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Kleve: Verhandlung am Landgericht gegen drei Männer aus Geldern.

Kriminalität im Kreis Kleve : Drogen: Gelderner Trio vor Gericht

Marihuana und Kokain sollen drei Männer in Geldern verkauft haben. Am ersten Verhandlungstag schwiegen die Angeklagten. Die Polizei vermutet Clankriminalität.

Einen langen Atem brauchte die Staatsanwältin am Dienstag im Klever Landgericht, um die Anklage gegen drei junge Männer aus Geldern zu verlesen. 54 Fälle aus den Jahren 2018 bis 2020 umfasst die Schrift. Es geht um Drogengeschäfte, hauptsächlich – aber auch darum, dass einer der Angeklagten eine 18-jährige Geldernerin zu Diebstählen angestiftet, sie bedroht und beleidigt haben soll.

25, 24 und 20 Jahre alt sind die Angeklagten. Sie sollen in Geldern in unterschiedlichem Umfang mit Betäubungsmitteln gehandelt haben. Die Anklage steckt voller Zahlen: 200 Gramm hier, 15 Gramm dort, 50 Euro hierfür, 200 Euro dafür… Die Liste ist lang, meist geht es um Cannabis, mal um Kokain. 3727 Euro Gewinn soll der 24-Jährige mindestens erwirtschaftet haben, 6710 Euro der 25-Jährige, 3822 Euro der 20-Jährige.

Der jüngste der drei Angeklagten soll zudem 1750 Euro gemacht haben, indem er die Zuneigung einer 18-Jährigen ausnutzte: Er habe in eine Beziehung mit der jungen Frau eingewilligt – unter der Bedingung, dass diese ihn dafür bezahle. Als der Partnerin das Geld ausging, habe er sie dazu gebracht, erst Schmuck bei der Großmutter und dann Zahngold in einer Arztpraxis zu stehlen. Auch beleidigt haben soll er sie, und sie auf einer Party unter Vorhalten einer Schreckschusswaffe aufgefordert haben, abzuhauen. „Er wollte sie erniedrigen und seine Macht demonstrieren“, sagt die Staatsanwältin.

Die drei Angeklagten geben sich am Dienstag verschlossen. Nur der 25-Jährige lässt durch seinen Verteidiger einen Überblick über seinen Lebenslauf geben. Angaben zu den Vorwürfen macht keiner der drei Männer. Der Anwalt des 25-Jährigen regt ein Rechtsgespräch an – er will wissen, welche Strafe sein Mandant im Falle einer Einlassung zu erwarten habe.

Das sei derzeit aus Sicht der Kammer nicht sinnvoll, sagt der Vorsitzende Richter. Aber er lässt da etwas durchklingen: Die Polizei habe damals unter der Annahme von Clankriminalität ermittelt. Die Kammer könne das derzeit noch nicht beurteilen, sagt der Vorsitzende – und in Richtung der Angeklagten: „Das sind sie auch selber schuld.“ Struktur und Gebaren des Beschuldigtenkreises hätten den Polizeibeamten keine andere Möglichkeit gelassen.

Der Kammer sei jedenfalls bewusst, dass sie es hier mit einem Heranwachsenden und zwei sehr jungen Männern zu tun habe. „Die Kammer wird das richtig einordnen. Sie sind hier an der richtigen Stelle“, sagt er. Mit Blick auf das weitere Verfahren sollten die Angeklagten darüber nachdenken, was ihnen wichtiger ist, so der Richter: Dass ihre Eltern irgendwann stolz auf sie sein können – oder „dass irgendwelche Typen in Geldern sie als Gangster wahrnehmen“.

Die Verhandlung wird am 25. September um 9.30 Uhr fortgesetzt.