Gelderland: Kein Durchkommen beim Ausländeramt

Gelderland: Kein Durchkommen beim Ausländeramt

Für Menschen, die auf die Klever Behörde angewiesen sind, bedeutet die derzeitige Organisation ernsthafte Probleme. Sie beschreiben auch, dass sie trotz drängender Anliegen abgewimmelt werden. Helfer bestätigen solche Eindrücke.

Names A. wohnt in Kevelaer und hat keinen gültigen Aufenthaltstitel. An ihm liegt das nicht. "Er hat sich rechtzeitig gekümmert", sagt Anke Kretz von der Caritas Geldern-Kevelaer, die seinen Fall betreut. Der 29-Jährige kommt aus Irak und genießt Schutz in Deutschland. Vor gut einer Woche sind seine Papiere jetzt abgelaufen.

Im Dezember war Names A. wegen der Verlängerung beim Ausländeramt in Kleve. "Ich bin gekommen um drei Uhr in der Nacht, habe gewartet bis sechs Uhr am Morgen", erzählt er. "Dann haben die Beamten gesagt, es gibt keine Nummer" - also: keine Warte-Karte. Er habe seine Lage nicht erklären können: "Sie sind laut geworden. Sie haben gesagt, das wäre nicht ihr Problem", erzählt er. Er solle einen Termin per E-Mail ausmachen.

"Er hat eine E-Mail geschrieben, auf die er keine Antwort bekommen hat", erzählt Anke Kretz weiter. "Ich habe zwei oder drei Mails geschrieben, die unbeantwortet blieben. Ich habe es telefonisch versucht - es ist schwer, da jemanden zu erwischen." Mitte des Monats bekam sie schließlich eine Antwort: Einen Termin für Names A. für Mitte März.

Foto: Zehrfeld Sina

Die Probleme mit Klever Ausländerbehörde sind vielfältig. Was die Betroffenen selbst erzählen, das beschreiben auch Ehrenamtler und Profis wie die Caritas-Mitarbeiter. Man wolle den einzelnen Mitarbeitern im Amt nichts vorwerfen, sagen Kretz und ihr Kollege Gerrit Hermans, Fachleiter des Bereichs "Integration und Migration" bei der Caritas. Aber sie üben deutliche Kritik an der Organisation und Informationspolitik der Behörde. "Man muss bis zu drei, vier mal hinfahren. Die Mailanfragen funktionieren im Moment einfach nicht", sagt Gerrit Hermans. Die Bearbeitung von Anträgen dauere lange - für Aufenthaltstitel zum Beispiel bis zu neun Monate. Oft wisse kein Mensch, was in einem konkreten Fall zu tun sei, es gebe einfach keine Auskünfte: "Völlig undurchsichtig" sei das, sagt Anke Kretz.

Oft müssen ganze Familien nach Kleve, etwa für Aufenthaltstitel. Bei einer weiteren Anreise kaum schaffbar: "Zum Beispiel, wenn Leute aus Issum oder aus Wachtendonk kommen", sagt Gerrit Hermans. Es gebe Betroffene, die irgendwann ernsthaft verzweifelt reagierten.

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Dazu tragen die praktischen Umstände in Kleve sicher bei. Der 28-jährige Baker K., ebenfalls aus Irak, zeigt ein Handy-Video, das er bei einem seiner zahlreichen Besuche bei der Behörde aufgenommen hat. Er musste wegen seiner Papiere häufig zum Amt und musste das organisieren, obwohl er eine Arbeitstelle hatte. Sein Video zeigt den Bereich vor dem Warte-Haus um drei Uhr nachts: Da stehen Männer, Frauen, Kinderwagen in der Dunkelheit. In einem Schlafsack liegt jemand auf dem Kachelboden vor der Glastür.

Unter dem Eindruck anhaltender Kritik hat der Kreis Kleve jetzt entschieden, das Wartehaus bereits um Mitternacht zu öffnen. Für Kritiker ein Schritt in die falsche Richtung: Nun müssten die Leute erst recht nachts da sein, um vorne in der Schlange zu sein.

Doch auch, wer einen Termin vorweisen kann, kann sich auf wenig verlassen, erzählt der 27-jährige Hussain A.D. aus Syrien. "Ich habe neun Stunden gewartet, von neun Uhr bis sechs Uhr abends" - für ein Gespräch von fünf Minuten. Und der Ton in der Behörde sei schwierig: "Immer nervös. Nie entspannt."

Ankre Kretz betont, dass es um wichtige, drängende Anliegen geht. Names A. zum Beispiel könne, bis seine Papiere aktualisiert sind, nun nichts vorweisen, wenn er in eine Polizeikontrolle kommt. Keinen Job finden, kein Konto eröffnen, keinen Handyvertrag schließen: "Er hat keine Legitimation."

(RP)
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