Lüllingen: Kirchenchor St. Cäcilia nimmt Abschied

Lüllingen : Kirchenchor St. Cäcilia nimmt Abschied

Nach 84 Jahren ist nun endgültig Schluss: Zu einem letzten Auftritt kam der Chor aus Lüllingen zusammen.

Schon weit mehr als 100 Jahre wird in Lüllingen gemeinsam gesungen. Ein altes Kassenbuch verrät, dass bereits 1912 der „Theater-Gesang- und Turnverein“ gegründet wurde, auf den sich der Kirchenchor aufbaute. Mitgründer und erster Dirigent des 1920 gegründeten Männerchores war der Lehrer Johann Limpinsel. Am 1. Juni 1935 wurde dieser ursprüngliche Männerchor von Kardinal Clemens August Graf von Galen als Kirchenchor bestätigt. Ab 1948 wurden auch Frauen aufgenommen. Gemeinsam wurde nun „zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen“ gesungen.

Am Sonntag fand die Geschichte des Kirchenchors mit seiner Auflösung im Rahmen eines Festgottesdienstes um 9 Uhr in der St.-Rochus-Kirche ihr Ende. Zuletzt umfasste der Chor nur noch 22 aktive Sängerinnen und Sänger. Nach dem feierlichen Gottesdienst ehrte Pfarrer Arndt Thielen die Eheleute Melitta und Wilhelm van Lipzig, die 50 Jahre lang im Chor aktiv waren. Er dankte auch der Vorsitzenden Elisabeth Ingendae und der stellvertretenden Vorsitzenden Anne Waldeck, die über Jahre hinweg „Sprecher und Stimme“ des Chores gewesen seien. Ein besonderer Dank galt der Chorleiterin Beate Dethmers-Janicke: „Sie haben viele Jahre als Chorleiterin gewirkt, viele Jahre zu Hause Text und Melodien selbst gemacht. Das kenne ich kaum von Chorleitern. Ich möchte wirklich danke sagen für Ihr Engagement.“

Zum Schluss forderte Thielen die Gemeinde auf, sich umzudrehen und zur Chorempore hinaufzuschauen. Mit einem Applaus und einer Rose vom Ortssauschuss wurde auch den übrigen Chormitgliedern herzlich für ihren teils jahrzehntelangen Einsatz gedankt. Für die Sängerinnen und Sänger ein emotionaler Tag, wie Ingendae erläuterte: „Unser Durchschnittsalter ist 73 Jahre, und im Alter werden die Stimmen auch nicht besser.“ Hinzu kämen Ausfälle durch Krankheiten und schwierige familiäre Situationen. Letztendlich fehle vor allem der Nachwuchs: „Das Proben war oft schwierig. Jetzt haben wir einen Schlussstrich gezogen.“ Und Waldeck ergänzte: „Wenn es gut ist, ist es auch gut.“

Und so ganz verliere man sich ja nicht aus den Augen, verriet Ingendae: „Unsere Telefonkette geht weiter. Vielleicht treffen wir uns zu einem Spontanchor oder zu Weihnachten.“

Und auch Dethmers-Janicke ist sicher: „Es hat immer viel Spaß gemacht, und zum lockeren Singen am Lagerfeuer oder bei einer Tasse Kaffee werden wir uns auch weiterhin treffen.“ Den Kirchenchor St. Cäcilia Lüllingen gibt es zukünftig nicht mehr. Den Spaß am gemeinsamen Singen haben die Aktiven aber noch lange nicht verloren.

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