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Männerchöre aus Wachtendonk und Kerken singen gemeinsam.

Männerchöre aus Wachtendonk und Kerken : Chöre überleben im Dreierbund

Die Männergesangvereine aus Wachtendonk, Wankum und Aldekerk haben sich zu einer Chorgemeinschaft zusammengeschlossen. Sie singen auch „Haus am See“ von Peter Fox und „Nothing Else Matters“ von Metallica.

Das Schicksal des Quartettvereins „Westmark“ fürchtet Eckhard Prewitz vorerst nicht. Der Männerchor aus Herongen hatte im Dezember 2018 sein letztes Konzert gegeben. Gerade mal sieben Aktive waren „Westmark“ am Ende geblieben. Sie schlossen sich dem Straelener Männerchor „Waldeslust“ an. „Unser Bestand ist für die nächsten zehn Jahre gesichert“, meint hingegen Prewitz. Der Vorsitzende von „Cäcilia“ Wankum schaut sich im Schankraum der Wankumer Gaststätte „Haus Peuten“ um. Dort warten etwa 30 Männer auf den Beginn der Probe. Die kommen freilich nicht nur aus Wankum, sondern auch aus Wachtendonk und Aldekerk.

Seit Juni bilden der Quartettverein „Glocke“ Wachtendonk, der Männergesangverein „Cäcilia“ Wankum und der Männergesangverein „Deutscher Liederkranz“ Aldekerk einen sängerischen Dreierbund. Schon zuvor, im Jahr 2016, hatten sich „Glocke“ und „Cäcilia“ zusammengefunden. Vorher habe es Widerstände gegen diesen Schritt gegeben, erinnert sich „Glocke“-Kassierer Teja Miltner. Doch schließlich folgten die beiden Chöre der Anregung ihres gemeinsamen Leiters Christian Wilke, um singfähig zu bleiben. Die „Glocke“ hatte da noch 25 Aktive, „Cäcilia“ 17.

Die Initiative zur Chorfusion über die Gemeindegrenzen hinweg kam aus Aldekerk. 14 Sänger zählte der „Liederkranz“ noch, „das Alter der Sänger zwang uns zum Handeln“, berichtet Vorsitzender Hans-Josef Born. Eine Kontaktaufnahme zum anderen Männerchor in Kerken, dem Nieukerker Männergesangverein, sei ohne Ergebnis geblieben. Besser lief es nach einem Anruf beim „Glocke“-Chef Günter van Scherrenburg. Nach Absprache mit der „Cäcilia“ kam es zum Treffen mit den Aldekerkern, die Chemie stimmte, und die Chorgemeinschaft aus drei Ortschaften war besiegelt.

Nicht alle aktiven Sänger würden auch aktiv singen, schränkt Prewitz ein. Aber „30 bis 40 Sänger bei den Auftritten, das ist schon ordentlich“. Beim Chorkonzert in Wankum hatte der klangvolle Dreier seine öffentliche Premiere. Ein Benefizkonzert in Süchteln sowie einige Privatauftritte folgten.

Die Sänger der drei Chöre "Glocke", "Cäcilia" und "Deutscher Liederkranz" proben mit Christian Wilke im Haus Peuten in Wankum. Foto: Klatt

Die Stimmen der Chöre ergänzen sich laut Prewitz optimal, zumal Dirigent Wilke die Tenorstimmen zusammenfasste, denn „I. Tenöre sind rar“. Entsprechend der Dreistimmigkeit wird auch die Musik gesetzt. Und die Modernisierung des Repertoires, laut Miltner schon seit langem eingeleitet, geht weiter. Zwar wird Traditionelles weiter gepflegt, weil das, wie Prewitz betont, bei Chöretreffen nach wie vor gesungen wird. Mittlerweile finden sich im Programm auch Lieder wie „Haus am See“ von Peter Fox und „Nothing Else Matters“ von Metallica. Immerhin: Einen 17-Jährigen hat man als Sänger neu hinzugewonnen. Das „Nachwuchs“-Potenzial sieht Prewitz aber eher in der „Rentnergilde“. Ganz junge Leute für Männerchöre zu interessieren, das sei außergewöhnlich schwer. Das Durchschnittsalter der Dreiergemeinschaft liegt denn auch deutlich über 60. Unter den „progressiveren“ Liedern befinden sich auch einige Gassenhauer aus Köln. Mit „Kölsche Tön“ hatten die Wachtendonker und Wankumer einen Publikumserfolg. Dirigent Wilke eröffnet die Probe nach dem Einsingen denn auch mit einem Stück, das viel Applaus bekam und auch beim nächsten Konzert zu hören sein könnte. „Wat ooch passiert“, intonieren die Männer „In unserm Veedel“, einen Bläck-Fööss-Klassiker.