Issum: Mit Herrn Nimmersatt in die Mongolei

Issum: Mit Herrn Nimmersatt in die Mongolei

Ein Jahr oder länger lassen sich Sarah Brauers und Felix Wagner Zeit, um auf Tour zu gehen. Ihre Wohnung nehmen sie direkt mit, ein umgebautes Katastrophenschutz-Fahrzeug mit "LAK". Das Klever Paar war zu Besuch in Issum.

Der Mercedes-Benz ist nicht zu übersehen, von Sarah Brauers wird er auch liebevoll "der Dicke" genannt oder "Herr Nimmersatt". "Weil er so viel Diesel schluckt", sagt die ehemalige Issumerin. 18 Liter auf 100 Kilometern.

"Aber auch, weil er eine Metamorphose hinter sich hat", wie die bekannte Raupe aus dem Kinderbuch "Raupe Nimmersatt", ergänzt ihr Freund Felix Wagner. "Vom Gerätewagen zum Wohnmobil" lautet die Verwandlung. Der Mercedes-Benz ist ein 1113 Kurzhauber. Die "11" stehen für ursprünglich elf Tonnen (es sind nur noch 7,5) und die 13 für 130 PS (mittlerweile 168 PS). "Herr Nimmersatt" hat Halt gemacht auf dem Parkplatz vor der Diebels-Brauerei. Das ist aber nur eine kleine Zwischenstation, noch nicht einmal eine Probefahrt. Die hat er schon hinter sich, durch Marokko mit Dünen und allem Drum und Dran.

Demnächst geht es auf die Fahrt, wofür "Herr Nimmersatt" eigentlich erschaffen wurde. Es geht in die Mongolei. "Ein Jahr oder Ende offen", beschreibt Felix Wagner den Zeitrahmen. Die Wohnung ist bereits gekündigt und die Arbeit auch. Die beiden Klever haben versucht ein Sabbat-Jahr zu nehmen, das hat leider nicht geklappt.

Los gehen soll die Fahrt am 1. April. Die Wohnstube von Herrn Nimmersatt ist schon eingerichtet. Ursprünglich war das ein LAK, ein "leicht absetzbarer Koffer", der in der DDR für die Militärfahrzeuge der Nationalen Volksarmee gefertigt wurden. Koffer ist leicht untertrieben, wenn man bedenkt, dass ein ganzer Hausstand darin Platz hat. "Herr Nimmersatt" wird für dieses Jahr oder länger ihr Zuhause sein. Im Inneren sind zwei Betten, eine Küche, fließend Wasser gibt es per Pumpe, und es gibt eine Trockentoilette. "Die Hardware wird von der Software getrennt", erklärt Felix Wagner das System. Angst vor einem Lagerkoller haben beide nicht. "Wir haben eine gute Streitkultur, die gehört definitiv dazu", sagt er.

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Während er das erzählt, hat er auf dem Kühlschrank Platz genommen. Energie für den Betrieb gibt es von Solarzellen auf dem Dach des Fahrzeugs. Hinter ihm ist ein mini-kleines Bücherregal, gespickt mit Reisebüchern. Seine anderen Büchern hat er in vier Alu-Kisten verpackt im Freundeskreis herumgeschickt. Die Kisten kamen leer zurück. "Das tat schon weh", sagt er kurz über den Verlust und: "Man vermisst erstaunlich wenig." Nur noch eine Küche ist eingelagert, ansonsten ist der ganze Besitz in dem umgebauten LAK.

Den Koffer auf den Rohbau des ehemaligen Feuerwehrfahrzeugs zu schweißen, das sei die Hauptarbeit gewesen, sagt Felix Wagner. Freunde waren dabei eine große Hilfe. Der Unterbau ist besagter Mercedes-Benz 1113. "Mir ging es um die Reparierbarkeit und die verfügbaren Ersatzteile. Und dieses Modell kann wirklich jeder Landmaschinenmechaniker reparieren", sagt Felix Wagner zur Wahl des Fahrzeugs. "Kein Armee-Fahrzeug", lautete die Prämisse von Sarah Brauers. Ihr sei es auch um die Optik gegangen. "Die Marke war mir egal, aber es sollte sofort erkennbar sein, dass wir in freundlicher Absicht kommen." Die Reise führt unter anderem durch Usbekistan, Turkmenistan und Iran. "Man muss Flexibilität bewahren, aufgrund der politischen Situation", sagt Felix Wagner. Der Iran macht ihm dabei die wenigsten Kopfzerbrechen. "Das muss ein super-gastfreundliches Land sein", sagt der Klever.

Die Finanzierung des Projekts? "Ganz altmodisch, sparen", sagt Wagner. "Es ist eine Sache der Prioritäten, möchte ich ein super-modernes Auto oder möchte ich reisen." Brauers und er haben sich für das Zweite entschieden. "Jetzt aktuell freuen sich alle und wollen, dass wir Postkarten schicken", sagt Brauers über die Reaktionen im Freundeskreis. Wer sich im Fahrzeug umschaut, entdeckt Fotos von Festivals, einen Holzelefanten von einer Reise aus Sri Lanka. "Warum man Nippes mitnimmt? Damit man sich mehr zu Hause fühlt", sagt die Ex-Issumerin und lacht. Und an der Sonnenblende, da ist das Bild eines angebissenen roten Apfels mit einer Raupe zu sehen, Herr Nimmersatt.

(RP)
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