Geldern: "Klee" lässt das sechste Album sprießen

Geldern: "Klee" lässt das sechste Album sprießen

Die Band um die beiden Gelderner Sten Servaes und Suzie Kerstgens ist zurzeit in Köln im Studio. CD soll im Spätsommer erscheinen. Früher im Sprinter unterwegs, heute im zweistöckigen Bus. USA-Tour als Wunsch.

Hype ist nichts für Sten Servaes. Schnell ist man dann oben, aber oft auch ganz schnell wieder weg vom Fenster. Da bevorzugt er lieber ein stetiges Bergauf. So wie bei der Band "Klee", wo der Gelderner Keyboarder gemeinsam mit der ebenfalls aus Geldern stammenden Sängerin Suzie Kerstgens die Keimzelle bildet. Mit dem bisher jüngsten, 2011 erschienenen Album schaffte es die Gruppe bis auf Platz sechs der Charts. Zurzeit sind die Musiker im Studio für die sechste CD, die im Spätsommer erscheinen soll.

Alle drei Jahre ein neues Album, das ist bisher der "Klee"-Rhythmus. Und dazwischen Tourneen. Am Anfang im Sprinter mit den Bandmitgliedern vorne und der Anlage hinten drin. "So war es während der ersten zwei Alben", erinnert sich Servaes. "Klee" spielte in kleineren Clubs vor bis zu 500 Zuhörern, brachte es auf mehr als 100 Konzerte im Jahr, nicht nur in Deutschland, sondern zum Beispiel auch in London und Amsterdam. "Da haben wir uns Fans erspielt, die noch heute die treue Basis bilden", erzählt der 45-Jährige.

Ob in Clubs oder vor 60 000 Menschen: Immer sucht die Band den Kontakt zum Publikum. Foto: Klee

Und auf dieser Basis ist die Band nach und nach gewachsen. Mittlerweile reist die Formation im zweistöckigen Nightliner-Bus. Was blieb, ist die Klassenfahrt-Atmosphäre. "Wir sind ein tolles Team", betont Servaes, der viel Wert auf den Kontakt mit anderen Bands und mit dem Publikum legt. Wobei ersteres bei Festivals passiert, wenn die Nightliner hinter der Bühne in Reih' und Glied stehen und die Musiker auf Campingstühlen miteinander feiern und flachsen. Auf Tourneen steht das "Klee"-Team nach Konzerten am Merchandising-Stand für Autogramme, Fotos und Gespräche. Da erfahren die Musiker unter anderem, welcher Song wem im Publikum wichtig ist. Zu "Willst Du bei mir bleiben?", einer Single vom 2011er-Album, hat so mancher geheiratet. "Wir bekommen da jede Woche zwei Anfragen, einige wollen auch die Klaviernoten davon haben", freut sich Servaes. Und einige Male wurde bei "Klee"-Konzerten ein Heiratsantrag auf offener Bühne arrangiert. "Es bleibt spannend", meint der Keyboarder.

Ein überwältigendes Erlebnis anderer Art hatte die Band in China. Da spielte sie vor weit mehr als 50 000 Menschen. "In der Stadt war bis wenige Stunden vorher überhaupt nichts davon zu sehen, dass da am Abend ein Konzert stattfinden sollte." "Klee" tourte auf Einladung des Goethe-Institutes bereits zweimal durch das Reich der Mitte, war für das Institut auch in Russland und der Türkei. Dass kaum jemand im Publikum die deutschen Texte verstehen konnte, tat dem Vergnügen keinen Abbruch. Servaes: "Du merkst, dass Musik grenzübergreifend ist."

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Deutsch ist Trumpf auch auf dem neuen Album, dessen Titel noch nicht feststeht. Die Texte schreibt wie üblich Sängerin Suzie Kerstgens. Servaes komponiert und ist Co-Produzent und pendelt intensiv zwischen Köln, das nach wie vor Bandmittelpunkt ist, weil da das Studio ist, unter anderem Suzie wohnt und Servaes viele Bekannte in der Musikerszene hat, und München, wo seine Frau Sophie lebt. Zum Songschreiben ist der Niederrheiner manchmal in die Berge gegangen. Das ist für ihn ebenso inspirierend wie die Städte, die er während der Tourneen kennenlernt.

"Viele Nummern sind tanzbar. Insgesamt ist das neue Album energischer als der Vorgänger", beschreibt Servaes das neue "Klee"-Material, bei dem es gewohnt gefühlvoll zugehe. Das soll, wie der Silberling vor drei Jahren, auch wieder in den USA erscheinen, erneut mit einigen Bonus-Tracks auf Englisch. Der Song "Gold" lief mal bei einer Pontiac-Werbung, hat Servaes sich erzählen lassen.

Wie es weiter geht bei dem Aufwärts-Kurs von "Klee"? "Wir würden gerne mal in den USA spielen", sagt der Gelderner. Und bis zum siebten Album würde er gerne nur zwei statt drei Jahre vergehen lassen.

(RP)
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