Moderne Energiegewinnung in Straelen Wärme aus der Tiefe lässt Tomaten reifen

Straelen · Straelen ist eine der Regionen, die das Land Nordrhein-Westfalen beim Projekt „Nutzung der Tiefengeothermie“ fördert. Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart sah sich beim Projektpartner, dem Gartenbaubetrieb Draek, um.

 Matthias Draek (Mitte) führte Minister Andreas Pinkwart (l.) und Straelens Bürgermeister Bernd Kuse durch ein Tomaten-Treibhaus.

Matthias Draek (Mitte) führte Minister Andreas Pinkwart (l.) und Straelens Bürgermeister Bernd Kuse durch ein Tomaten-Treibhaus.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Abwärme aus einer Biogasanlage, Bio-Methan aus einem Blockheizkraftwerk sowie zur Abdeckung der Spitzenlast Erdgas und Kohle: Diese Quellen versorgen die Tomaten von Matthias Draek mit den nötigen hohen Temperaturen, um sie reifen zu lassen. Doch wenn alles so klappt, wie Politik und Wissenschaft es sich vorstellen, dann bezieht der Straelener Gartenbaubetrieb in absehbarer Zukunft seine Energie aus dem Untergrund. „Tiefengeothermie“ heißt das Zauberwort. Draek ist ein Projektpartner in der Stadt Straelen, wo NRW die Möglichkeiten für diese Energiequelle prüfen lässt.

Landeswirtschaftsminister Andreas Pinkwart informierte sich am Donnerstag im Unternehmen Draek über den Stand der Dinge. „Wir schaffen die Klimaneutralität 2045 nur, wenn wir schneller werden und uns fokussieren“, sagte der Minister. In Sachen Geothermie sei NRW zurück, „da sie über viele Jahre nicht gewollt und nicht gesehen wurde“.

Niedersachsen etwa sei viel besser aufgestellt, weil da Erdgas gefördert wird, erläuterte Frank Strozyk vom Fraunhofer-Institut, das gemeinsam mit der Stadt Straelen Projektkoordinator ist. Die Technik sei etabliert. Als „Flaschenhälse“ sieht der Fraunhofer-Bereichtsleiter für Energieinfrastrukturen und Geothermie die Finanzierung und die Genehmigungsverfahren.

Er hofft, mit der rund einjährigen Machbarkeitsstudie im Herbst beginnen zu können. Dabei lässt sich auf Daten ähnlicher Projekte in den Niederlanden aufbauen, außerdem auf die Karten des Geologischen Dienstes NRW. „Denen fehlt aber oft die Detailschärfe, um den geeigneten Standort zu bestimmen“, erklärte Strozyk die Notwendigkeit der Machbarkeitsstudie.

Sondiert wird in einer Tiefe von 2000 bis 3000 Metern. Laut Fraunhofer-Vertreter Kosta Schinarakis kommt es darauf an, wasserführende unterirdische Klüfte zu finden, aus denen warmes Wasser gefördert werden kann. „Ab  60 Grad Celsius ist es sinnvoll“, so Schinarakis. „Das reicht uns“, bestätigt Draek. Ideal ist aus Strozyks Sicht ein „kaskadierendes System“. Hier würden viele Abnehmer angeschlossen, die je nach Bedarf das Wasser aus der Tiefe mit Temperaturen von 100 Grad bis herunter zu 30 Grad nutzen könnten.

Doch das ist noch Zukunftsmusik. Erst mal wird geprüft. Sollte die Analyse positiv ausfallen, dauert es laut Strozyk drei bis fünf Jahre, bis die Produktion von der Logistik her betriebsbereit ist. Insgesamt acht bis zehn Jahre wären nötig, um mit Fernwärmeleitungen und weiteren Erdarbeiten ausreichend viele Betriebe als Abnehmer anzubinden.

Das Erschließen neuer Energiequellen spielt aus Pinkwarts Sicht auch eine wichtige Rolle, um die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Betrieb zu sichern. Draek sieht die Energieversorgung als „einzige offene Flanke“. „Wir müssen für die nächsten Jahre bis zur Geothermie eine Übergangslösung schaffen“, wünscht er sich. Er denkt an den Bau von Gas-Blockheizkraftwerken, um deren Abwärme und Kohlendioxid für die Pflanzen zu nutzen. Derzeit kauft der Straelener Gärtner technisches Kohlendioxid hinzu. Etwa 25 Kilogramm Kohlendioxid braucht er pro Quadratmeter. Das ist bei seiner Gesamtanbaufläche von 80.000 Quadratmetern ein enormer Kostenfaktor.

Bürgermeister Bernd Kuse freut sich, dass Straelen als Projektregion ausgesucht wurde. Die Experten vom Fraunhofer-Institut sind zuversichtlich, dass die Machbarkeitsstudie auch eine Fortsetzung des Projekts erlaubt. „Es ist realistisch, dass die Heizkosten für Herrn Draek künftig nicht höher sind als bisher, dafür aber nachhaltiger“, so Strozyk.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort