„Lieber unverpackt“ in Geldern: Zwischen Mehrweg und Plastikalternativen

„Lieber unverpackt“ in Geldern : Hier hat Plastik keine Chance

Annett Schendel versteht sich als Umweltschützerin. In ihrem Laden „Lieber unverpackt“ in Geldern gibt es Alternativen zu in Plastik eingepackten Lebensmitteln. Das andere Einkaufsverhalten ist ein erster Schritt zur Nachhaltigkeit.

Spätestens seit der Bewegung „Fridays for Future“ sind die Themen Klima- und Umweltschutz wieder fest in den Köpfen der Menschen verankert. Egal ob CO2-Emission, Wasserknappheit oder die Plastik-Debatte – überall scheint Handlungsbedarf zum Schutze der Natur zu bestehen. Die Lebensmittelindustrie und Discounter sind gefragt, hier und da nach umweltschonenden Maßnahmen zu suchen. „Das Ganze passiert aber viel zu langsam“, sagt Annett Schendel vom „Lieber unverpackt“-Laden in Geldern. Plastik zerfällt nachweislich erst nach mehreren Jahrhunderten. Einige Prognosen gehen davon aus, dass bis 2050 mehr Plastik als Fisch in unseren Weltmeeren schwimmt.

Doch was können wir als Gesellschaft gegen diesen „Plastik-Wahnsinn“ tun? Jüngst kündigte Aldi an, ab sofort einen Cent für eine Obst-Plastiktüte zu verlangen. Ist dies reine Symbolpolitik oder eine sinnvolle Maßnahme, um den Konsum von Plastikgütern zu reduzieren? Annett Schendel hat jedenfalls eine klare Meinung: „Unsinn, einfach Unsinn. Falsche Politik.“ Sie glaubt nicht daran, dass weniger Kunden durch die Kosten von einem Cent zur Plastiktüte greifen werden.

Wie unser Konsumverhalten von morgen aussehen könnte, das demonstriert Schendel mit ihrem Geschäft in Gelderns Heilig-Geist-Gasse. Durch ihre Arbeit bei Kaiser’s Tengelmann entdeckte die 43-Jährige aus Kempen ihren Hang zum Verkaufen und Umgang mit Kunden. Die Liebe zur Natur hatte die gelernte Gärtnerin bereits als kleines Kind, erzählte sie. Mit der Eröffnung ihres Geschäfts im Dezember 2017 konnte sie nun beides verknüpfen. Bei „Lieber unverpackt“ wird mit größtmöglicher Nachhaltigkeit eingekauft.

Bereits beim Wareneinkauf legt die Geschäftsführerin viel Wert darauf, wie die Ware angeliefert wird: „Uns ist wichtig, dass hier nichts in Plastik verpackt ankommt.“ Paletten, die geliefert werden, seien manchmal mit Plastikfolie umwickelt. Das seien bestimmte Auflagen, welche die Speditionen erfüllen müssen, erklärte Schendel. Auch hier sucht sie Gespräche mit den Zulieferern, ob dies nicht geändert werden könne.

Auch ist ihr die Herkunft der Produkte wichtig. Nach Möglichkeit sollen die Transportwege im Hinblick auf eine geringe CO2-Emission kurz sein. „Alle Produkte werden in Deutschland hergestellt – bis auf eine Ausnahme“, erklärte Schendel. „Wir haben leider keine Biomühle hier in der Nähe. Deswegen beziehen wir Mehl außerhalb von NRW.“ Der Honig komme aus Geldern, die Eier aus Kevelaer und der Käse aus Stenden beziehungsweise Rahm – je näher, desto umweltschonender und besser ist die Devise. „Viele kommen mit der Bäckertüte hier an und füllen in diese ihre Haferflocken oder Nudeln.“ Eine ältere Dame soll auch einmal lediglich einen Löffel Stärke benötigt haben. Genau diese kleine Menge konnte die Dame auch kaufen, berichtet Schendel.

Viele kennen sicherlich das Problem, von einem Produkt nur wenig zu benötigen, aber eine ganze Packung kaufen zu müssen, die dann für Monate oder Jahre in der Küchenschublade verschwindet und schlussendlich weggeschmissen wird. „Sie können auch mit dem Salzstreuer hierhin kommen und diesen wieder auffüllen. Das stört uns nicht.“ Plastik allgemein werde aber nicht verteufelt. Wer alte Tupperdosen hat, der müsse sie nicht wegwerfen, sondern kann sie natürlich weiter nutzen. „Es ist schön zu sehen, wenn Leute Dinge wieder verwenden. Ich finde es Blödsinn, etwas wegzuschmeißen, was noch funktioniert“, sagt Annett Schendel.In ihrem Geschäft gibt es sogar Shampoos ohne Plastikflaschen, die runden und optisch hartseifenähnlichen Shampoo-Bits. „Shampoo-Bits sind unser Verkaufsrenner“, sagt Schendel. Es gehe langsam voran, dass die Menschen ein wirkliches Bewusstsein für den zerstörerischen Plastikkonsum entwickeln. „Eigentlich müsste es schneller gehen für unsere Welt. Wir haben nur diese eine.“

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