Geldern: Kampf um Beitragsfreiheit

Geldern: Kampf um Beitragsfreiheit

Angestoßen von Veerter Erziehungsberechtigten, hat sich eine Elterninitiative gebildet. Sie hat 200 Unterschriften für den Erhalt des beitragsfreien letzten Kindergartenjahrs gesammelt.

Verwirrung bestimmte die letzte Ratssitzung vor der Osterpause, als es um die neuen Elternbeiträge in Gelderner Kindertagesstätten ging. Undurchschaubar war für die Fraktionen das von der Verwaltung vorgelegte Zahlenmaterial (die RP berichtete). Bei vielen Vätern und Müttern in der Herzogstadt herrscht derweil das Prinzip Hoffnung. Hoffnung darauf, dass die Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr nicht gekippt wird. Deshalb hat sich, angestoßen von Veerter Erziehungsberechtigten, eine Elterninitiative gebildet. 200 Unterschriften wurden gesammelt, um die vom Rat geplante Streichung noch zu verhindern.

Enorme Belastung

"Viele Eltern verlassen sich auf das beitragsfreie letzte Kindergartenjahr. Eine Streichung wäre eine enorme Belastung", sagen Heidi Pauels und Bärbel Mehler, die Sprecherinnen der Initiative. In einem Schreiben, das sowohl Bürgermeister Ulrich Janssen als auch den Ratsfraktionen zugegangen ist, erhebt die Elterninitiative Vorwürfe.

Sie spricht von einem "Vertrauensverlust" in die Kommunalpolitik. Eltern, für deren Kinder jetzt im August das letzte Kindergartenjahr beginnt, hätten sich auf die seit zwei Jahren praktizierte Beitragsfreiheit verlassen. Die geplanten Streichungen bewiesen die Kurzsichtigkeit der Gelderner Kommunalpolitik. "Hier wird mit heißer Nadel gestrickt. Entscheidungen, die wenigstens mittelfristig Bestand haben, nehmen ständig ab", kritisiert die Initiative. Mit der Streichung würden die Eltern doppelt zur Kasse gebeten. Bärbel Mehler: "Mit dem beitragsfreien Kindergartenjahr wurde auf die angedachte Senkung der monatlichen Beiträge verzichtet. Wenn die Beitragsfreiheit jetzt endet, zahlen die Eltern noch mehr." Ein weiteres Problem beschreibt Heidi Pauels: "Die Eltern mussten sich im Februar bereits entscheiden und die Verträge unterschreiben. Aus denen kommen sie jetzt nur noch aus wichtigen persönlichen Gründen heraus." Um ihre Kinder an den Nachmittagsaktivitäten laut Kinderbildungsgesetz (KiBiz) teilnehmen lassen zu können, seien viele von 25 auf 35 Wochenstunden gegangen.

Als nicht sehr hilfreich bewerten die Sprecherinnen die von SPD und Grünen ins Spiel gebrachte Befreiung von Geschwisterkindern. Das sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Von etwa 998 Kindergartenkindern seien nur etwa 90 Geschwisterinder. Jetzt warten die Eltern auf die vom Bürgermeister angekündigte Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses. Protestaktionen schließen sie nicht aus.

(RP)