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Mutter aus Issum erfindet Lern-App für den Unterricht zuhause

Alternative Lernmodelle in der Corona-Krise : Eine App für Unterricht am Tablet

Kindgerecht und grundschulorientiert ist die digitale Lösung, die eine Mutter aus Issum mit entwickelt hat. Das Konzept ist nicht nur in der Corona-Krise interessant. Das Projekt soll per Crowdfunding finanziert werden.

Es ist 8.45 Uhr, Frau Müller erscheint auf der Bildfläche, nicht nur sprichwörtlich. Die Klassenlehrerin taucht auf der Tablet-Bildschirmoberfläche auf, nach und nach schalten sich die Kinder ihrer Klasse zu. Sie sieht, wenn die Schüler sich melden, kann sich auf die Tablet-Oberfläche für Antworten auf ihre Fragen zuschalten. Das „Herzstück“ ist die Tafel. Obwohl sie auch nicht echt, sondern digital ist, funktioniert sie wie im normalen Schulalltag. Sowohl Lehrer als auch Schüler können darauf schreiben und Aufgaben lösen. So ähnlich könnte der Unterricht der Zukunft aussehen, wenn es nach Juliana Juliano geht. Die Mutter aus Issum hat mit dem Unternehmen PriorApps eine App entwickelt, die Unterricht zu Hause möglich machen soll.

Die Issumerin hat Maschinenbau studiert und ist technische Zeichnerin. In der Elternzeit hat sie sich weiter geschult und begonnen, an einer App zu arbeiten in der es um Freizeitgestaltung gehen sollte. Die Corona-Krise hat alles über den Haufen geworfen. Auf einmal waren andere Dinge wichtiger, zum Beispiel ein Leben ohne Schule, aber mit Schulaufgaben. Ihre Tochter besucht die Mariengrundschule in Kapellen. Im Gespräch mit Schulleiterin Angela Hüskes sei dann die Idee für eine App entstanden, die Lehrern und Schülern hilft. „Für uns ist das interessant, weil die App kindgerecht und grundschulorientiert ist“, sagt die Schulleiterin. Noch befindet sich das Ganze in der Entwicklung, aber die Vorteile sind jetzt schon sichtbar. Einer davon ist, dass Kinder und Lehrer direkt miteinander kommunizieren können und zwar nicht nur wie bei einer Videokonferenz, sondern auch mit der Tafel als Hilfsmittel, auf der geschrieben wird. Wert legt Juliana Juliano auf die einfach zu bedienende Oberfläche. Auf Begriffe wird verzichtet, es wird mit Symbolen gearbeitet. Damit können auch Erstklässler, die noch nicht lesen können, umgehen und international verständlich ist es auch. Ein Beispiel: Der Zeigefinger, der nach oben zeigt, ist das Zeichen auf der Tablet-Oberfläche, das ein Schüler aufzeigt.

Juliana Juliano aus Issum hatte die Idee zu einer App, die es ermöglicht, in der schulfreien Zeit, unterrichtet zu werden. Foto: Juliano Foto: Juliano

Um das Projekt zu finanzieren, gibt es für die ClaRo-App (ClaRo steht für Classroom) eine Crowdfunding-Aktion. Weil die Zeit drängt, ist die auf 22 Tage begrenzt, eine Woche ist schon rum. Angesetzt sind zunächst 44.000 Euro. Das meiste werde für die Themen Datenschutz und Sicherheit benötigt, erklärt die Issumerin. Es gebe Unternehmen, die die passenden Module für eine solche App zur Verfügung stellen, aber die seien einfach teuer. Laufen wird die App sowohl auf Apple als auch Android-Geräten. Dass nicht jede Familie ein Tablet unbedingt zur Verfügung hat, weiß die Entwicklerin. Andererseits gebe es immer mehr Schulen, die Tablets haben und ein gebrauchtes sei bereits ab 50 Euro zu erwerben.

Wichtig ist ihr, dass die Schulen und Eltern für einen Fall der unterrichtsfreien Zeit wie aktuell in der Corona-Krise vorbereitet sind. Die App soll dabei helfen. Denn Lehrer seien nicht alle automatisch IT-Experten. Deswegen muss eine gut anwendbare Lösung her. Und Eltern sind eben nicht alle von Hause aus Nachhilfelehrer und können mit ihren Kinder die mitgegebenen Arbeitsblätter mal eben durcharbeiten. Mit der ClaRo-App ist Unterricht auch weiterhin möglich.

Schulleiterin Angela Hüskes sieht auch außerhalb der Corona-Zeit Verwendungsmöglichkeiten für die App, zum Beispiel, wenn Kinder länger erkrankt sind. Entwicklerin Juliana Juliano kann sich auch die Anwendung für Nachhilfesituationen und in kleineren Gruppen vorstellen. Deswegen kann die App auch individuell auf Bedürfnisse angepasst werden. Bisher habe es viele positive Rückmeldungen gegeben, sagt die Entwicklerin. Das Erklär-Video zur App wurde auch in Amerika, Indien und im arabischen Raum mit Interesse angeschaut. Nun fehlt nur noch der letzte Schritt zur Fertigstellung.