Kerken will dem Ärztemangel begegnen

SPD will Runden Tisch : Kerken will dem Ärztemangel begegnen

Auf Antrag der SPD sollen Mediziner, Politik und Verwaltung gemeinsam nach Lösungen suchen. Angedacht ist ein runder Tisch. Viele Bürger würden sich Sorgen um die medizinische Versorgung machen.

Mit einem Runden Tisch soll in Kerken versucht werden, einer drohenden Verschlechterung der hausärztlichen Versorgung in der Kommune entgegenzuwirken. Von der SPD kommt die Idee, an mit den niedergelassenen Medizinern die aktuelle Lage und zukünftige Entwicklungen der ärztlichen Versorgung in Kerken zu erörtern. Aus diesen Gesprächen sollen sich möglichst praxisnahe Hinweise für die Schaffung möglicher Anreize einer Niederlassung von (Haus-) Ärzten in Kerken ergeben. Der entsprechende Antrag der Sozialdemokraten wird am Mittwoch im Schul-, Kultur- und Sozialausschuss behandelt. Die Verwaltung befürwortet die Anregung zu einem gemeinsamen Gespräch mit den in Kerken ansässigen Hausärzten.

In den Gesprächen mit den Bürgern sei immer wieder zu hören, dass man sich Sorgen um die ärztliche Versorgung macht, so SPD-Fraktionsvorsitzender Uwe Priefert im Gespräch mit unserer Redaktion. Besonders, seitdem in Aldekerk eine Praxis geschlossen hat und wohl bisher keine Nachfolger gefunden hat, dränge das Thema. Priefert: „Da waren wir uns einig, dass wir das auch politisch behandeln müssen. Ich erhoffe mir, dass von den Medizinern Ideen kommen, wie wir gemeinsam junge Ärzte für Kerken begeistern können. Ich weiß aber auch aus eigenen Gesprächen mit Ärzten, dass das nicht einfach wird.“

Zuständig im eigentlichen Sinne ist die Gemeinde für das Thema nicht. Der Kreis Kleve ist als Träger des Rettungsdienstes und als untere Gesundheitsbehörde zwar ein wichtiger Leistungserbringer im Gesundheitswesen, aber nicht zuständig für die ambulante und stationäre Ärzteversorgung. Verantwortlich sind Bund und Länder für den Rechtsrahmen sowie die Kassenärztlichen Vereinigungen für die Umsetzung im ambulanten Sektor.

Trotzdem nimmt der Kreis Kleve sich schon seit längerem des Themas „Ärztemangel“ an. Schließlich weiß man im Kreishaus wie in den Rathäusern, dass eine gute medizinischen Versorgung ein entscheidendes Kriterium ist, ob junge Familien zuziehen oder nicht. Und es ist ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität in den Gemeinden. Aus Sicht der Gemeinde Kerken fällt die Bilanz aber enttäuschend aus, heißt es in der umfassenden Vorlage zu Sitzung. So habe der Kreis Kleve in der Vergangenheit intensive Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein und der Ärztekammer Nordrhein geführt, um Versorgungslücken entgegenzuwirken. Darüber hinaus habe der Kreis auch selber verschiedene Maßnahmen (etwa finanzielle Anreize) zu Verbesserung der (haus-)ärztlichen Versorgung im Kreisgebiet initiiert. Kerkens Bürgermeister Dirk Möcking in der Vorlage: „Alle Maßnahmen und Aktionen des Kreises Kleve haben aber bisher ebenso wenig eine Trendwende herbeiführen können wie Verweise auf Planungen und vorrangige Zuständigkeiten insbesondere der Kassenärztlichen Vereinigung. Im Ergebnis ist festzustellen, dass die bisherigen Ideen des Kreises den Rückgang der hausärztlichen Versorgung nicht haben verhindern können und auch die vom Land aktuell getroffenen Maßnahmen zumindest nicht kurzfristig zu einer Verbesserung der hausärztlichen Versorgung in den ländlichen Gebieten führen werden.“

Das Land habe, da es in vielen ländlichen Regionen Nordrhein-Westfalens bereits heute spürbar sei, dass es an Hausärztinnen und Hausärzten mangelt, ein Aktionsprogramm gegen den Hausärztemangel aufgestellt. Mit der Landarztquote soll es möglich werden, dass ein gewisses Kontingent der Medizinstudienplätze in NRW an Bewerber vergeben werden kann, die sich verpflichten, nach ihrer Facharztausbildung für zehn Jahre in einer unterversorgten Region als Hausarzt zu arbeiten. Eine weitere gemeinsame Idee von Gesundheitsministerium, Kassenärztlichen Vereinigungen, Ärztekammern und gesetzlichen Krankenkassen in Nordrhein-Westfalen sei, den Quereinstieg von Krankenhausärzten in eine Hausarzttätigkeit zukünftig attraktiver zu gestalten. Insbesondere finanzielle Einbußen die ein solcher Quereinstieg in der Regel bedeute, sollen weitgehend ausgeglichen werden. Darüber hinaus setzt das Land Nordrhein-Westfalen mit dem Hausarztaktionsprogramm schwerpunktmäßig in Kommunen mit bis zu 25.000 Einwohnern finanzielle Anreize und nimmt die Altersstruktur der Hausärzteschaft in den Blick. Vor allem Niederlassungen und Anstellungen für Hausärzte in ländlichen Regionen werden gefördert, um Engpässen in der hausärztlichen Versorgung entgegen zu wirken.

Uwe Priefert hofft, dass es schnell zum Gespräch kommt, um Lösungsansätze zu finden. Denn er habe gehört, dass auch in Nieukerk in absehbarer Zeit eine Praxisschließung zu befürchten sei.

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