Kultur im Gelderland: Kanadische Pianistin brilliert in der Tonhalle

Kultur im Gelderland : Kanadische Pianistin brilliert in der Tonhalle

Mit überwältigender Musikalität eröffnete die kanadische Pianistin Aude St-Pierre die Saison 2018/19 der Serenade in der Tonhalle der Musikschulen des Kreises Kleve. Die künstlerische Leiterin Anne Giepner freute sich über die zahlreich gekommenen Besucher und konnte berichten, dass die Solistin und Dozentin an der Hochschule für Musik und Tanz wegen der Unwägbarkeiten der Bahn die Fahrt von Köln nach Geldern mit dem Taxi unternommen hatte, um rechtzeitig zum Konzertbeginn in der Gelderner Tonhalle zu sein.

In einer anspruchsvollen und abwechslungsreichen Programmzusammenstellung ließ Aude St-Pierre gleich im „Adagio“ der F-Dur-Suite HWV 427 von Georg Friedrich Händel mit einer hoch konzentrierten Atmosphäre aufhorchen. In den beiden Sätzen herrschten stetige musikalische Bewegung und energetischer Fluss. Jede Phrase, fast jeder Takt lebte und atmete, Verzierungen glänzten hell und strahlend.

Zurückhaltend dynamische Spannkraft verströmte das abschließende „Allegro“. Die Sonate Nr. 11 A-Dur KV 331 ist eine der bekanntesten Klaviersonaten Wolfgang Amadeus Mozarts; der Komponist schrieb sie 1783/84 in Wien. Das Werk ist insbesondere durch seinen dritten Satz als „Türkischer Marsch“ bekannt geworden. Aude St-Pierre interpretierte das Werk in einem galanten Zuschnitt, das mit einer der eingängigsten Melodien Mozarts anhob. Von schlichter Grazie war das ruhige 6/8-Thema erfüllt, das in sechs Variationen ebenso einfach wie ausdrucksvoll verändert wurde.

Dass Chopin und Debussy zusammengehören, wollte die Künstlerin demonstrieren und ihr bezwingendes Klavierspiel lieferte beeindruckende Argumente. Großflächig legte die Künstlerin die „Suite Bergamasque: Clair de lune“ von Claude Debussy an, die in die wogenden Wellen der „Barcarolle Fis-Dur, op. 60 von Frederic Chopin überging. Auf diese Weise ergaben sich Werkpaare, die durch Gattung, Tonart, Motivik oder ihre Klangfarbe miteinander in Verbindung traten. Es waren subtile, häufig kaum wahrnehmbare Zusammenhänge, die in den langsamen Sätzen zu besinnlichen und sinnlichen Ereignissen führten.

Mit exzellenter Fingerfertigkeit, einem zupackenden Zugriff, mit süffigen Phrasierungen und üppigen Rubati erlebten die Zuhörer die „Trois nouvelles études Nr. 2 As-dur“ von Chopin und im abschließenden Höhepunkt die „Ungarische Rhapsodie“ von Franz Liszt in grandioser Virtuosität. Schlusspunkt eines wunderbaren Musikabends.