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Kabarettist Serhat Dogan zeigt in Weeze sein neues Programm

Kabarett in Weeze : Ein Abend über Hunde-Yoga und türkische Rechts-vor-links-Regeln

Serhat Dogan präsentierte im Bürgerhaus Weeze sein Programm „Glücklicher Türke aus Bodenhaltung“. Unterhaltsam nahm er dabei deutsche Stereotype aufs Korn.

Serhat Dogan versteht die Welt nicht mehr. Gerade erst ist er in Berlin angekommen, hat sich in ein Restaurant gesetzt und möchte einfach in Ruhe ein Bier trinken. Er bestellt ein Glas Berliner Weiße, doch anstatt ihm das Kaltgetränk zu bringen, fragt der Kellner: „Rot oder Grün?“ Dogan antwortet verwirrt: „Weiß!“, doch die Servicekraft bleibt stur bei ihrer Frage, was den kurz vorher angereisten Gast sichtlich verwirrt.

Schulterzuckend blickt er ins Publikum und sagt dann mit einem Augenzwinkern: „Bei uns Türken kauft man zwar T-Shirts, bei denen vorne Adidas und hinten Puma draufsteht, aber wenigstens bekommt man ein weißes Shirt, wenn man eins bestellt.“

Dogans skurrile Unterhaltung in Berlin ist nur eine von vielen Geschichten, die der Kabarettist an diesem Abend im Bürgerhaus in Weeze erzählt. Der Ausgangspunkt seiner „Tagebucheinträge“ ist dabei immer gleich: Gerade aus der Türkei nach Deutschland gezogen blickt Dogan unvoreingenommen und etwas naiv auf die deutsche Sprache und Kultur. In seiner Rolle als Außenstehender deckt er dabei nicht nur sprachliche Widersprüche wie die Farbgebung von Berliner Weiße auf, sondern macht sich auch über lokale Akzente lustig: „Ich habe vorher zwei Jahre lang Deutsch gelernt, aber hier in München verstehe ich gar nichts“, sagt er und kratzt sich ratlos am Kopf.

Das Kabarett-Rad erfindet Dogan mit Ausführungen dieser Art zwar nicht neu und schreckt auch nicht vor eher flachen Witzen zurück. Gleichzeitig beweist er jedoch ein gutes Gespür für die verschiedenen Feinheiten der deutschen Lebensrealität und hält dem Publikum wiederholt effektiv und unterhaltsam den Spiegel vor.

Abgesehen von seinem Tagebuch, hat der Kabarettist einen Fahrprüfungsbogen dabei, an dem die Unterschiede zwischen deutschem und türkischen Straßenverkehr erläutert werden: „Rechts vor links? So was gibt es bei uns nicht. Wenn ein Fahrrad, ein Lkw und ein Auto an der Kreuzung stehen, dann fährt zuerst der größte und stärkste Verkehrsteilnehmer.“ Auch das Thema Liebe kommt beim Programm „Glücklicher Türke aus Bodenhaltung“ natürlich nicht zu kurz: Hier ist es die viel zu esoterische Ex-Freundin, die nicht nur einen aggressiven Straßenhund adoptiert, sondern mit ihm auch noch zum Yoga geht, um dessen hitziges Gemüt zu zähmen.
  Das bunt gemischte, knapp zweistündige Programm kommt bei den 77 anwesenden Weezern im Bürgerhaus sichtlich gut an. „Es war ein super Gesamtpaket“, sagt Lore Drissen nach der Show. Sie und ihre Freundin haben immer noch ein breites Grinsen im Gesicht.

(cwe)