Polizeisprecher Ingo Schankweiler. „Man kann Einbrüche, die nicht stattfinden, nicht zählen“, sagt er. „Einige Einbrecher lassen sich aber nicht einmal von laufenden Kameras abhalten.“

Generell begrüße die Polizei alle Formen von Nachbarschaftshilfe, sehe Whatsapp-Gruppen aber mit „gemischten Gefühlen“, wie Schankweiler sagt. Zum einen wegen der Datensicherheit: Urlaubszeiten bei Whatsapp zu teilen sei bedenklich, schließlich sei nie gesichert, ob nicht doch eine unerwünschte Person mitliest. Ebenso könne man die Rechte anderer verletzen. Wer etwa Fotos von scheinbar Verdächtigen veröffentlicht, macht sich schnell selbst strafbar.

Zum anderen müsse man aufpassen, dass der Schutz nicht in Richtung Denunziantentum oder gar Selbstjustiz geht. „Es gibt durchaus Gruppen, die dann im eigenen Interesse handeln, anstatt die Polizei zu rufen“, sagt Schankweiler. Er rät eher dazu, Häuser besser zu sichern und so gegen Einbrecher zu schützen. Die Frage sei, so der Polizeisprecher, ob ein derartiger Nachbarschaftsschutz zum Sicherheitsgefühl der Anwohner beiträgt oder doch eher Ängste schürt. Das müsse jeder für sich selbst entscheiden.

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