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Mehr Diversity: Vocal-Kollektiv hat ein Live-Session-Musikvideo gedreht

Für mehr Diversity in der Musikbranche : „Es kann nur Eine geben“ gilt nicht

Mehr Präsenz von Frauen in der Musikbranche, dafür kämpfen vier Künstlerinnen. Es geht um das Sichtbarwerden und Diversity. Der Projekt-Song wird am 11. Mai veröffentlicht.

Das Thema hat sich bereits Kabarettistin Carolin Kebekus auf die Fahne geschrieben: mehr Frauen auf Festivals. Als Beispiel für die Musikbranche nannte sie Rock am Ring, mit einem Anteil von vier Prozent Frauen bei den Musikern seien die deutlich unterrepräsentiert. Die ganze Debatte drehe sich im Kreis, sagt sie zum Einwand, dass es keine bekannten Frauen-Rockbands gebe. Um erst einmal bekannt zu werden, müssten Frauen auch erstmal gespielt und gebucht werden.

Vier Künstlerinnen haben sich jetzt zusammengetan, um ein Zeichen zu setzen. Eine von ihnen ist Lisa Dellmann, die in Wankum aufgewachsen ist. Mit ihren Kolleginnen, Charlotte Borlinghaus, Natalie Handwerk und Laetitia Bittner, die sie vom Musikstudium kennt, hat sie einen Song aufgenommen und ein Video produziert. Damit wolle man dem Mythos entgegentreten, dass es „nur Eine geben kann“. Es gibt nicht nur die Frontfrau. Wenn schon eine Frau gebucht wurde für ein Festival, muss der Platz für eine zweite nicht ausgeschlossen sein. Die vier Frauen stehen im Musikvideo im Kreis, sie sprechen vom „feministischem Kollektiv“ und performen den Song „Amends” der Sängerin Odette. „Amends“ bedeutet Wiedergutmachung. Es geht um Selbstliebe, sich selbst annehmen wie man ist, ohne sich an gesellschaftlichen Konventionen zu stören. Deswegen habe man bei dem Projekt auch Flinta-Personen mit einbezogen, so Lisa Dellmann. Der Begriff taucht bei der Diversity-Debatte auf. Unter Flinta sind Frauen, Lesben, intersexuelle Menschen nicht binär, trans und agender zusammengefasst. Den Kreis der Mitwirkenden habe man bewusst groß gefasst, „weil wir nicht von jeder Person wissen, wie sie sich definiert“, sagt Lisa Dellmann. Wenn es nach den Künstlerinnen geht, hätte man bei dem Projekt ruhig auch noch diverser sein können, etwa Menschen mit Behinderung oder mit anderer Hautfarbe mit einbeziehen können. Denn das Ziel ist klar gesteckt: „Ich würde mir wünschen, dass sich die ganze Kreativbranche dahin hin verändert, dass noch mehr Menschen die Gelegenheit bekommen, kreativ zu sein und gesehen zu werden. Das Projekt wird gefördert vom Förderverein der Musikhochschule Münster, vom Gleichstellungsbüro der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster und von der Gleichstellungskommission der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Die Veröffentlichung findet in Zusammenarbeit mit dem Verein “musicNRWwomen” statt, der sich für Geschlechtergerechtigkeit und Teilhabe in der Musikszene einsetzt. Dort wird das Musikvideo ab dem 11. Mai zu sehen sein.