Kultur und Radfahren: Kleinkunst macht großen Spaß

Kultur und Radfahren : Kleinkunst macht großen Spaß

Beim „Theater im Grünen“ starteten wieder zahlreiche Radfahrer zu versteckten Spielorten im Grenzgebiet zwischen Geldern, Straelen und Arcen. Sie ließen sich auch durch den Nieselregen das Vergnügen nicht vermiesen.

Wer am Walbecker Marktplatz pünktlich zur Theaterradtour aufbrach, wurde zunächst „nieselig“ geduscht. Trotz des unbeständigen Wetters, das die Radler über den Tag immer ein wenig beschäftigte, nahmen wieder sehr viele am „Theater im Grünen“ teil. Auf einer landschaftlich schönen Strecke durch die Flora und Fauna im Grenzgebiet werden die Radler zu sorgfältig ausgesuchten Orten geführt, die man normalerweise nicht sieht oder betreten kann. Auch diesmal waren es wieder Privatleute, die ihre Gärten für Musik, Theater, Kleinkunst und Akrobatik vom Feinsten zur Verfügung stellten.

Familie Hille in Auwel-Holt am Loyweg hatte sich für die in Walbeck Gestarteten an der ersten Station sehr viel Mühe gegeben und bot neben Kaffee und Kaltgetränken auch Waffeln und Würstchen an. Hundefriseurin Rebecca Hille stand selbst am Garagenausschank. Leider musste wegen der Empfindlichkeit der elektronischen Geräte der erste Auftritt von „Knäcke“ (Markus Siebert) ausfallen. Die in anderen Regionen gestarteten Radler konnten dem skurrilen Zeitgenossen bei frechem Theater, feiner Komik und rasantem Slapstick zusehen. Sein Walk Act „Giovanni Gassenhauer“ mit Zauberei und viel Situationskomik sorgte für „Glucksmomente“, wie er sein Programm nennt.

Im weiteren Verlauf der Radtour sorgte zunächst die Wegbeschreibung für Verwirrung. Bei „Kreuzung rechts (W.berg)“ hätten die Planer besser Woltersberg ausschreiben können. Denn aufgrund des Regens löste sich die Wegbeschreibung langsam auf, und viele fuhren einfach „falsch“ hinterher. Eine Klarsichthülle hätte Wunder gewirkt: Eine Lehre für das nächste Jahr. Es kamen aber doch alle beim Partyhof Borghs im Westerbroek an. „Theater zonder blabla“, also Theater ohne Gerede, nennt Martin Forget seine Pantomime rund um ein komödiantisches „Tischlein deck dich“.

Durch das Naturschutzgebiet Schandelose Heide ging’s zur nächsten Station in den Niederlanden am Molendijk. Zwischen zwei Schauern verzauberten „Di Filippo Marionette” (Di Filippo und Rhoda Lopez aus Italien) mit ihren selbstgebauten Puppen die Kinder und ließen Erwachsene auch durch Gesang träumen. Ortskundige fuhren von dort direkt zu den Schlossgärten in Arcen, zum neuen Gebäude „De Schans“, weil die Beschreibung verwirrend war. Als wenn es noch nicht nass genug war, spritzte José Orellana sehr zur Freude aller anderen einige Zuschauer nass. Er verwandelte Luftballons in Blumen und konnte fabelhaft mit dem Diabolo umgehen.

Zugang hatten die Teilnehmer beim „Theater im Grünen“ zum sonst privaten Ferienhauspark „Klein Vink“. Hinter einer Villa am See trat die glamouröse und mondäne „La Tanik“ auf. Ihre Show ist eine Mischung aus einem Stapel Hula Hoops, einem fliegenden Hut, einer Menge Tanz, Zirkus, Dreistigkeit und einem Hauch von frivolem Cabaret. Dem Charme von Carmen zu Füßen liegen mussten Jürgen als Butler und Peter als Träger. Auf dem Weg zurück nach Walbeck fuhren viele nur noch geradeaus am Waldfreibad vorbei, weil sie der abenteuerlichen Wegbeschreibung nicht mehr trauten.

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