Martin Schulz (SPD) im Wahlkampf zu Gast in Geldern

Geldern : Martin Schulz: „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein“

Keinen Geringeren als Willy Brandt zitierte Martin Schulz gegen Ende seiner Europa-Wahlkampfrede auf dem Marktplatz Geldern. „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein“, rief der Sozialdemokrat aus Würselen am Donnerstag den rund 50 Zuhörern zu.

Dieser Satz aus Brandts Regierungserklärung als Bundeskanzler 1969 sei die Vision, von der die SPD durchdrungen sei.

Die gute Nachbarschaft in Europa sieht Schulz mit Blick auf den aufkommenden Nationalismus in Gefahr. Die Devise „Ich zuerst“ führt für ihn zum Kampf jeder gegen jeden. „Das ist die Philosophie der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“, sagte der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments. Und nicht zuletzt den jüngeren Zuhörern rief er ins Gedächtnis, was die Jahre 1900 bis 1950 brachten: Zwei Weltkriege mit Abermillionen von Toten, die abscheulichen Verbrechen des Nationalsozialismus, das Scheitern der Weimarer Republik aus Mangel an Demokraten.

Und am 70. Jahrestag der Verabschiedung des Grundgesetzes zitierte er dessen Artikel eins: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das sei, so Schulz, der große Erfolg des Europa in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Hinter uns liege eine lange Periode von Demokratie, Sicherheit, Frieden und Freiheit. Es habe immer ein „Mehr“ gegeben, ein Mehr an Bildung, an Information, an Freizügigkeit.

All das, so warnte der SPD-Politiker, werde jetzt angegriffen – von innen und von außen. Die Nationalisten gäben vor, das angeblich marode System erneuern und verbessern zu wollen. Dabei seien sie, meinte Schulz mit Blick auf die Affäre um den ehemaligen österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache, „korrupt bis auf die Knochen“. Das demokratische System müsse sich vor solchen Leuten schützen. Statt des „Ich zuerst“ müsse die Devise „Einigkeit macht stark“ wieder besser verkauft werden. Eine der Forderungen, die den Applaus des Publikums fanden, darunter SPD-Europakandidat Hasan Alkas, SPD-Europaparlamentarier Jens Geier und Bundestagsabgeordnete Barbara Hendricks.

Und eine altgediente Gelderner Sozialdemokratin war auch auf dem Marktplatz: Kathi von der Weydt. Es stellte sich heraus, dass sie und Schulz einige Jahre im selben Dorf lebten. Bei der Begrüßung des Gastes, der mit einer Viertelstunde Verspätung ankam, war sie ganz vorne mit dabei. Und prompt nutzten beide die Gelegenheit, ein Duett im Dialekt ihrer alten Heimat anzustimmen.

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