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Kommentar zur Frage, wie Homeoffice ohne schnelles Internet funktionieren soll

Kommentar „Unsere Woche“ : Kein Homeoffice ohne Internet

Wer in der Corona-Krise Homeoffice für alle predigt, hätte sich vorher auch mal Gedanken über die Digitalisierung im ländlichen Raum machen sollen. Unsere Schule scheinen zumindest im Datenautobahn-Paradies zu leben. Aber stimmt das wirklich?

Ein Mittel im Kampf gegen das Corona-Virus ist „Homeoffice“ auf Teufel komm raus. Es geht darum, Kontakte zu vermeiden, und deshalb soll möglichst jeder Mitarbeiter nur noch von Zuhause aus arbeiten. Wo das möglich ist… Und gerade das ist der Haken, weil man in Bund und Land in den vergangenen Jahren das Thema Digitalisierung nicht ernst genug genommen hat und vergessen hat, auch den ländlichen Raum mit einem guten Datennetz auszustatten. Hermann Oudens aus Kerken zum Beispiel würde liebend gern die Mitarbeiter seiner Steeltrans Logistic GmbH komplett in die Heimarbeit schicken. „Steeltrans hat eine 16.000-Leitung (16 Mbit/s). Ich würde gerne mit allen Angestellten ins Homeoffice gehen, aber ich frage mich wie? Wir versuchen es nun mit der Hälfte der Angestellten, aber es hakt an allen Ecken und Kanten, alles ist einfach zu langsam. Von der Regierung wird eine Menge versprochen, es wird auch Homeoffice-Pflicht eingeführt, aber die Voraussetzungen dafür werden nicht geschaffen“, klagt der Unternehmer mir gegenüber. Er bemüht sich seit langem um einen Glasfaser-Anschluss für die Büros, aber liegt so zwischen den Programmen und Fördergebieten, dass ihm der Anschluss an die Datenautobahn verwehrt wird (wir berichteten im Oktober).

Ganz anders ist es scheinbar plötzlich an unseren Schulen. Alle überschlagen sich, uns zeigen zu wollen, wie wunderbar der Distanzunterricht funktioniert. Ehrlich gesagt zweifle ich an diesem digitalen Paradies im Gelderland. Vielleicht liegt es ja auch an den nahen Anmeldeterminen, dass man in den Kollegien denkt, besser wir sprechen in diesen Tagen mal nicht über Probleme. Unseres Wissens nach gibt es sogar Schulen, die problemlos eine Superleitung hätten bekommen können, als die Deutsche Glasfaser vor ihrer Tür baggerte, für die leider aber kein Vertrag abgeschlossen wurde.

Wir bleiben am Ball.

Dirk

Möwius

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