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Ludwig Ramacher von den Grünen Wachtendonk zu Plänen mit der Niers.

Ludwig Ramacher : „Flüssen und Bächen mehr Platz geben“

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen in Wachtendonk über die Pläne des Niersverbandes und über das Bauen in Ufernähe. Die Kommune liegt zwischen zwei Flüssen.

Die Niers fließt mitten durch Wachtendonk. Wie groß ist Ihre Sorge, dass dieses Flüsschen auch mal ein reißender Strom werden könnte?

Ludwig Ramacher Wachtendonk liegt ja zwischen zwei Flüssen, wir dürfen da auch die Nette nicht vergessen. Man kann natürlich die Niers nicht mit Flüssen in stark abschüssigen Tallagen vergleichen, wie es bei der Ahr vorliegt. Aber die Wasserführung beim Hochwasser hat auch hier eine Höhe erreicht, die so keinem Wachtendonker bekannt gewesen ist. Und hätte sich das Tief an anderer Stelle eingedreht, wäre der Nierspegel noch höher geworden und hätte auch tiefer gelegene Siedlungsbereiche erwischen können. Es fällt auch auf, wie langsam die Überschwemmungen zurückgehen, der Boden ist nach wie vor vollgesogen mit Wasser. Entsprechende Luftbilder zeigen deutlich, wie groß die überfluteten Flächen gewesen sind.

Wie wollen Bündnis 90/Grüne zu diesem Thema politisch aktiv werden?

Ramacher  Wir wollen insbesondere das Bewusstsein dafür schaffen, dass den Flüssen und Bächen wieder mehr Platz gegeben werden muss. Dazu muss auch eine kontinuierliche Beschäftigung mit der Wasserwirtschaft gehören. Diese fehlt im politischen Alltagsgeschäft eher, das ist ein langfristig angelegtes Thema, deswegen auch der Antrag, das im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Klima zu behandeln.Wachtendonk hat sich auf den langen Weg gemacht, klimaneutral zu werden und die notwendigen Schritte gegen die Klimafolgen zu ergreifen.

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Wie bewerten Sie die Pläne des Niersverbands?

Ramacher Soweit diese Pläne schon bekannt sind und kurz vor der Umsetzung stehen (zum Beispiel Wachtendonk nähe A 40), begrüßen wir diese Pläne ausdrücklich. Es werden Retentionsflächen geschaffen, das Wasser fließt insgesamt langsamer sowohl in den Fluss als auch flussabwärts. Neben dem unmittelbaren Schutz Wachtendonks muss auch der Schutz der Unterlieger berücksichtigt werden. Das hört sich jetzt einfach an, es gibt aber naturgemäß gegenläufige Interessen derjenigen, deren Flächen für diese Planungen benötigt werden.Klar aber ist, dass es zu den Maßnahmen grundsätzlich keine Alternative gibt. Auf die Darstellung weiterer Maßnahmen sind wir gespannt.

Was halten Sie von der Ausweisung von Baugebieten wie „Achter de Stadt“ in unmittelbarer Nachbarschaft zur Niers?

Ramacher Das Baugebiet Niersaue ist in unmittelbarer Nähe der Niers. Dort wurden entsprechende Maßnahmen getroffen, es gibt dort fast keine Keller, und die vorhandenen sind als geschlossene Wanne angelegt. Dieses Gebiet liegt zwischen der Niers und dem Gebiet, das jetzt als „Achter de Stadt“ überplant wird. Bei der Planung der „Niersaue“ wurden Hochwasserkarten berücksichtigt, die ein 100-jähriges Hochwasserereignis berücksichtigen. Inwieweit für ein dahinter liegendes Baugebiet daraus jetzt andere Schlüsse zu ziehen sein werden, wird sicher Teil der kommenden Beratungen auch mit dem Niersverband sein, dazu werden wir auch eventuell Überflutungen im betreffenden Gebiet berücksichtigen, aber nach jetziger Kenntnis erwarte ich da keine Konsequenzen.