1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern

Leserforum: Braucht Geldern zwei Gymnasien?

Leserforum: Braucht Geldern zwei Gymnasien? : Trend zur Riesenschule bereitet Sorgen

Unterschiedlich, aber durchaus konstruktiv beantworten Leser die Frage nach der denkbaren gemeinsamen Zukunft des Lise-Meitner- und des Friedrich-Spee-Gymnasiums Geldern.

Gemeinsamer Weg dient Schulfrieden

Die Zeit ist mehr als reif für eine Diskussion. Ich war selbst am FSG als Lehrer für Englisch und Sport tätig. Selbst im eigenen Kollegium gab es Divergenzen, wer wirklich Philologe oder nur Lehrer war. Da gab es welche, die sich nur mit ihrem Titel Dr. oder Oberstudienrat anreden ließen. An sich alter Toback, aber der Ruf hielt sich auch im Hinblick auf die Konkurrenz Liese-Meitner. Wir waren die Akademischen, die anderen das Puddinggymnasium, was für einen Blödsinn! Viel steckte dahinter, dass Väter Old Boys waren und die aufziehende Gefahr von Mädchen an der Schule verteufelten. Die akademische Ausbildung konnte nur am Jungengymnasium gelingen!

So wurde über Jahre die Anmeldezeit argwöhnisch beobachtet. Hatten wir mehr Anmeldungen, war klar, dass sich wieder unser guter Ruf durchgesetzt hatte. Im anderen Fall war klar, dass sich das allgemeine Nachlassen des Abiniveaus nun auch in Geldern breit gemacht hatte. Bei Umkehrung wurde einfach auf das vorherige Konzept zurückgegriffen.

Es hat sich viel verbessert. Aber die Konkurrenzsituation hält sich tapfer. Befreundete Kollegen aus beiden Schulen werden argwöhnisch beäugt. Die Zusammenlegung würde sehr zum Schulfrieden beitragen und vor allem Ressourcen besser nutzen. Die Gesamtschule bietet aus meiner Sicht wegen ihrer Differenzierungsmöglichkeiten auch gute Voraussetzungen für eine akademische Bildung, aber ohne die Stigmatisierung einer nicht-gymnasialen Bildung. Dann wird auch Schluss damit sein, wer nun eine Aula als Festsaal für die Verleihung der Abi Zeugnisse hat. Gerd Fuhrmann

Gesamtschule wird nicht gebraucht

Im Kommentar von Herrn Möwius muss die Frage nicht heißen, ob Geldern zwei Gymnasien braucht, sondern: Benötigt Geldern eine 5. Schule, die zum Abitur führt? Der Elternwille ist da eindeutig, denn die beiden Gymnasien erfreuen sich regelmäßig eines guten Zulaufes. Die Gesamtschule wird nur dann die nötige Schülerzahl für die Oberstufe bekommen, wenn gegen den Elternwille eine künstliche Beschneidung der Gymnasien erfolgt.Eine Gesamtschule gibt dort Sinn, wo die Schülerzahl weder für ein dreizügiges Gymnasium noch für eine sinnvolle Größe einer Realschule reicht. Der hiesige Weg über das Berufskolleg ermöglicht ja auch jetzt schon allen Schülern, letztendlich ein qualifiziertes Abitur zu erwerben. Die Gesamtschule als zusätzliches Konstrukt kann nur bestehen, wenn es Schüler sowohl aus den Gymnasien als auch vom Berufskolleg abzieht. Das ist wenig sinnvoll, aber politisch gewollt. Dr. Arne Kleinstäuber, Vorsitzender des Fördervereins des Friedrich-Spee-Gymnasiums

 Das Lise-Meitner-Gymnasium
Das Lise-Meitner-Gymnasium Foto: moew

Zusammenlegung wäre ein Gewinn

Es ist wirklich mutig, dieses heiße Eisen anzupacken. Ich male mir schon aus, wie sich an beiden Gymnasien Eltern und Ehemalige in Stellung bringen, um das Aus „ihrer“ Schule zu verhindern. Aus der Politik wird sich wohl niemand aus der Deckung wagen. Dabei ist es ein guter Gedanke. Die Zusammenlegung wäre meiner Meinung nach ein Gewinn – das zeigt sich bereits in der Oberstufe.

Aber wie kann es gelingen, dieses emotional besetzte Thema sachlich zu diskutieren? Wie kann man es schaffen, dass sich am Ende nicht eine Schule als Verlierer fühlt? Das ist die Frage. Man sollte die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen, nicht nur unter Kostengesichtspunkten. Wo liegt der Vorteil für die Schüler? Kann es auf diese Art gelingen, noch stärker zu differenzieren, das schulische Angebot zu erweitern, ergänzende Kurse / Arbeitsgemeinschaften einzurichten oder lässt sich ein Ganztagsangebot inklusive Mensa so vielleicht leichter umsetzen? Oder, oder…. Diese inhaltlichen Fragen sollten diskutiert werden. In der Folge bleibt es dann im Interesse der Schüler beim Alten oder aus beiden Schulen erwächst etwas Neues. Ich bin gespannt auf die Diskussion. Marlies Deutskens

Will man Schule mit 1700 Schülern?

Natürlich gibt es unterschiedliche Argumente und wir möchten an dieser Stelle unseren Blickwinkel als Vertreter der Schulgemeinden beider Gymnasien gemeinsam verdeutlichen. Zu Beginn ist es vielleicht sinnvoll, sowohl die aktuellen als auch die prognostizierten Schülerzahlen zu betrachten. Momentan besuchen 698 Schülerinnen und Schüler das Friedrich-Spee-Gymnasium und 707 das Lise-Meitner-Gymnasium. Aktuell haben beide Gymnasien acht Jahrgangsstufen, aber in absehbarer Zeit (2026) werden – durch die Rückkehr zu G9 – wieder jeweils neun Jahrgangsstufen unterrichtet. Wenn man sich nun die Zahlen des Schulentwicklungsplans anschaut, kann man festhalten, dass beide Gymnasien in den nächsten Jahren zusammen stabil siebenzügig sein werden. Aufgrund der geburtenstarken Jahrgänge erwartet die beauftragte Projektgruppe ab 2024/25 sogar eine Achtzügigkeit. Wenn man nun beide Faktoren (eine zusätzliche Jahrgangsstufe durch Umstellung auf G9 und insgesamt steigende Schülerzahlen) zusammenrechnet, ist es sehr wahrscheinlich, dass jedes Gymnasium in sechs Jahren deutlich über 800 Schüler hat.

Wenn man also beide Gymnasien zusammenlegen würde, hätte man eine Schule mit gut 1700 Schülern und über hundert Lehrerinnen und Lehrern. Von diesen Kennzahlen gehen wir bei unseren weiteren Betrachtungen aus. Der Übergang von den Grundschulen zur zahlenmäßig größeren weiterführenden Schule stellt für viele Fünftklässler häufig eine besondere Herausforderung dar, der wir an beiden Gymnasien mit unterschiedlichen Maßnahmen besonders Rechnung tragen. Diese Herausforderung für die Kinder wird aber nicht leichter, wenn man sich in ein Schulzentrum eingewöhnen muss, das doppelt so groß wäre und in dem sich doppelt so viele Menschen bewegen.

Beide Schulen leben sehr zentral von ihrem familiären Umfeld und den persönlichen Kontakten zwischen Schülern, Eltern und Lehrern. Es ist keine Seltenheit, dass ein Lehrer deutlich mehr als die Hälfte der gesamten Schülerschaft seiner Schule kennt, da er sie entweder gerade unterrichtet oder in den Vorjahren im Unterricht hatte. Das ist bei einer Schule mit 850 Schülern möglich, aber nicht mehr bei einer Schule mit 1700 Schülern.

Aus Schülerperspektive wird man während seiner Schullaufbahn einen Großteil eines fünfzigköpfigen Kollegiums im Unterricht kennengelernt haben. Das wird aber nicht an einer Schule der Fall sein, in der 100 Lehrer und mehr unterrichten. Der persönliche Umgang zwischen allen Beteiligten ist in einem kleineren System mit Sicherheit deutlich leichter zu gestalten als in einem großen Schulzentrum.

Unter anderem durch diese persönlichen Beziehungen entsteht an beiden Gymnasien auch schnell eine Identifikation mit der eigenen Schule und eine positiv besetzte Lernumgebung. Es ist wohl auch nicht von der Hand zu weisen, dass eine (gesunde) Konkurrenz zwischen zwei Schulen die Qualität von Unterricht und Schulleben an beiden Einrichtungen fördert. Trotz dieser Konkurrenzsituation kooperieren beide Gymnasien aber schon seit langer Zeit und können so in der Oberstufe ein breites Fächerangebot auf die Beine stellen. Außerdem stimmen sich beide Gymnasien in grundsätzlichen organisatorischen Fragen (etwa Unterrichts- und Pausenzeiten) ab, so dass es durch die vorhandene räumliche Nähe für die Schüler kein Problem ist, während einer großen Pause fußläufig, das Gebäude zu wechseln, um an dem jeweils anderen Gymnasium den Unterricht zu besuchen. Anderswo müssen die Kinder wegen der räumlichen Entfernung per Bustransfer zur Nachbarschule pendeln.

Für beide Gymnasien entstehen auch weitere Synergieeffekte, indem sie zusammen die Außensportanlage und die Aula nutzen. Die Stadt Geldern hat daher ideale Bedingungen, die seit Jahrzehnten gewachsen sind und stetig verbessert werden: Zwei kleinere eigenständige Gymnasien mit ihrem jeweiligen persönlichen Umfeld, die sowohl konkurrieren, aber auch kooperieren und sich weiterentwickeln. Warum sollte man diese Symbiose, die für alle Beteiligten gewinnbringend ist, für ein größeres und anonymeres Schulzentrum aufgeben? Gemeinsame Stellungnahme der Schülervertretungen, der Elternvertretungen und der Lehrerräte von Friedrich-Spee-Gymnasium und Lise-Meitner-Gymnasium.