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Marcel Kempkes über die Zwangspause im "Dein Sporthaus" Geldern.

Fakten & Hintergrund: Interview Marcel Kempkes : „Wir können die Verluste verkraften“

Die Zwangspause im Gelderner „Dein Sporthaus“ dauert mindestens bis zum 30. April. Die Kunden reagieren gelassen.

Von Aerobic bis Zumba – in den modernen Übungsräumen im Gelderner „Dein Sporthaus“ ist im Normalfall immer ordentlich was los. Doch in Corona-Zeiten ist alles anders. Mindestens bis zum 30. April herrscht im großen Gebäude an der Pariser Bahn gähnende Leere. Wahrscheinlich sogar noch wesentlich länger. Marcel Kempkes, Pädagogischer Leiter des Sportbildungswerks Kleve, blickt trotz aller Schwierigkeiten optimistisch in die Zukunft.

Üblicherweise herrscht im Sporthaus ein ständiges Kommen und Gehen. Wie fühlt sich der einsame Arbeitsplatz an?

MARCEL KEMPKES Das ist in der Tat schon sehr ungewohnt. Mir läuft zwar auch noch der eine oder andere Kollege vom Kreissportbund über den Weg. Doch wir sind alle froh, wenn die Menschen wieder zu uns kommen und wir sie vor Ort begrüßen und beraten können.

Seit 16. März sind sämtliche Sportkurse auf Anweisung des Sportbildungswerkes Nordrhein-Westfalen auf Eis gelegt. Wie viele Menschen sind von dieser Maßnahme betroffen?

KEMPKES Wir mussten im gesamten Kreisgebiet insgesamt 118 Kurse vorzeitig abbrechen, darunter 16 im Bereich Rehasport. Insgesamt betrifft das mehr als 1000 Menschen.

Reagieren die Kunden mit Verständnis?

KEMPKES In jedem Fall. In Telefonaten und E-Mails gibt’s zu 98 Prozent Zustimmung. Verärgerung ist sehr selten zu spüren. Der eine oder andere ist zwar der Meinung, dass man beispielsweise in einem Jogging-Kurs auf ausreichend Abstand achten könne. Doch das ist nun einmal nicht möglich.

Wie entschädigen Sie die Kursteilnehmer, die ihre Gebühr bereits bezahlt hatten?

KEMPKES Wer regelmäßig an unseren Angeboten teilnimmt, bekommt eine anteilmäßige Erstattung für kommende Kurse. Auf Wunsch erstatten wir die Gebühr selbstverständlich auch zurück. Unter anderen mussten wir auch zwei Sportreisen nach Mallorca und Kreta absagen. Da haben wir den Teilnehmern bereits den vollen Preis erstattet.

Das Verbot der Sportkurse gilt zunächst bis 30. April. Ist ab 2. Mai schon wieder an ein volles Programm zu denken?

KEMPKES Das wäre zwar schön und wünschenswert. Doch ich persönlich kann mir das nicht vorstellen. Man darf nicht vergessen, dass viele unserer Teilnehmer schon älter sind und mitunter auch aus gesundheitlichen Gründen zur Risikogruppe zählen. Da werden wahrscheinlich noch längere Zeit strengere Regeln gelten. Ich wäre froh, wenn wir unser Kursprogramm vor den Sommerferien wieder hochfahren können, damit sich die Verluste in Grenzen halten.

Wie hoch sind die finanziellen Einbußen für das Sportbildungswerk bislang?

KEMPKES Ich habe das schon einmal grob ausgerechnet. Wir müssen bis Ende April bereits auf eine fünfstellige Summe verzichten. Sollten die Kurse noch längere Zeit ausfallen, fallen die Verluste natürlich entsprechend höher aus.

Sind die Mietzahlungen, die das Bildungswerk an den Kreissportbund zahlen muss, deshalb gefährdet?

KEMPKES Nein, in keinem Fall. Da muss sich niemand Sorgen machen. Wir haben genügend Rücklagen gebildet, um die Verluste verkraften und die Corona-Krise überstehen zu können.

Müssen Ihre Kollegen vom Kreissportbund und Sie sich mit dem Thema Kurzarbeit beschäftigen?

KEMPKES Davon war bislang noch nicht die Rede. Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir davon betroffen sind. Wir müssen sehr viele organisatorische Dinge erledigen und können uns über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen.

Wie stark sind die Übungsleiter von der Zwangspause betroffen?

KEMPKES Die meisten geraten dadurch nicht in Schwierigkeiten, weil sie einem Hauptberuf nachgehen. Und die wenigen Selbstständigen können das Soforthilfe-Programm des Landes Nordrhein-Westfalen in Anspruch nehmen.

Das Sportbildungswerk hat sofort auf den Corona-Totalausfall reagiert und bereits am 16. März einen Online-Yoga-Kursus gestartet. Wie wird das Angebot angenommen?

KEMPKES In der Tat waren wir im Kreis Kleve die Vorreiter. Inzwischen beteiligen sich viele Sportbildungswerke in ganz Nordrhein-Westfalen an dieser Aktion. Eine Kooperation mit ,Sportdeutschland.tv’ läuft zunächst bis Ende April. Dort gibt’s mittlerweile 40 kostenlose Mitmach-Angebote live oder auf Abruf zu sehen, die zuletzt von 6400 Menschen genutzt wurden. Wir hoffen auf einen positiven Werbe-Effekt und würden uns freuen, den einen oder anderen Nutzer des virtuellen Fitness-Angebots demnächst bei uns begrüßen zu dürfen.

Wie halten Sie sich persönlich in diesen Corona-Zeiten denn eigentlich fit?

KEMPKES Ich unternehme längere Spaziergänge mit meinem Hund. Und am Wochenende suche ich mir Wanderrouten aus, auf denen ich nicht allzu vielen Menschen begegne.

Sie sind auch als Fußballer von der Krise betroffen.

KEMPKES Das ist richtig. In meiner Freizeit bin ich als Torwart-Trainer des Kevelaerer SV und als Co-Trainer der Frauen des VfR Warbeyen tätig. Vor allem die VfR-Spielerinnen sind von der ungewissen Situation betroffen, da sie gute Chancen auf den Aufstieg in die Regionalliga besitzen. Wir hoffen alle, dass die Saison vielleicht doch noch fortgesetzt werden kann.