Konzert für zwei Orgeln in St. Maria Magdalena Geldern.

Klassische Musik : Klänge von zwei Orgeln – zurückhaltend und stark gespielt

Hans-Jakob Gerlings und Dieter Lorenz in Gelderns Pfarrkirche St. Maria Magdalena.

„Alternatives Spiel auf zwei Orgeln, seit dem 15. Jahrhundert im Gottesdienst üblich, wird seit dem Aufkommen des mehrchörigen Stils mehr und mehr beliebt“, hieß es im Programmheft des „Konzerts für zwei Orgeln“. Es fand im Rahmen der Geistlichen Konzerte an St. Maria Magdalena statt. Diese Konzertreihe feiert 2019 bekanntlich ihr 50-jähriges Bestehen. Dr. Hans-Jakob Gerlings an der Chororgel und Kantor Dieter Lorenz an der Hauptorgel gaben in Gelderns Pfarrkirche einen Einblick über das Schaffen dieser Praxis, die bis ins 17. Jahrhundert gerne an die Stelle mehrstimmiger vokaler Kirchenmusik mit Orchester gehörte.

Klanglich bestens aufeinander abgestimmt, präsentierten sich die beiden Instrumente mit ihren Künstlern in der „Sonate F-Dur“ von Gaetano Felice Piazza, einem italienischen Organisten und Komponisten, mit fast identisch nasalen Registerklängen im musikalischen Dialog. Die Tradition, für zwei Tasteninstrumente zu schreiben, fand im 18. Jahrhundert auch in Italien Anhänger. Mit klaren Prinzipalchören und feinen Celesten und Violen im reinen italienischen Stil sorgten die beiden Organisten für vielseitige lautmalerische Stimmungen im Zwiegespräch der „Sonata per la festa di Pasqua“ (Oster-Sonate) von Marian Müller, einem Schweizer Benediktiner und Fürstabt des Klosters Einsiedeln.

In Baltasare Antonio Pfeylls „Sonata G-Dur“ wählten die Solisten bei den ruhigen und leisen Stellen wunderschöne weiche Register. Durch eine auf den Punkt gebrachte Abrundung und Dichte, in absoluter Ausgewogenheit in unterschiedlichster Klanggebung bestach die „Bergamasca“ von Girolamo Frescobaldi, die Gerlings solo auf der Chororgel spielte.

Im Dialog verschiedener Themen erschien danach das „Concerto G-Dur“ von Josef Blanco in einem Gefühl von Klarheit und Ausgewogenheit.

Johann Christian Bachs „Rondo F-Dur“ und die „Sonate C-Dur“ erklangen leichtgewichtig unterhaltsam mit sinnlichen Registerkombinationen, melodischem Ideenreichtum und nicht zu anspruchsvollen kompositorischen Fakturen. Für die beiden prachtvollen Instrumente hatten Lorenz und Gerlings ein stimmiges, abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Sie zeigten eine große Flexibilität und hohe künstlerische Sensibilität. Stücke des 16. Jahrhunderts auf der auditiv eher bescheidenen Chororgel klangen ebenso souverän wie Bachsche Orgelmusik.

Der rote Faden des perfekten synchronen Zusammenspiels bestand aus einer gewissen Zurückhaltung, die vorrangig durch die Instrumente bedingt war. Es war nicht das mächtige Plenum oder der satte Orgelklang, durch die dieses Konzert einen bleibenden Eindruck hinterließ, sondern die aparte Färbung der Register und der durchsichtige Gesamtklang. Es gab viel Applaus für ein außergewöhnliches Musik­erlebnis.

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