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Mit Regenbögen gegen die Corona-Krise im Gelderland

Mit Regenbögen gegen die Hoffnungslosigkeit : Hoffnungsbringer in der Corona-Krise

Gemalte Regenbögen von Kindern an Fenstern oder froh machende Botschaften zum Mitnehmen an der Kirche: Die Zeichen für Kreative stehen derzeit gut. Das Ziel ist Solidarität statt Gejammer.

Wer durch die sonnigen und leeren Straßen in Issum spaziert, um frische Luft zu schnappen, der kann ein Stück Hoffnung zum Mitnehmen ergattern. „Hoffnung to go“ lautet die Idee von Vikarin Lisa Schönrock. An einer langen Schnur rund um die evangelische Kirche baumeln positive Botschaften, die Mut machen sollen. „Ich habe gedacht, wo es doch so schwierig ist, die normale Arbeit nicht möglich ist, ist das eine gute Idee“, sagt die Vikarin.

Biblische Sprüche, Texte von Dietrich Bonhoeffer und aus einem Kinderbuch sind in den eingerollten Zetteln verborgen. Die Botschaften hängen genau dort an der Kirche, an der auch steht, was aktuell wegen des Kontaktverbots gerade nicht möglich ist. „Die Aktion mit den Botschaften zeigt, dass doch Dinge möglich sind“, sagt die Vikarin. Gerne darf sich bedient werden, es wird regelmäßig nachgefüllt, verspricht Lisa Schönrock.

„Hoffnung“ to go“ gibt es an der evangelischen Kirche in Issum. Foto: Evangelische Kirche

Ebenfalls Mut machen sollen die vielen Regenbögen, die es immer mehr in den Fenstern zu sehen gibt. „Der Regenbogen steht für ganz, ganz viel“, erklärt Issums evangelische Pfarrerin Yvonne Brück. Berührend fand sie, dass ihre kleine Tochter gleich an die Noah-Geschichte aus der Bibel denken musste. „Die werden doch auch alle gerettet“, hat ihre Tochter gesagt. „Für mich als Pfarrerin ist der Regenbogen tatsächlich ein Erinnern an die Zusage Gottes: ,Ich lass euch nicht allein’. Egal, wie heftig mein Leben durchgerüttelt wird, Gott ist da.“ Von vielen Menschen werde die persönliche Welt erschüttert: Da sind diejenigen, die krank sind und noch mehr als sonst in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind. Da sind die finanziellen Sorgen von Handwerksbetrieben, anderen Selbstständigen oder Arbeitnehmern. Und natürlich auch die Sorgen der Kinder, die nicht einfach raus dürfen, um mit ihren Freunden zu spielen.

Sabrina Velmans aus Issum ist eine derjenigen, die die Regenbogen-Idee aufgegriffen hat. Ihre Kinder, die siebenjährige Jule und der sechsjährige Luka, haben mit bunten Farben einen Regenbogen auf die Fensterscheibe gemalt. „Die Idee stammt nicht von mir“, sagt die Issumerin. Aber sie ließ sich gerne davon anstecken. „Der Regenbogen am Fenster ist ein Zeichen: Hey, wir sind auch zu Hause. Alles wird gut“, erklärt Velmans die Botschaft. Auch Melanie Peters aus Aldekerk sind die bunten Hoffnungsbotschafter schon aufgefallen. Am Haus von Nadine Wiegand habe sie den Regenbogen im Fenster zuerst gesehen und abfotografiert. „Ich habe die Aktion von einer italienischen Freundin übernommen“, sagt die Aldekerkerin Nadine Wiegand. Solidarität zu zeigen, spiele eine große Rolle.

Regenbogen als Zeichen der Hoffnung an Issumer Fenstern. Foto: Sabrina Velmans

Bei Melanie Peters zu Hause wurden dann gleich die Fingerfarben für Tochter Melina und Sohn Luca herausgeholt. Wer an den Häusern mit den bunten Regenbögen vorbeigeht, soll wissen, er ist nicht allein.

Eine Mitmach-Aktion in Geldern bietet das Freiwilligen-Zentrum der Caritas an. „Es möchte den Menschen in Geldern mit der Solidaritätsaktion ,Gute-Wünsche-Wimpel` die Möglichkeit bieten, sich und anderen Mitbürgern gute Worte mit auf dem Weg zu geben“, heißt es in der Presseerklärung. Auf dem Vorplatz des Adelheid-Hauses hängen seit Dienstag die bunten Wimpel. Wer auf dem Weg in die Stadt ist, kann dort kurz Halt machen und einen Wimpel mit einem Spruch, einem guten Wort oder einer Motivation beschriften und ihn dort aufhängen. Und natürlich lesen, was andere schon geschrieben haben.

Auch in Aldekerk setzen Menschen ein Zeichen. Foto: Melanie Peters

Ebenfalls kreativ und den anderen im Blick haben diejenigen, die in der jetzigen Situation den Briefträgern und Paketboten Seife, eine Gießkanne mit frischem Wasser, Abtrockentücher und auch etwas Schokolade zum Mitnehmen vor die Tür stellen. So können sich diejenigen, die für die Allgemeinheit unterwegs sind, zwischendurch die Hände waschen und stärken. Die Corona-Krise ist eben nicht nur Krise, sondern auch Chance, Dinge anders zu machen und den anderen in den Blick zu nehmen.