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Mattez Deckers gestaltetes neues Graffiti-Kunstwerk in Geldern

Neues Graffiti in Geldern : Street-Art-Künstler lassen sich treiben

Der Malermeister Mattez Deckers erschafft mit seinem Kumpel Jan Tegelaers ein kinderfreundliches Unterwasser-Graffito an einer Wand in der Hülser-Kloster-Gasse neben der St.-Michael-Schule.

Auf einmal stand dieses Mädchen hinter ihm, vielleicht zehn Jahre alt, und erklärte ihren Freunden lautstark: „Wisst ihr, was der Mann da macht?“ Sie zeigte auf die bemalte Wand. „Das nennt man Sachbeschädigung.“ Mattez Deckers traute seinen Ohren nicht. „Du bist doch noch ein Kind“, sagte er. „Woher kennst du so ein Wort? Das ist ein Erwachsenenwort.“ Aber da waren seine Zaungäste schon weitergezogen.

Deckers hat schon viele Wände in Geldern verschönert. Sowohl drinnen als auch draußen. Als gelernter Malermeister hantiert er üblicherweise von Berufs wegen mit Pinseln und Rollen. Nach der Arbeit malt er weiter, dann allerdings mit Spraydosen als Graffiti-Künstler. Deckers ist mit HipHop groß geworden, fuhr früher Skateboard und hat ein Faible für den Boom Bap der 90er-Jahre. Die Musik hört er immer noch, und auch den Graffitis ist der 37-Jährige treu geblieben. „Die Sprühdosen sind mein Lieblingswerkzeug“, erzählt er. Es gebe etwa 200 Farben. Das war’s, Deckel ab, und schon kann’s losgehen.

Manchmal fahre er in der Gegend herum und schaue sich Wände an, die seiner Meinung nach etwas Farbe vertragen könnten, erzählt er. 50 Graffitis habe er im vergangenen Jahr in der Stadt verteilt, alle legal, die meisten wurden wieder übermalt. Bekannt geworden ist Deckers mit einem Wandbild an der Stettiner Straße, auf dem eine Krankenschwester eine Maske trägt. „Mask Heroes“ taufte er sein großformatiges Statement zur Corona-Krise. „Das Bild hängt mittlerweile auch in einem Krankenhaus in Hamburg“, erzählt der Künstler stolz. „Das Personal hat sich sogar Aufnäher machen lassen und trägt sie an seiner Dienstkleidung.“ 1000 Stück seien produziert worden.

Sein neuestes Werk ist weniger politisch und lässt sich an der Hülser-Kloster-Gasse gleich neben der St.-Michael-Schule bewundern. Vorher stand da eine bröckelige Mauer, die renovierungsbedürftig war, und auf der viele Jahre ein Piratenmotiv prangte, das jedoch grau übermalt wurde. „Die Eigentümer hatten Angst, dass die Wand nach der Sanierung von Vandalen beschmiert werden könnte und haben mich gefragt, ob ich eine Idee hätte, was man damit machen könnte.“ Deckers durfte seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Die Mauer ist 20 Meter lang und 2,10 Meter hoch. Er fragte einen Kumpel, ob er ihm helfen könnte. „Die Graffiti-Szene ist wie die der Tätowierer“, meint Deckers. „Alle sind selbstständig, doch es gibt keine Konkurrenz, nur Mitkünstler, die zur Stelle sind, wenn man sie darum bittet.“ So war es auch bei Jan Tegelaers. Der Graffiti-Künstler lebt in Eindhoven, und weil er nichts Besseres zu tun hatte, sei er für ein paar Tage nach Geldern gekommen. Tegelaers sei der bessere Buchstabenkünstler, findet Deckers, dafür könne er besser malen. Weil das Bild gleich neben der Schule zu sehen ist, haben sie sich für ein kinderfreundliches Motiv entschieden. Ein Unterwasserbild: „Go With The Flow“ steht darauf in großen Lettern geschrieben. Für Deckers ist es der passende Slogan zur aktuellen Corona-Lage. „Die Leute können eh nichts Anderes tun, als sich treiben zu lassen.“

Mehr als 200 Sprühdosen haben die Beiden geleert, um das Kunstwerk in über 40 Arbeitsstunden fertigzustellen. Erst musste die Grundfarbe auftragen werden, bevor sie sich den Details widmen konnten. Der Farbverlauf reicht von Türkis am Boden bis Orange in den Spitzen. Für die Unterwassertiere hat sich Deckers vom Disney-Film „Findet Dorie“ inspirieren lassen, sagt er. Alleine für die tiefenentspannte Schildkröte Crush habe er fünf Stunden vor der Mauer gekniet und acht verschiedene Brauntöne für den Panzer verwendet, damit alles auch schön dreidimensional wirkt. Auch den mürrischen Kraken Hank und „Herrn Rochen“ hat er auf der Wand verewigt. „In der Gasse war ganz schön was los“, erzählt Deckers. „Gefühlt hatten die Kinder jede halbe Stunde Schule aus.“ Die meisten fanden das Motiv gut. Nur einer meinte: „Wo ist das Piratenbild geblieben?“