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Kreis Kleve: So läuft die Corona-Diagnose für Patienten in Geldern

Keine Fieberambulanz in Geldern : So läuft die Corona-Diagnose im südlichen Kreis Kleve

In Kleve gibt es eine Fieberambulanz – die steht allerdings nur Bewohnern des nördlichen Kreisgebiets zur Verfügung. Was bedeutet das für Patienten aus Geldern und Umgebung? Die wichtigsten Infos im Überblick.

Es klingt erst einmal unfair: Alle, die aus Geldern, Issum, Kerken, Straelen, Rheurdt und Wachtendonk kommen, dürfen die Fieberambulanz in Kleve nicht nutzen. Dort steht seit Samstag am Katholischen Karl-Leisner-Klinikum ein Zelt, in dem sich Patienten mit Grippesymptomen auf das Corona-Virus testen lassen können. Das Angebot richtet sich aber nur an Bewohner aus Kleve, Kranenburg, Bedburg-Hau, Kalkar, Uedem, Goch, Weeze und Kevelaer – eben dem Zuständigkeitsbereich des Karl-Leisner-Klinikums. Auch Emmerich und Rees sind davon ausgeschlossen.

Unter Bewohnern des südlichen Kreisgebiets stößt das auf Irritation. „Was ist mit den anderen Gemeinden des Südkreises und der rechten Rheinseite? Wer fühlt sich da zuständig? Das Kreisgesundheitsamt zumindest nicht, sonst hätte es darauf verwiesen, ähnliche Ambulanzen auch hier einzuführen“, schreibt Walter Seefluth aus Geldern unserer Redaktion. „Wenn es um die mögliche Bevorzugung bei der Gesundheitsvorsorge geht, macht mich das wütend.“

Wer ist zuständig? Generell gilt: Für die Gesundheitsversorgung vor Ort sind Kliniken und Hausärzte zuständig. Zur Abklärung von möglichen Corona-Fällen haben jedoch einige Gesundheitsämter entschieden, zentrale Anlaufstellen einzurichten. In Düsseldorf hat beispielsweise die Stadt ein Diagnosezentrum eröffnet. Im Kreis Kleve ist keine zentrale Anlaufstelle des Gesundheitsamts geplant, sagt eine Sprecherin.

Das Fieberzelt in Kleve sei auf Initiative des Karl-Leisner-Klinikums aufgebaut worden. Das sei die einzige Möglichkeit gewesen, die Corona-Diagnostik räumlich vom Krankenhaus zu separieren, so Kliniksprecher Christian Weßels. Eine Verpflichtung für Krankenhäuser zur Etablierung solcher Stellen gibt es aber nicht, heißt es von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. Die Entscheidung, wo die Patienten diagnostiziert werden, liege bei den Kliniken.

Was bedeutet das für Patienten im Südkreis? Eine Fieberambulanz wie in Kleve ist in Geldern nicht geplant, sagt Rupertus Schnabel, Ärztlicher Direktor des St.-Clemens-Hospitals. Er hält ein Fieberzelt sogar für kontraproduktiv: „Ich sehe darin eine mögliche Konzentration von Verdachtsfällen, die zu einer schnelleren Ausbreitung des Virus’ führen könnte“, so Schnabel.

Darum halte sich die Gelderner Klinik an die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts: Patienten mit Grippesymptomen sollen sich zum Schutz anderer Personen zunächst telefonisch an Hausärzte oder das Krankenhaus wenden. Das empfiehlt auch der Kreis Kleve. Gibt es tatsächlich einen ernsten Verdachtsfall, wird das St.-Clemens-Hospital Rücksprache mit dem Gesundheitsamt halten. Das entscheidet, wo der Patient behandelt werden soll. Isolationsräume gibt es in Kleve, Düsseldorf und Essen. Erst wenn dort die Betten voll sind, werde in Geldern ein Isolationsraum eingerichtet, so Schnabel.

Die Kassenärztliche Vereinigungen weist zudem auf die kostenlose Arztrufnummer 116 117 hin. Hier hilft medizinisches Fachpersonal bei der Klärung von Fragen. Die Ansprechpartner können anhand eines Fragebogens auch einschätzen, ob ein Risiko besteht.

Wer darf ins Fieberzelt in Kleve? Die Fieberambulanz in Kleve ist derzeit rund um die Uhr geöffnet. Längere Wartezeiten vor dem Zelt sind nicht auszuschließen. Kliniksprecher Christian Weßels weist darum ausdrücklich darauf hin, dass ausschließlich Menschen mit Grippesymptomen wie Fieber, Krankheitsgefühl, Husten und Schnupfen dort getestet werden. „Zu uns kommen Menschen ohne Grippesymptome, um sich testen zu lassen. Das macht medizinisch keinen Sinn und saugt unnötige Ressourcen“, so Weßels. Im Zelt findet ausschließlich die Diagnostik und keine klinische Behandlung statt. Auch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen können dort nicht ausgestellt werden.

Wie kann man sich schützen? Bewohner des Kreises Kleve, die in den vergangenen 14 Tagen in den Risikogebieten in China, Iran, Italien und Südkorea waren, sollen sich bei der Unteren Gesundheitsbehörde melden, Telefon 02821 85311. Zudem sollten alle die Hygienehinweise beachten: regelmäßig und gründlich Hände mit Seife waschen, Hände aus dem Gesicht fernhalten, in die Ellenbeuge und nicht in die Hand husten und niesen, auf Händeschütteln verzichten und einen Abstand von mindestens einem Meter zu anderen Menschen halten. Bei Krankheitsverdacht sollte man zuhause bleiben und Kontakt zu anderen Menschen vermeiden, auch im häuslichen Umfeld. So empfiehlt es sich, sich in getrennten Zimmern aufzuhalten und Mahlzeiten getrennt einzunehmen.

(veke)