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Kommentar zum „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren“

Kommentar „Unsere Woche“ : Zweischneidiges Schwert

Geldern will mit Landesmitteln gegen Leerstände in der Innenstadt kämpfen. Das kann eine gute Idee sein. Es ist aber auch ein Eingriff in die freie Marktwirtschaft.

Auf den ersten Blick eine gute Idee: Mit dem Millionen-schweren „Sofortprogramm zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren“ will das Land den Kommunen helfen, der drohenden Verödung der Innenstädte entgegenzuwirken. Verbesserung der Aufenthaltsqualität und des Einkaufserlebnisses sind die Stichwörter.

Dass die Stadt Geldern die Chance ergreift, ist nur folgerichtig, denn im Kern arbeitet sie ja schon seit längerem in dieser Richtung. Dazu gehören die vielen Schritte, die City attraktiver zu machen, vom Winterlicht bis zur Umgestaltung ganzer Straßen, das „Retail Lab für Existenzgründer im Einzelhandel“, der Coworking Space in der Glockengasse und auch das gezielte Eingreifen der Wohnungsbaugesellschaft GWS in den innerstädtischen Immobilienmarkt.

 Dirk Möwius kommentiert.
Dirk Möwius kommentiert. Foto: WfG KK

Der neue Ansatz funktioniert so: Der Inhaber erklärt sich bereit, auf 30 Prozent seiner regulären Miete zu verzichten. Im Gegenzug schließt die Stadt mit ihm einen Mietvertrag über zwei Jahre ab. Gleichzeitig tritt die Stadt als Zwischenvermieter auf. Das heißt, sie versucht die Immobilie an einen geeigneten Kandidaten weiterzuvermitteln. Der neue Mieter profitiert dann am meisten von dem Geschäft, denn er muss dank der Landesmittel nur 20 Prozent der Kaltmiete an die Stadt bezahlen und bekommt dafür ein Ladenlokal in guter Innenstadtlage.

Soweit, so gut. Alles, was Leben in die leeren Geschäfte bringt, was die Menschen zum Bummel durch die Stadt bewegen kann, ist gut für die gesamte Stadt. Und doch muss man sehr vorsichtig agieren und die möglichen Mieter genau auswählen. Denn es wird immer gefährlich, wenn der Staat, in diesem Fall die Stadt, die Gesetze der freien Marktwirtschaft aushebelt. Sprich: Im schlimmsten Fall nutzt ein neuer Anbieter die super günstige Pacht, um einen alteingesessenen Mitbewerber dank der geringeren Kosten in die Knie zu zwingen. Dann erreicht man das Gegenteil von dem, was man will. Statt dem Bestand durch mehr Vielfalt zu helfen, zerstört man durch die Subventionen (von nichts anderem ist ja die Rede) bisher gesunde Unternehmen. Wünschen wir dem Wirtschaftsförderer ein gutes Händchen, die richtigen Mieter für Geldern zu finden.

Dirk

Möwius

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