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Karunai-Verein aus Straelen verhilft indischen Mädchen zur Ausbildung

Hilfe für indische Mädchen : Mit Bildung raus aus der Armut

Vor zwölf Jahren gründete Pfarrer Charles Raya die Karunai-Kinder-Hilfe-Indien. Der Verein hilft 106 Mädchen und jungen Frauen.

Zur Feier des 150. Geburtstags von Mahatma Gandhi gab es in Chinnababusamudram wie vielerorts in Indien vor gut zwei Wochen einen Festumzug und anschließend eine Feier im Karunai-Heim. Die Bewohnerinnen und Mitarbeiter des Waisenhauses feierten gemeinsam mit den Dorfbewohnern. „Das zeigt, dass das Haus in der Region mittlerweile anerkannt ist“, erklärt Maria Röben, Geschäftsführerin des Karunai-Vereins.

Wenige Jahre nach der Gründung der Karunai-Hilfe im Jahr 2007 stand das Haus, das derzeit 28 Mädchen im Alter zwischen neun und 16 Jahren ein Zuhause und eine Schulbildung bietet. Elf weitere Mädchen, die früher im Karunai-Heim gewohnt haben, werden mittlerweile in einem Internat und während der Berufsausbildung gefördert.

Seit zwei Jahren hat der Verein seine Unterstützung auch auf Mädchen außerhalb des Heims ausgeweitet. Damals sei überlegt worden, die Größe des Hauses zu erweitern, um mehr Mädchen Platz zu bieten, wie Röben erzählt. „Dann haben wir uns aber entschieden, nicht in Steine zu investieren, sondern in Kinder.“ Daraus sei die Idee der Schul- und Studien-Stipendien entstanden. „Wir unterstützen Mädchen, deren Eltern das Schulgeld nicht zahlen können.“ Ohne die finanzielle Hilfe aus Straelen würden diese Mädchen von ihren Eltern zum Arbeiten geschickt werden statt in die Schule.

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Aktuell zahlt die Karunai-Kinder-Hilfe-Indien das Schulgeld für Bücher, Prüfungen und Schuluniform für 50 Mädchen aus Chennai, die weiter bei ihren Familien wohnen. Weiteren 17 jungen Frauen ermöglicht der Verein eine berufliche Ausbildung. Sie können die Colleges besuchen, in denen auch die Mädchen, die früher im Karunai-Heim gewohnt und mittlerweile ihren Schulabschluss haben, studieren. „Wir waren im Februar in Indien und haben eine Institution besucht, ein bischöfliches College. Dort kommen nur Kinder aus armen Familien hin, die sehr gute Ergebnisse in der Schule haben. Da habe ich gemerkt: Das Geld ist gut investiert“, sagt Röben und zeigt sich beeindruckt von dem Ehrgeiz der jungen Menschen.

„Nächstes Jahr dann werden unsere ersten Kinder, die mit acht Jahren zu uns kamen, ihre Ausbildung beenden“, berichtet Pfarrer Charles Raya nicht ohne Stolz. Die beiden jungen Frauen befinden sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung zur Krankenschwester und zur Sekretärin.

Das Ziel der Indien-Hilfe aus Straelen ist ganz klar, wie Maria Röben erklärt: „Wir wollen Bildung geben. Die Prämisse ist: Hilfe zur Selbsthilfe.“ Die Bildung soll den Mädchen, die meist über das Sozialamt des südindischen Bundesstaats Tamil Nadu an den Karunai-Verein vermittelt werden, zu einem selbstbestimmten Leben verhelfen. Zur Schule gehen die Mädchen aus dem Waisenhaus auf eine englischsprachige Schule. Pfarrer Charles Raya betont, warum diese Art der Unterstützung gerade für Mädchen und junge Frauen so wichtig ist: „Sie können ihr Leben nicht bestimmen. In Indien haben Frauen, gerade arme Frauen ohne Ausbildung, kaum Rechte.“

Die Unterstützer des Vereins kommen mittlerweile nicht nur aus Straelen. Die Arbeit der Karunai-Hilfe hat sich laut Maria Röben über Mundpropaganda und das Internet in ganz Deutschland herumgesprochen. „Ein Großteil ist aber natürlich hier aus der Region“, sagt die Geschäftsführerin. Unterstützung bekommt die Karunai-Hilfe auch von Firmen, Kirchen und Vereinen aus Straelen und der Umgebung. Spender können zum Beispiel über eine Patenschaft den Mädchen in Indien helfen. Die kostet 360 Euro im Jahr. Die Paten werden regelmäßig über die Entwicklung ihres Patenkinds informiert. „Zu Weihnachten bekommen sie einen selbst geschriebenen Brief, eine gebastelte Karte und ein aktuelles Foto von dem Mädchen“, erzählt Pfarrer Charles Raya. „Die Mädchen fangen teilweise schon im August an, diese Karten zu gestalten“, ergänzt Röben. Weitere Informationen gibt es unter karunai.de.