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Lossprechungsfeier der Tischlerinnung und Preisverleihung für die „Gute Form“

Ehrung der Tischlergesellen aus dem Kreis Kleve : Was aus Holz alles werden kann

Lossprechungsfeier der Tischlerinnung und Preisverleihung für die „Gute Form“ in Geldern. Diesmalk bestanden alle Auszubildenden die Prüfung.

Wie in allen Branchen hatte das Handwerk die Examen unter besonderen Bedingungen angesetzt.  Home-Schooling von den Fachlehrern des Berufskollegs war angesagt. Im Tischlerhandwerk des Kreises Kleve blieb es im praktischen Teil bei 100 Arbeitsstunden für das Gesellenstück. Innungsmeister Heinz van Aaken ehrte in Geldern nicht nur die Jahrgangsbesten, sondern im Wettbewerb „Gute Form“ ebenso die  ausgefallenen Gesellenstücke.

In der Präsentation „Gute Form“ geht es um eine Zusatzwertung von 14 besten  Handwerksarbeiten durch eine siebenköpfige Jury,  die nicht aus dem Tischlerhandwerk kommt. „Würde das Stück in meine Umgebung passen, gefallen technische Raffinessen?“ könnten etwa die Kriterien sein, wie Heinz van Aaken erläuterte. Spitzenreiter mit zwei Wertungspunkten Vorsprung vor den drei zweiten Plätzen war der Schreibtisch in Esche/Anthrazit von Marieke Landgraf. „Auf den Titel ‚Segredo‘  bin ich gekommen, weil die älteste Esche aus Portugal stammt. Optisch ist das ein Sideboard, und die Schreibtischfunktion ist so etwas wie ein geheimer Inhalt. Und geheim auf Portugiesisch heißt  ‚segredo“, erklärte die strahlende Siegerin aus Rees ihr Möbelstück.

Das Möbelstück von Tim Theunissen hat ebenfalls eine ungewöhnliche Geschichte. Der Straelener: „Ich habe einen Plattenspieler von meinem Onkel Tüffi Theunissen bekommen. Für den Plattenschrank habe ich „Geschichtliches“ recycelt“, erklärt der 37-Jährige, der eine Umschulung vom Kameramann zum Tischler im Betrieb des Onkels absolvierte. Und zwar hatte er dafür Material vom Umbau der Straelener Stadthalle wiederverwendet. Der Lederbezug des Deckels war einmal ein Turnkasten, die blaue Korpusfront entstand aus einer alten Turnmatte.

Innungsbester im Südkreis wurde Benedikt Kleinmanns aus Wachtendonk. „Ich habe mir überlegt: Was könnte ich in meinem Bau noch gebrauchen? Also habe ich mich für einen Waschbeckenunterschrank entschieden“, beschreibt der Geselle. Zwei große Schubladen reichen für Badutensilien, dazwischen wurde für den Siphon eine Lücke gelassen.

Der dritte im Bunde der zweiten Preisträger war Moritz Lindebaum aus Kleve mit einem Schreibtisch aus Nussbaum/Anthrazit. Das Gesellenstück bestach durch Form, Größe und Funktionalität: Auf der anthrazitfarbenem Linoleum-Tischplatte reicht der Platz für gleich  mehrere Bildschirme, Laptop und Zeichenutensilien.

Beeindruckend war auch das Gesellenstück vom Innungsbesten des Nordkreises. Robin Broeckmann aus Weeze hatte auf den Weinschrank eine Weltkugel gesetzt. Die Schritte des Möbelstücks dokumentierte er in einer Fotoabfolge. Die 45 Gesellenstücke sind ab dem 6. Juli auf www.tischler-kle.de zu sehen.