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Nach langer Corona-Pause war der Theaterverein Wachtendonk aktiv.

Unterhaltung in der Niersfeste : Die Zeitmaschine von Wachtendonk

Der Theaterverein „Gesellschaft Harmonie“ begeisterte am Wochenende mit vier Aufführungen sein Publikum. Das Stück „Mit Vollgas in die 80er“ von Winnie Abel stellte humorvoll neue und alte Errungenschaften einander gegenüber.

Nach der CoronaZwangspause hat sich der Wachtendonker Theaterverein „Gesellschaft Harmonie“ auf seine schauspielerischen Wurzeln besonnen und mit gleich vier Vorstellungen für Unterhaltung pur gesorgt. Der Bürgersaal in Wachtendonk lud zu einem Trip in die 1980er Jahre ein. Alles fängt völlig harmlos an. Mutter Ulla (Elke Buschmann) sortiert alte Kleidung und Gegenstände aus. Kassetten mit Bandsalat, Zauberwürfel, altersmüde Monchichis, knallige Sportkleidung und das Jubiläumsheft zum 75. Bestehen vom Löschzug Wankum sollen entsorgt werden.

Die Science-Fiction-Autoren des 19. Jahrhunderts, H. G. Wells und Jules Verne, haben auch Winnie Abel, Theaterautorin des 21. Jahrhunderts, beflügelt. Mit ihrem Stück „Mit Vollgas in die 80er“ katapultiert sie Ulla und ihren Mann Hans (Frank Ohnrich), die Kinder Sabine (Astrid Giesbers) und Holger (Rolf Huyskens) zurück in die Zeit, als in Berlin die Mauer fiel. Die Zeitmaschine von Vater Hans, stylisch aus Alufolie, funktioniert. Die Reise in die Vergangenheit hat allerdings Tücken, denn die Geschwister Holger und Sabine nehmen ihr Wissen aus dem 21., medienverwöhnten Jahrhundert und allen Ereignissen mit.

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Sie landen in der elterlichen Wohnung mit Telefon und Wählscheibe bei ihrer tennisverrückten Mutter Ulla. Mit langer Lockenpracht in entsprechendem Outfit jener Zeit kommt sie gerade vom Tennisplatz. Sabine und Holger reden sich um Kopf und Kragen, um ihre Anwesenheit zu erklären. Mutter Ulla erkennt ihre Kinder nicht, setzt daher auf die familiären Gene. „Deshalb sind mir eure Gesichter so vertraut“, vermutet sie. Beide geben sich als Peggy und Ronny aus, die Kinder von Schwägerin Hanni, die in der DDR lebt.

Es wird turbulent auf der Wachtendonker Bühne. Nicht nur, weil die umweltbewegte Hilda (Janina Dedlow) nachlegt. Vor allem, als Rolf (Doro Schröder), Sabines Jugendliebe, auftaucht. Er will Musiker werden. Doch Sabine zieht ihm diesen Zahn. Im Netz habe sie von keinem Bühnenerfolg gelesen. Mutter Ulla trumpft mit den Errungenschaften der Neuzeit auf: Mikrowelle, fünf Fernsehsender und Bananen. „Wir haben alles“, erklärt sie, legt mit DDR-Witzen nach. Als Sabine erklärt, dass der Fernseher einzuschalten sei, weil in Berlin die Mauer fällt, erreicht das Stück seinen Höhepunkt. Sabine steht unterdessen mit Rolf vor einem Problem. Er kennt sich nicht im 21. Jahrhundert aus, und sie will ihn nicht an die Vergangenheit verlieren.

Das Ensemble ist nicht nur mit Vollgas auf die Bühne zurückgekehrt, sondern mit Herzblut und Spielfreude, trotz Pandemie, unterwegs. Lange haben die rund 40 Aktiven des Vereins, der im nächsten Jahr sein 150-Jähriges feiert, aussetzen müssen. „Wir haben uns getraut, als die Lockerungen kamen. Es war eine schwierige Entscheidung und ein Risiko“, sagt Mitglied Rolf Huyskens. Laut Vorgaben waren zunächst 65 Zuschauer erlaubt, später 90. „Wir haben unsererseits auf 80 Gäste begrenzt“, so Huyskens. Zehn Wochen intensives Arbeiten am Stück, drei Proben in der Woche, liegen hinter ihnen. Begeisterter Applaus, inklusive Szenenapplaus, war der Lohn. Huyskens: „Wir sind mit die ersten, die das Stück von Winnie Abel auf die Bühne bringen, die den Zeitgeist toll getroffen hat.“