Nach E-Mail von „Dorfgemeinschaft“: Streit um EPS-Umzug in Lüllingen

Nach E-Mail von „Dorfgemeinschaft“ : Ein Streit, der Lüllingen spaltet

Seit der Absage des Umzugs der Firma EPS von Kevelaer nach Lüllingen ranken sich Gerüchte um die anonyme E-Mail und den abgesagten Infoabend. Geschäftsführer Norbert Engler will sich am Donnerstag den Fragen der Anwohner stellen.

Ein Feld bringt das Dorf Lüllingen gerade in Aufruhr. Auf einer acht Hektar großen Fläche neben dem Gartenbaubetrieb Landgard wollte der Pflanzenhandel EPS aus Kevelaer ein neues Logistikzentrum bauen. Die Pläne zog der Geschäftsführer Norbert Engler aber zurück, als eine anonyme E-Mail seinen wichtigsten Kunden erreichte. Sie war unterzeichnet von der „Dorfgemeinschaft“. Seitdem scheint das Dorf gespalten, und die Gerüchteküche brodelt.

Thema ist dabei auch eine Unterschriftenaktion des Natur- und Heimatvereins. 449 Personen haben die Petition unterschrieben, die der Verein mittlerweile bei der Stadt Geldern vorgelegt hat. Lüllingen drohe mit einem weiteren Gewerbegebiet, das mit seiner Größe die Wohnsiedlung bereits übertrifft, ein „Identifikationsverlust“, heißt es in dem Brief an den Bürgermeister. „Die Entwicklung wird daher von uns entschieden abgelehnt“, so die Verfasser. Man fürchte negative Auswirkungen auf das Dorf: den Verlust von Ackerfläche, ein verschlechtertes Ortsbild, den Verlust des Dorfcharakters, mehr Verkehr und Lärm auf den Straßen.

„Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen“, sagt Karl Döring vom Heimatverein. Und da stimmen ihm die meisten Anwohner zu. Torben König, direkter Nachbar, bemängelt dennoch die einseitigen Informationen. Sie hätten das ganze Dorf in „Angst und Schrecken versetzt, gegeneinander aufgehetzt und in zwei oder eher mehr Lager gespalten“. Er fordert eine richtige Aufar­beitung der Geschehnisse. „Da sind ganz viele Sachen ganz falsch gelaufen“, sagt König. „Es ist traurig, dass man sich nicht gemeinsam an einen Tisch setzen und diskutieren kann.“

Ein gemeinsames Gespräch war vor der Absage des Umzugs bereits geplant. Doch die Informationsveranstaltung wurde kurzfristig abgesagt. „Eine sachliche Ebene, auf der Lösungen erarbeitet werden könnten, ist nicht mehr vorhanden“, begründete die Stadt Geldern.

Um die Absage dieses Infoabends ranken sich ebenfalls Spekulationen. „Der wahre Grund für die Absage ist, dass so eine medienwirksame Übergabe der gesammelten Unterschriften gegen die Ansiedlung eines Logistikzentrums verhindert werden konnte“, behauptet Anwohner Helmut van Lipzig. Ein Indiz dafür sei auch der Hinweis von EPS auf seiner Homepage, sich „vorerst“ aus dem Projekt zurückzuziehen.

Dass die Absage des Umzugs nicht das endgültige Aus der Pläne bedeutet, hatte Geschäftsführer Norbert Engler bereits angedeutet. „Wir werden uns nun nach anderen Möglichkeiten umsehen. Wir brauchen eine Lösung für unser Unternehmen“, sagte Engler. Man wolle zwei Möglichkeiten einer Neuansiedlung prüfen.

Am Donnerstag um 20 Uhr soll es anlässlich der aktuellen Diskussion einen weiteren Infoabend im Landgasthof Luyven geben – diesmal auf Einladung von Landgard. Einige der Anwohner halten das für Kalkül. „Es geht um profitbringende Vermarktung“, sagt ein Nachbar, der anonym bleiben möchte. „Wenn das ganze Thema vom Tisch ist, wieso dann eine Informationsveranstaltung?“ Der Anwohner spekuliert sogar, dass die anonyme E-Mail sogar im Sinne des EPS-Geschäftsführers war, um ein „schlecht durchdachtes und geplantes Bauvorhaben“ wieder zurückzuziehen.

EPS-Chef Norbert Engler weist diese Vorwürfe zurück. „Das ist frei erfunden, die E-Mail ist definitiv an meinen größten Kunden gegangen“, sagt er. Darin habe der Verfasser gedroht, medienwirksam gegen das Unternehmen vorzugehen, wenn es weiter mit EPS zusammenarbeitet. „Ich hätte mich gern dazu geäußert“, sagt Engler. Darum will er auch bei der Infoveranstaltung am Donnerstag dabei sein. „Ich werde keiner Frage ausweichen“, sagt er.

Das Thema wird auch am 30. April im Bauausschuss diskutiert. Die Politiker sollen dann über drei Anträge entscheiden. Nachbarn fordern, die Bebauung zu verhindern, Landgard befürwortet das Vorhaben. Die Beschlussempfehlung der Verwaltung: Den Bürgerantrag der Nachbarn ablehnen und dem von Landgard zustimmen, da die „Grundlage zur Ansiedlung eines gewerblichen Betriebes für Pflanzenvermarktung durch Ausweisung im Regionalplan grundsätzlich vorliegt“.

Dem Antrag des CDU-Ortsverbands Lüllingen, die Einhaltung der Lärmschutzvorgaben und die verkehrstechnische Verträglichkeit nachzuweisen, solle ebenfalls zugestimmt werden. Ob sich die Politiker jedoch an die Empfehlungen der Stadt Geldern halten, wird sich erst bei der Sitzung zeigen.

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