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Geldern: Kindesmissbrauch: vier Jahre Haft für Gelderner

Geldern : Kindesmissbrauch: vier Jahre Haft für Gelderner

"Ich wollte immer nur das Beste für die Familie", beteuerte der 63-jährige Angeklagte aus Geldern noch in seinem Schlusswort. "Die mir zur Last gelegten Fälle stimmen so auf keinen Fall", beteuerte er. Das Urteil spricht jedoch eine andere Sprache.

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 22 Fällen und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen wurde der Mann gestern nach zehn Stunden Prozess am zweiten Verhandlungstag zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte viereinhalb Jahre Haft gefordert, die Verteidigung Freispruch mit dem Hinweis darauf, dass die Zeugenaussagen der beiden geschädigten Mädchen unglaubwürdig seien. Die sachverständige Gutachterin hatte die Zeugenaussagen der beiden Mädchen — die den Angeklagten am Montag belastet hatten (die RP berichtete) — zuvor als glaubwürdig eingestuft. Einen Antrag der Verteidigung, das Gutachten der Sachverständigen aufgrund von Befangenheit nicht zu verwerten und stattdessen ein neues Gutachten zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit der beiden Zeuginnen zu beauftragen, lehnte die Strafkammer ab. "Wir halten sie für schuldig, sich an beiden Zeuginnen sexuell vergangen zu haben", stellte der Vorsitzende Richter Christian Henckel nach der Urteilsverkündung fest.

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Indizien für eine Falschaussage der Zeuginnen gebe es nicht, so der Richter. "Da ist nicht mit Absicht irgendetwas konstruiert worden", so Henckel — im Gegenteil habe die ältere der beiden Zeuginnen die sexuellen Übergriffe gar lange Zeit verschwiegen, bis sie die Befürchtung hegte, dass auch ihre jüngere Halbschwester Opfer der sexuellen Handlungen des Lebensgefährten ihrer Großmutter werden könnte — was schließlich auch zutraf.

Außerdem wies Henckel auf die Folgen des Missbrauchs hin: "Dass die Taten spurlos an den Mädchen vorbei gegangen wären — was wir zu ihren Gunsten hätten berücksichtigen müssen — können wir nicht feststellen." Zudem wurde der Angeklagte dazu verurteilt, der heute 19-jährigen Hauptgeschädigten Schmerzensgeld in Höhe von 5000 Euro zu zahlen.

(jehe)