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Konzert von Klaus, dem Geiger, und Gitarrist Marius Peters in Kerken

Konzert in Kerken : Viel Applaus für Vollblut-Musiker

Mit Spielfreude und Spontaneität beeindrucken Klaus, der Geiger, und Gitarrist Marius Peters die Zuhörer auf dem Ridderbeckshof der Familie Peschers in Obereyll.

In den Gesichtern der Zuhörer war abzulesen, wie groß die Lust war, sich wieder bei einem Konzert begegnen zu können, sich auf ein musikalisches Ereignis einzulassen und sich an einem lauschigen Sommerabend von einem in der Zusammensetzung sehr ungewöhnlichen Musikerpaar verwöhnen zu lassen.

Die Rede ist von Klaus, der Geiger, von Wrochem und Gitarrist Marius Peters, zwei akademisch ausgebildete Musiker mit einem Altersunterschied von 50 Jahren. Für den perfekten Rahmen sorgte die Familie Peschers vom Ridderbeckshof. „Diese Art von Veranstaltungen sind ganz wichtig für uns Künstler. Ein Dankeschön an die Familie Peschers, dass sie ihre Privaträume öffnen, um Kunst und Kultur zulassen“, sagte Peters.

Dann ging es los: Mit „Moskauer Nächte“ wurden mehr als 100 Zuhörer ohne Vorwarnung auf Betriebstemperatur gebracht. Es folgte ein griechischer Tango von Vittorio Monti, bei dem sich die beiden Musiker fast Stirn an Stirn gegenüberstanden und sich mit ihren Instrumenten eine Art musikalische Schlacht lieferten. In einer eigenen Version zu „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ drückten sie ihr Unverständnis über die Politik und den damit verbundenen Umgang mit der Kunstszene aus. „Was ist der Mensch ohne Kultur? Ein geistloses Wesen, rund um die Uhr“, hieß es da. Die alten Straßenkracher aus der Zeit, als die Kölner Schildergasse 40 Jahre lang die Bühne von „Klaus, der Geiger“ war, wurden ebenfalls ins Repertoire eingestreut.

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In der Pause, in der sich die Gäste mit Getränken und Speisen am kleinen Buffet versorgen konnten, ging der Hut rum. Offensichtlich hatte das aufmerksame und begeisterungsfähige Publikum auch ein sehr feines Gespür für die ernste Lage der Künstler – denn das Geraschel der Geldscheine übertönte das Geklimper der Münzen. „Wir haben noch nie so einen guten ersten Durchgang gespielt, denn bei Improvisationen weiß man vorher nie, ob es klappt – aber es macht Spaß“, meinte Peters augenzwinkernd, bevor es in die zweite Runde ging.

Beiden war zu jeder Sekunde des 90-minütigen Konzerts die begeisternde und mitreißende Freude am Musizieren und Improvisieren anzumerken. Dabei fanden sie die Zeit, dem Publikum den Hintergrund mancher Stücke zu erklärten. „Anfang des Jahres“, begann der Geiger zu erzählen, „da war ich verdammt fies drauf. Die Pandemie. Ohne Perspektive eingeschlossen sein. Ständig Streit mit der Frau. Doch irgendwann habe ich mir die Frage gestellt: Warum machen wir uns eigentlich gegenseitig das Leben schwer?“ Und so kam ihm die Idee, zur Melodie des Klassikers von Louis Armstrong „What a wonderful world“ mit einem eigenen Text das Wunder des Lebens zu besingen. Die volle Punktzahl vom Publikum erhielt das Duo auch bei einem Arrangement des Hits „Scarborough Fair“ von Simon & Garfunkel aus den 60er Jahren. Nach mehreren Zugaben und mit viel Beifall und Bravorufen endete ein besonderer Abend.