Kreis Kleve: Landwirte treten bei Großveranstaltung mit den Bürgern in den Dialog

Großaktion im Kreis Kleve : Landwirte wollen nicht die Buhmänner sein

Bei einer Großaktion kamen Landwirte am Freitag zu Supermärkten und in Städte, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Eine Sache war den Landwirten wichtig. „Wir wollen nicht demonstrieren, sondern informieren“, sagte Rainer Mott. Der Landwirt aus Winnekendonk hatte sich zusammen mit Berufskollegen am Edeka-Markt Brüggemeier in Winnekendonk postiert, um die Bevölkerung auf die Probleme aufmerksam zu machen. „Wir fühlen uns falsch verstanden, wir sind für viele Leute der Buhmann“, sagt Mott. Dabei sitze man als Landwirt ja mit den Verbrauchern in einem Boot. „Keiner hat ein höheres Interesse am Tierwohl und einer funktionierenden Natur als wir.“

Die Berufskollegen von Rainer Motto bestätigten, dass der Beruf des Landwirts weiterhin Spaß mache. Aber wenn man immer der Buhmann sei, dann verliere man auf lange Sicht einfach die Lust. Die Bauern verweisen zudem darauf, dass sie Klarheit bräuchten. Ein Landwirt etwa habe gerade viel in den Umbau seines Hofes investiert. „Plötzlich gibt es neue Auflagen, und dann musst du in einem Jahr schon wieder umbauen.“ Da seien viele Dinge willkürlich, lautet die Kritik der Landwirte.

Mit zwei Treckern und viel Info-Material waren die Landwirte in Geldern am Markt erschienen. Vor Ort waren (v.l.): Werner Vogt, Martin Wache, Alfons Hacks, Arno Leurs, Kathi Linßen, Florian Oymanns, Hans-Joachim Merkamp, Cornelia Merkamp und Karola Hacks. Foto: Adrian Terhorst

Kritik übten sie auch an einer plakativen Kampagne des Nabu. Der behaupte, dass jeder Bürger 114 Euro für die europäische Agrarpolitik zahle. Diese Darstellung sei völlig verzerrt, weil von dem Geld kaum etwas beim Bauern vor Ort ankommen. Umgerechnet würde jeder Hof gerade einmal zwölf Cent pro Tag bekommen.

Auch am Markt in Geldern waren am Freitagmorgen knapp zehn Landwirte vertreten, um mit Bürgern ins Gespräch zu kommen. Zwischen zwei Trecker gespannt, hatten sie ein großes Banner aufgehängt, auf dem die beiden Slogans „NO FARMERS – NO FOOD – NO FUTURE“ und „Land schafft Verbindung – Wir rufen zu Tisch“ prangen. Die beiden Slogans bilden die Mottos der aktuellen Veranstaltungen der Bauern.

Auch den Landwirten, die am Gelderner Markt vor Ort waren, war wichtig zu betonen, „dass es sich nicht um eine Demonstration, sondern um eine Infoveranstaltung handelt“, sagte der Gelderner Landwirt Alfons Hacks. „Wir wollen mit den Bürgern vor Ort in Kontakt treten, um landwirtschaftliche Vorgänge zu erklären oder um Missverständnisse auszuräumen.“

„Wir wollen den Bürgern auch klar machen, dass wir für das Insektensterben nicht alleine verantwortlich sind“, sagte Landwirt Martin Wache aus Veen. „Jeder ist für die Natur verantwortlich, nicht nur wir.“ Mit wenig Aufwand könne fast jeder etwas gegen das Insektensterben tun. „Zum Beispiel, wenn man eine kleine Fläche im Garten dafür nutzt, um eine Wildblumenwiese anzulegen“, sagte Wache, der mit seinen Mitstreitern auch Samen für Blühstreifen verteilte. 15.000 Tüten hatten die Landwirte dafür auf dem Hof von Georg Biedemann, der die Aktionen koordiniert, gepackt.