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Kritik am Nordwall-Umbau in Straelen geht weiter

Verkehr : Nordwall Straelen: „Druck im Kessel“

SPD sah sich die neu gestaltete Straße an. Rund 100 Teilnehmer beim Rundgang. Kritiker machen sich Luft bis hin zur Forderung, den Ausbau der Wälle sofort zu stoppen. Baudezernent: Eingewöhnung in die Situation ist noch nötig.

Das Urteil von Anita König über den neu gestalteten Nordwall in Straelen fällt eindeutig aus. „So kann das nicht gehen“, sagt die 82-Jährige, bei der die Benutzung der schmalen Fahrgasse vor allem eines erzeugt: Angst. „Die habe ich, wenn hinter mir ein Auto kommt“, sagt die Frau, die einen Scooter benutzen muss, einen elektrisch betriebenen Rollstuhl, der ein Höchsttempo von 12 Stundenkilometern schafft und damit längst nicht an das maximal Erlaubte in der Tempo-20-Zone des Walls heran reicht. Den breiten Bürgersteig auf der „Rossmann-Seite“ darf sie nicht benutzen. „Die Polizei hat mir gesagt, dass ich auf dem Radweg oder der Straße fahren muss.“ Ein separater Radweg steht auf dem umgebauten Nordwall aber nur auf der „Sparkassen-Seite“ zur Verfügung.

Kritik an der Neugestaltung wird weiterhin in den sozialen Medien laut. Und auch bei der Begehung, zu der am Samstag die Straelener SPD eingeladen hatte, gab es viele negative Stimmen bei den bis zu 100 Teilnehmern.

„Hier ist Druck im Kessel“, war dann auch gleich zum Auftakt die Aussage eines Teilnehmers. Joachim Meyer und Otto Weber als Verantwortliche des SPD-Vorstandes machten deutlich, dass der Rundgang dem Ziel diene, zur Beruhigung und Versachlichung der in der Bevölkerung geführten Diskussion beizutragen. Dennoch machten sich einige Teilnehmer Luft, indem sie die gesamte Maßnahme in Bausch und Bogen ablehnten und verlangten, den weiteren Ausbau der Wälle sofort zu stoppen.

Während der Besichtigung wurden dann aber konkrete Änderungsvorschläge in Bereichen angesprochen, die als unübersichtlich oder missverständlich angesehen wurden: „Eine Verkehrssituation muss selbsterklärend sein. Jeder muss auf Anhieb erkennen, wie er sich zu verhalten hat“ lautete die Zielsetzung.

Den deutlichsten Zuspruch bekam der Vorschlag, den breiten Bürgersteig auf der „Rossmann-Seite“, den niemand benötige, auch für den Fahrradverkehr zu öffnen. Das würde den Verkehr erleichtern und Gefahrenpunkte vermeiden. Gefahrenpunkte wurden immer wieder angesprochen, so am Knotenpunkt Nordwall/Marienstraße/Westwall, wo zukünftig die Radfahrer aus der Lingsforter Straße direkt hinter dem Schulzentrum auf die Fahrbahn wechseln müssen. Noch während des Rundgangs fuhr aber praktisch jeder Radfahrer geradeaus Richtung Zebrastreifen und Marienstraße, obwohl der neue Bürgersteig dort klar als Fußgängerweg ausgeschildert ist.

Viele Sorgen machten sich die Teilnehmer insgesamt über die Beschilderung, die an verschiedenen Stellen auf den ersten Blick gar nicht zu erfassen oder zu verstehen sei. Da sei aber Abhilfe sicher einfach zu schaffen, wenn die Erfahrungen der ersten Wochen vorlägen. Immer wieder wurden Befürchtungen geäußert, dass man nicht auf Unfälle warten solle, bevor etwas geändert würde.

Große Skepsis herrscht auch bei Thorsten Fischer als Leiter der Freiwilligen Feuerwehr hinsichtlich Brandschutz und Rettungswesen: „Um die Schutzziele von acht Minuten zum Brandort einzuhalten, müssen im Alarmfall die anrückenden Kameraden schnell sein.“ Wenn man nicht mehr direkt zum Feuerwehrhaus fahren könne, sondern um die ganze Stadt, und das noch mit Tempo 20, entstehe eine sehr schwierige Situation.

Die SPD-Vertreter werden nun die Anmerkungen der Bürger zusammenstellen, die sie aus ihren Erfahrungen seit der Eröffnung des umgebauten Walles gemacht haben, und den Fraktionen und der Verwaltung zur Verfügung stellen. Allerdings wurde immer wieder deutlich, dass die Bürger sich auch eine Versammlung wünschen, in der sie Vertretern der Stadt ihre Sorgen und Vorstellungen unmittelbar vortragen können. Auch diesen Wunsch wird die SPD an die Stadtverwaltung weitergeben.

Baudezernent Harald Purath machte am Montag auf Anfrage der RP deutlich, dass der Wunsch nach einem Radweg auf dem breiten Bürgersteig an der „Rossmann-Seite“ nicht zu erfüllen sei. Das lasse die Straßenverkehrsordnung nicht zu in solch einer verkehrsberuhigten Zone. Die Fahrgasse sei bewusst nur drei Meter breit, damit keiner mit erhöhter Geschwindigkeit fährt. „Es gilt das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme.“ Purath denkt, dass noch Eingewöhnung in die noch ungewohnte Situation nötig sei. „Dass es klappt, zeigen aber ganz viele Beispiele aus anderen Städten.“