Wachtendonk: Krieg aus zweifacher Wankumer Sicht

Wachtendonk: Krieg aus zweifacher Wankumer Sicht

Hans Druyen hat ein Buch geschrieben mit den Erlebnissen seines Vaters und den Geschehnissen im Ort. Er schlägt die Errichtung einer Gedenkstätte vor. Gespräche darüber sind im Januar geplant.

Die Mutter aus Essen war heilfroh, dass ihr Sohn Heinz-Josef in Sicherheit war. Auf dem flachen Land, weit weg von den Bombardierungen, denen das Ruhrgebiet ausgesetzt war. Wankum hieß das Dorf, in dem ihr Junge im Wehrertüchtigungslager Harzbeck für das Militär ausgebildet wurde. Doch dort kam er ums Leben, mit 16, so wie 22 andere junge Menschen. Denn das Lager wurde in der Nacht vom 21. auf den 22. Mai 1944 von Bombern der Royal Air Force angegriffen.

"Eine Tragödie", meint Hans Druyen. Er hat diesem Lager und dessen Zerstörung viel Platz eingeräumt in seinem Buch, das aus zwei Teilen besteht. "Der weite Weg zum Frieden" heißt der erste Teil. Er besteht aus den von Druyen überarbeiteten Tagebüchern seines Vaters Matthias, der im Zweiten Weltkrieg als Funker an der Ost- und Westfront eingesetzt war. "Abseits der Fronten" behandelt die Jahre 1939 bis 1945 in Wankum. So ist der Krieg aus zwei Perspektiven gespiegelt.

"Ich wollte die Quellen überliefern und Heimatgeschichte für die Nachwelt bewahren", nennt Druyen als Motivation für diese Veröffentlichung. 1998, kurz nach dem Tod seines Vaters im Dezember 1997, begann er mit der Arbeit. Er befragte Zeitzeugen, besuchte Archive, studierte Sekundärliteratur. "Der Umfang des Buches gibt bei weitem nicht den Aufwand der Forschungsarbeit wieder", stellt der 82-Jährige fest. Er habe viele Dokumente gar nicht einfließen lassen, habe sich auf das Wesentliche beschränken müssen.

Der erste Teil berichtet über die militärische Ausbildung des Matthias Druyen im westpreußischen Graudenz 1940, über endlose Märsche in Russland, über fünf Verwundungen, über die Verlegung an die Westfront und die Gefangennahme durch US-Soldaten. Aus einem französischen Gefangenenlager kehrte er im Februar 1946 heim. Den Tagebucheinträgen seines Vaters fügt Druyen aktuelle, vorwiegend im Internet recherchierte Informationen über einige der darin auftauchenden Städte bei, außerdem Ausführungen über einige wichtige Schlachten und vorkommende Truppenteile.

Die Änderungen durch das nationalsozialistische Regime in Wankum ab 1933 leiten den zweiten Teil des Buches ein. Dessen traurigen Höhepunkt, die Bombardierung des Lagers, lässt Druyen durch die Schilderung von Zeitzeugen lebendig werden: "Man hörte das Dröhnen der tieffliegenden Bomber, Es war allerdings eine recht kleine Formation. Plötzlich gab es ein unheimlich lautes Getöse. Dann deckte eine nachkommende Maschine das Lager mit Brand- und Phosphor-Bomben ein." Eine Seite weiter dokumentiert eine Luftaufnahme die Einschlagstellen der vier Luftminen oder Sprengbomben, den Brand der Baracken stellt noch eine Seite weiter eine grellbunte Malerei dar.

"Ich meine, dass es angebracht ist, der vielen Toten zu gedenken und an das traurige Ereignis zu erinnern", so Druyen. Ihm schwebt eine Gedenkstätte vor. Tafeln oder Stelen könnten an dem Bombentrichter errichtet werden, der der Grefrather Straße in Harzbeck am nächsten ist.

An Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt, den Wankumer Heimatbund und den Geschichtskreis Wankum hat Druyen deshalb geschrieben. Er berichtet von positiver Resonanz, auch eine Professorin der Uni Düsseldorf habe Interesse gezeigt. Mit dem Bürgermeister und den beiden Wankumer Vereinen wird es voraussichtlich Mitte Januar zu einem Gespräch kommen.

(RP)